Die Spannung steigt, wer wird an der Seite von Oberbürgermeister Jürgen Roth Platz nehmen? Foto: © Robert Kneschke/Ivan – stock.adobe.com

Der Referent von Oberbürgermeister Jürgen Roth, Felix Cramer von Clausbruch, bricht bereits im April seine Zelte in Villingen-Schwenningen ab. Der Platz an Roths Seite wird damit frei, doch die Stadt hinkt noch hinterher.

Felix Cramer von Clausbruch war am 12. März mit überraschender Klarheit zum Bürgermeister der Gemeinde Rietheim-Weilheim im Landkreis Tuttlingen gewählt worden.

 

Mit 67,10 Prozent der Wählerstimmen gewann er die Wahl trotz starker Konkurrenz durch Jochen Karl (32,74 Prozent) klar. „Das hätte ich, ehrlich gesagt, nicht gedacht“, sagte Felix Cramer von Clausbruch noch am Wahlabend im Gespräch mit unserer Redaktion.

Nur drei Jahre lang war er als Jürgen Roths persönlicher Referent der Mann an dessen Seite. Nun musste die Position erneut ausgeschrieben werden. Zuvor wäre Jörg Röber eigentlich Inhaber der Stelle gewesen, dass dieser schon bald nach Roths Wahl eine ganz andere Position bekam, war folgerichtig: Jörg Röber hätte die Stelle geerbt, er war zuvor Referent von Roths Vorgänger im OB-Amt Rupert Kubon gewesen. Doch dann hatte Röber eigene Ambitionen, kandidierte um den Chefsessel im Rathaus und war im Wahlkampf für den Posten des VS-Stadtvaters Jürgen Roths ärgster Konkurrent.

Jörg Röber während seines Wahlkampfs um die Position des Oberbürgermeisters von VS. Foto: Eich

Anstatt nach dessen Wahlsieg der Persönliche Referent seines Kontrahenten zu werden, blieb ihm die Schmach mit der Schaffung einer neuen Stelle und gleichzeitiger Wahrung seines Gesichts und seines Status’ erspart: Röber wechselte schließlich auf die neue, bis dahin nicht dagewesene Position des Digitalbeauftragten der Stadtverwaltung – und verließ die Doppelstadt wenig später ganz.

Das Interesse an der verwaisten Referenten-Stelle war groß, gelten solche Positionen doch allgemein als Sprungbrett für eine Karriere in der Kommunalpolitik. 44 Bewerber wollten in Röbers Fußstapfen treten. Die Wahl fiel schließlich auf den damals 31-jährigen Stefan Stamer.

Ein zaghafter Handschlag beim Pressetermin zum Anfang – Stefan Stamer (links) wird von OB Jürgen Roth begrüßt. Foto: Eva-Maria Huber

Hat die Chemie wirklich gestimmt?

Aus Pforzheim war der junge Mann, ein Verwaltungswissenschaftler, damals nach VS gezogen, um zum ersten Mal eine Stelle in leitender Position anzutreten. Kurz nach seinem Amtsantritt freute er sich über seinen Erfolg: „Die Chemie hat gestimmt – und das ist bei so einer Position ja auch wichtig“, resümierte er angesichts von reichlich Konkurrenz im Bewerberfeld, die er hinter sich gelassen hatte. Doch wirklich von sich reden machte Stamer nicht, blieb eine blasse, unscheinbare Erscheinung und zeigte kaum Profil, im Gegenteil. Hat die Chemie also wirklich gestimmt? Oder waren die Fußstapfen, in die er getreten ist, doch zu groß? Im Hintergrund wurden beide Varianten eifrig diskutiert, denn Stefan Stamer stapfte nach nur fünf Monaten in dieser Position bereits wieder davon.

Dann kam Felix Cramer von Clausbruch, er hatte sich unter 38 Bewerbern durchgesetzt und blieb knapp drei Jahre – inklusive Elternzeit – und nutzte die Stelle als das, was sie für viele ist: als Karrieresprungbrett. In seinem Wohnort Rietheim-Weilheim wird er nun die Nummer eins sein, Jürgen Roth in VS braucht folglich einen neuen persönlichen Referenten.

Felix Cramer von Clausbruch tritt im März 2020 die Stelle an. Foto: Stadt VS

„Die Absprache mit VS, Bürgermeister Arno und Landrat Bär hat etwas gedauert“, lässt Cramer von Clausbruch auf Nachfrage unserer Redaktion wissen, nun aber stehe fest: „Mein Amtsantritt ist am Donnerstag, 4. Mai 2023.“

Stadt hinkt hinterher

Im Rathaus des Oberzentrums Villingen-Schwenningen hingegen hinken die Planungen offenbar noch etwas hinterher – auf der Internetseite der Stadt mit den Stellenangeboten ist die Position des persönlichen Referenten noch nicht einmal ausgeschrieben. 16 Stellenangebote sind dort notiert, darunter auch Führungspositionen wie die Leitung des Stadtplanungsamtes in Schwenningen. Die Referentenstelle jedoch fehlt noch.

Wie es dann weitergeht, zeigt der Blick in die Vergangenheit. Bislang war das Prozedere so: Die Vorauswahl unter allen Bewerbern traf Jürgen Roth selbst. Die Ausgewählten durften sich dann in einem Vorstellungsgespräch dem Personalausschuss vorstellen und mit einer zweiten Vorstellungsrunde ging es schließlich in den Gemeinderat, der das letzte Wörtchen hatte.