Stadtführer Jochen Egin nahm die Führungsteilnehmer mit auf eine spannende Entdeckungsreise durch Stadtgeschichte und Einzelhandel. Foto: Siegmeier

Jochen Egin erfreut mit einem neuen Stadtführungsformat: Die „GaumenKulTour“ war bereits zum Auftakt ausgebucht. Neben Historie gibt es interessante Abstecher in Rottweils Einzelhandel.

Dass Rottweil nicht nur reich an Geschichte ist, sondern auch kleine, aber feine Einzelhandelsgeschäfte zu bieten hat, das geht im Alltag und beim Hetzen von hier nach da oft unter. Das neue Stadtführungsformat „GaumenKulTour“, das das Rottweiler Stadtmarketing gemeinsam mit dem Einzelhandel entwickelt hat, sorgt für interessante Einblicke.

 

Nur dem Kaiser unterstellt

Stadtführer Jochen Egin nahm die Teilnehmer – mit 18 Personen war die Führung restlos ausgebucht – mit auf eine zweistündige spannende Entdeckungsreise durch die einstige Freie Reichsstadt.

„Und schon das ist etwas Besonderes“, machte Egin aufmerksam. Während andere Städte den Landesherren unterstellt waren, konnten die Reichsstädte eigene Politik betreiben, Steuern erheben und manches mehr. Sie waren lediglich dem Kaiser unterstellt. „Und Rottweil war immerhin neben Schwäbisch Hall und Ulm die drittgrößte Freie Reichsstadt“, ließ Egin wissen.

Partnerschaft seit 1914

Er knüpfte auch eine Verbindung zur ersten Station, dem „Schweizer Lädele“ beim Schwarzen Tor, und ging auf den Ewigen Bund mit der Schweiz ein und die Städtepartnerschaft mit Brugg, die als eine der ältesten im Land gilt und seit 1914 besteht.

Beim Apero im „Schweizer Lädele“ informierte Sabine Horn die Gäste über das Sortiment mit Feinkost und Delikatessen. Frisch gestärkt ging es durch die Fußgängerzone und die Gassen.

Egin berichtete unter anderem über die Bauweise der Häuser in der Oberen Hauptstraße, den burgundischen Baustil und die Erker, bevor dann beim „Aromio“ in der Hohlengrabengasse die zweite kulinarische Station angesteuert wurde. Das Gebäude, in dem das „Aromio“ untergebracht ist, steht auf dem „Martinschen Gelände“, so Egin.

Von der Brauerei zum Modegeschäft

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts stand hier die Pfauenbrauerei. Das dazugehörige Gasthaus war in der Hochbrücktorstraße angesiedelt. Heute ist hier ein Modegeschäft untergebracht, und lediglich das Erkerfeld mit einem goldenen Pfau erinnert noch an die einstige Nutzung.

Im „Aromio“ konnten sich die Teilnehmer umschauen, so manches Schmankerl verkosten und sich von Inhaber Robert Bacic das Ladenkonzept erläutern lassen.

Unter anderem im „Aromio“ konnten sich die Teilnehmer der Stadtführung ausgiebig umschauen. Foto: Siegmeier

An der nächsten Station erklärte Tina Graf, die Inhaberin der „kleinen Confiserie“ in der Kameralamtsgasse, wie man Pralinen herstellt. Natürlich durften diese auch verköstigt werden.

Die Kameralamtsgasse ist reich an Geschichte, ließ Egin wissen. Auf der Pürschgerichtskarte von David Rötlin ist diese Gasse übrigens noch gar nicht existent. Damals war die Häuserzeile in der Hochbrücktorstraße noch geschlossen, zeigte Egin auf und hatte noch einige weitere Informationen parat.

Vielfalt überrascht

Zum Abschluss ging es ins „Violas“ in der Oberen Hauptstraße – ein Haus mit Geschichte, denn hier war einst die Hofgerichtsstube untergerbacht.

„Violas“-Inhaberin Sabrina Saricam freute sich ebenfalls über den Besuch, informierte über ihr Angebot und auch sie hatte ein paar „Probiererle“ vorbereitet.

Die Resonanz auf die Führung war durchweg positiv. „In manchem Laden war ich noch nie“, „ich wusste gar nicht, dass es hier so tolle Läden gibt, und „ich muss hier unbedingt nochmal shoppen gehen“, war von den Teilnehmern zu hören.

Weitere Führungen

Am 30. September findet die nächste „GaumenKulTour“ statt. „Das Interesse der Einzelhändler ist sehr groß und die Führungen wird es nach dem 30. September auch mit weiteren Einzelhändlern geben“, informierte Kristina Barth vom Stadtmarketing.

Weitere Infos und Anmeldung unter www.tourismus-rottweil.de/veranstaltung/oeffentliche-fuehrung-rottweiler-gaumen-kultour-cf0ae651fd.