Auf dem Parkplatz zwischen Bolzplatz und Feuerwehr wollen die Gemeinde Seelbach und das Landratsamt ein Containerdorf errichten. Foto: Köhler

25 Einheiten für insgesamt 50 Bewohner: Landratsamt und Gemeinde wollen auf dem Parkplatz „Im Wiesengrund“ eine Container-Anlage errichten. Schon im Dezember könnten die ersten Asylbewerber einziehen.

Zwischen Bolzplatz und Feuerwehr sollen schon bald Flüchtlinge leben. Die Gemeinde stellt dem Ortenaukreis den Parkplatz „Im Wiesengrund“ für eine Containeranlage zur Verfügung. Mit solchen Unterkünften, die vorerst für zwei Jahre ausgelegt sind, will das Landratsamt verhindern, dass durch die hohe Auslastung zum Beispiel Sporthallen für Flüchtlinge hergerichtet werden müssen.

 

„Landrat Frank Scherer hat am 20. September alle Kommunen angeschrieben und nach Flächen gefragt“, berichtet Alexandra Roth, Dezernentin für Infrastrukturen, Baurecht und Migration des Landratsamts, beim Pressegespräch im Seelbacher Rathaus. Das Landratsamt rechne damit, dass die Zahl der Asylbewerber in der Ortenau bis Ende des Jahres noch auf etwa 2000 ansteigen werde. Da die Auslastung derzeit schon bei 93 Prozent liege, sei es wichtig, weitere Unterkünfte zu schaffen. „Außerdem wissen wir nicht, wie sich der aktuelle Krisenherd im Nahen Osten entwickelt. Das könnte auch wieder Flüchtlinge nach sich ziehen“, blickt Roth mit Sorgenfalten nach Israel.

Seelbach wird 15. Standortkommune im Kreis

Mit der Gemeinde Seelbach seien nun als erstes konkrete Pläne entstanden. „Es gibt derzeit 14 Standortkommunen, in denen neun Containeranlagen mit 790 Plätzen stehen“, so Roth weiter. Die Gemeinde Seelbach werde die 15. sein. Mit weiteren Kommunen sei man derzeit im Gespräch, weitere Standorte werde es geben, hofft Roth. „Es gibt keine Denkverbote.“ Je mehr Flächen man finde, desto besser.

Der Parkplatz „Im Wiesengrund“ sei für eine Container-Anlage „sehr geeignet“, erläutert Roth. Für die Unterbringung von Flüchtlingen sei es entscheidend, dass diese zentrumsnah unterkommen mit Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten sowie einer Anbindung an den ÖPNV. „Wir sind der Gemeinde sehr dankbar für diesen Standort“, so die Dezernentin im Landratsamt.

Hallen sollen nicht belegt werden

Bürgermeister Thomas Schäfer erklärte, dass bei der Flüchtlingsunterbringung „schnelle Hilfe benötigt wird. Wir wollen die Menschen nicht in Zelten oder in einer Halle unterbringen“, sagt er. Deshalb habe die Gemeinde einen Suchlauf gestartet und sich für den Parkplatz entschieden – auch aufgrund der guten Infrastruktur. „Wasser und Abwasser ist bereits vorhanden und Strom können wir leicht dorthin legen“, so der Rathauschef.

Die Dezernentin des Landratsamt schildert, wie die Flüchtlingsunterkunft aussehen soll: „Geplant sind 25 Wohncontainer, ein Aufenthaltsraum, eine Küche, getrennte Sanitär- und Duschräumlichkeiten, ein Wasch- und Trockenraum sowie ein Büro.“ Als Schlafraum stehen pro Einheit 4,5 Quadratmeter zur Verfügung. 44 mal 14 Meter soll die Gesamtanlage messen. „Wir wollen vorrangig Familien unterbringen“, sagt Roth. Die Herkunft der Flüchtlinge werde dabei voraussichtlich bunt gemischt sein. Derzeit kämen die meisten Asylbewerber aus der Türkei, aber auch Syrer, Afghanen oder Ukrainer, die immer weniger privat Zuflucht finden, wie Schäfer ergänzte, könnten in der Containeranlage in Seelbach unterkommen. Eine Unterbringung nach Herkunftsländern könne der Kreis bei der aktuellen Auslastung nicht leisten. „Die Menschen müssen miteinander klarkommen“, so Roth, „es gehört dazu, die Toleranz zu lernen“.

Die 48 derzeitigen Flüchtlinge sind integriert

Derzeit, informiert Jutta Fischer vom Bürgerbüro, leben in Seelbach 48 Flüchtlinge. Mit der neuen Anlage würde sich die Zahl also etwa verdoppeln. Hinzu kommen einige Ukrainer, die privat untergekommen sind. „Alle Plätze sind belegt“, so Fischer. Zehn weitere Flüchtlinge sollen im Januar im Haus in Wittelbach einziehen, das die Gemeinde für diesen Zweck gekauft hat. Damit erfülle die Gemeinde die Aufnahmequote. „Die Flüchtlinge sind integriert. In den Vereinen, in der Schule. Einige arbeiten ortsansässig in Seelbach. Wir gehen davon aus, dass das auch weiterhin gut laufen wird“, schildert Fischer die derzeitige Lage.

Schäfer erklärt, dass man auch aus diesem Grund durchaus positiv der Herausforderung entgegenblickt. „Wir hatten von 2015 bis 2018 eine ähnliche Anlage in der Eisenbahnstraße und haben damit gute Erfahrungen gemacht“, berichtet er, „wir hoffen, dass diese Offenheit auch hier vorhanden ist. Ich verstehe die Menschen, die sagen: ,Wir müssen zuerst auf uns schauen’. Denn die Kosten zum Beispiel für Energie sind auch gestiegen. Doch es geht darum, die Flüchtlinge humanitär so gut zu versorgen, wie es geht. Wir hoffen, dass die Anlage von den Seelbachern mitgetragen wird“.

Auch Roth erklärte, dass das Ziel sei, mögliche Ängste zu nehmen. Bevor die Anlage in Betrieb geht, soll eine Besichtigung für die Seelbacher möglich sein. Die Anwohner in der Nähe des Parkplatzes seien bereits schriftlich über die Pläne informiert worden, so Schäfer. Besprochen wird die Unterkunft zudem noch einmal öffentlich: am Montag, 16. Oktober, wenn der Gemeinderat abschließend grünes Licht geben soll. Werden dann die Container schnell geliefert, könnten sie im Dezember bereits bezogen werden, so Roth.

Kreis trägt die Kosten

Auf die Gemeinde Seelbach kommen keine direkten Kosten zu, da sich die Erschließung mit Wasser, Abwasser und Strom unkompliziert gestaltet, so Bürgermeister Schäfer. Die Gemeinde stellt dem Kreis die Fläche unentgeltlich zur Verfügung, der wiederum die Kosten für die Container übernimmt.