Kommt das neunjährige Gymnasium zurück? Foto: dpa/Armin Weigel

Die grün-schwarze Landesregierung plant, das neunjährige Gymnasium zurückzuholen. Das sagen Schulleiter aus Albstadt, Balingen, Hechingen und Meßstetten dazu.

Die Landesregierung ist offen für ein neues G9-Modell. Über eine Rückkehr zu G9 war schon lange diskutiert worden.

 

Unsere Redaktion hat sich bei Gymnasien im Zollernalbkreis umgehört, wie deren Schulleiterinnen und Schulleiter zum neunjährigen Gymnasium stehen.

So lautet das Fazit:

Gymnasium Ebingen

Das Gymnasium Ebingen findet sich in einer besonderen Situation wieder, denn es ist als einziges Gymnasium im Kreis seit Jahr und Tag G9-Schule – schon seit Langem hat es mangels Interesse keine G8-Klasse mehr gegeben. Allerdings bedeutete G9 in Ebingen bis dato lediglich zwölf zusätzliche Stunden; über weitere 18 würde sich Schulleiter Christian Schenk durchaus freuen. Wobei er sich darauf einstellt, dass mit dem zusätzlichen Schuljahr auch neue Inhalte in den Lehrplänen kommen werden.

Gymnasium Meßstetten

Schulleiter Norbert Kantimm findet es gut, dass das G9-Modell wieder eingeführt werden soll. „Dann ist es kein ,Privileg’ einzelner Schulen mehr; außerdem haben die Eltern klar zum Ausdruck gebracht, dass sie das G9-Modell wieder haben wollen.“ Zwei Dinge gibt es, die sich Kantimm für das „neue“ G9-Modell wünschen würde: Mehr Möglichkeiten für Schüler, praktische Erfahrungen zu sammeln – zum Beispiel durch ein soziales Praktikum – sowie mehr Zeit und Gelegenheit, grundlegende Inhalte und Kompetenzen zu vermitteln und zu festigen, wie zum Beispiel Lesen, Schreiben und Rechnen.

Progymnasium Tailfingen

Dem Progymnasium Tailfingen bringt die Rückkehr von G9 keine weitere Jahrgangsstufe ein, aber für Rektor Stephan Maulbetsch wird sich etwas ändern: Er hofft auf eine dezente Lehrplanentzerrung, auf eine behutsame Änderung der Fremdsprachenfolge, etwas mehr Zeit zum Üben und darauf, dass einiges, was in acht Sekundärschuljahren allenfalls im Vorbeigehen gestreift werden konnte, in Zukunft eingehender behandelt werden kann.

Gymnasium Hechingen

Statt G9 einzuführen wäre es ihr und vielen Lehrern lieber, „man würde den Bildungsplan reduzieren und an G8 anpassen“, erklärt Melanie Dreher, Rektorin am Hechinger Gymnasium. Denn das sei bei Einführung von G8 zwar versprochen, aber nie umgesetzt worden. Tatsächlich seien eher Inhalte dazu gekommen. „Das ist zwar gut, kostet uns aber halt auch Schultage.“

Bei einer Rückkehr zum neunjährigen Weg zum Abitur müsste zudem Platz für einen kompletten zusätzlichen Jahrgang geschaffen werden. „Das wären hohe Kosten für den Schulträger“, erklärt Dreher. Und wo angesichts des Lehrermangels die dann zusätzlich benötigten Lehrkräfte herkämen, wisse sie auch nicht.

Gymnasium Balingen

„Als Schulleiterin begrüße ich die Rückkehr zu G9. Gerade in der Mittelstufe verbringen die Jugendlichen viel Zeit an der Schule. Ein weiteres Schuljahr wird den Stress reduzieren und den Schülerinnen und Schülern mehr Lern- und Reifezeit ermöglichen“, sagt Michaela Mühlebach-Westfal vom Gymnasium Balingen. Entscheidend für ein erfolgreiches G9 sei aber die geplante Umsetzung. „Ein einfaches‚Zurück‘ zum früheren G9 Modell halte ich für nicht sinnvoll“, betont Mühlebach-Westfal.