Mit offensichtlicher Vorfreude hat Raphaela Gonser die Verpflichtungsformel als erste Bürgermeisterin von Bitz gesprochen, die ihr Stellvertreter Wolfgang Ziemen ihr abnahm. Foto: Eyrich

Der Begriff „ein historischer Tag“ ist mehrfach gefallen in der Festhalle Bitz, und er war angebracht: Mit Raphaela Gonser hat die Gemeinde erstmals eine Bürgermeisterin bekommen, und sie hat das Steuer bereits fest in der Hand – dank ihres Vorgängers.

Für Wolfgang Ziemen war es ein schönes Geschenk nach 30 Jahren als Stellvertreter des Bürgermeisters, mit Raphaela Gonser nun erstmals eine Bürgermeisterin vereidigen zu dürfen. In Sachen Klimaschutz, Bewegung und Sport hatte die Hochalbgemeinde in der 24-jährigen Ära ihres Vorgängers Hubert Schiele stets erkennbar die Nase vorn und im Rathaus schon lange ein starkes weibliches Führungsteam mit Hauptamtsleiterin Tania Maier, Bauamtsleiterin Monika Merly – und seit fünf Jahren mit Kämmerin Raphaela Gonser gehabt.

 
Das Namensschild seiner Nachfolgerin hatte Hubert Schiele noch selbst angebracht.

Nun ist Letztere die erste Frau, die im Rathaus ins Chefbüro einzieht – oder vielmehr: eingezogen ist. Denn bereits am 8. April begann die Amtszeit von Bürgermeisterin Gonser, was die Bitzer – erkennbar am Applaus – sichtlich freute. Immerhin haben sie ihre neue Erste Bürgerin am 25. Februar ja auch mit 93 Prozent gewählt.

Mit Albstadt eng verbunden

Oberbürgermeister Roland Tralmer aus Albstadt war der erste Redner, der Raphaela Gonser verbal die Hand zur Zusammenarbeit reichte – und vielleicht schon der wichtigste, bilden Albstadt und Bitz doch eine Verwaltungsgemeinschaft, arbeiten bei der Energie- und Wasserversorgung Bitz (EWB) zusammen und sind überhaupt eng verbunden: „Mit einem Wahlergebnis von 93 Prozent haben Sie deutlich besser abgeschnitten als Putin“, sagte Tralmer mit Blick auf die russische Präsidentschaftswahl. „Aber dank Ihrer Persönlichkeit, Ihrer Vorarbeit – und: in geheimer und fairer Wahl!“ Gonser bringe das Rüstzeug mit, Bitz in eine gute Zukunft zu führen – „schon weil sie ihre Verwaltungslaufbahn bei der Stadt Albstadt begonnen haben“, rief er ihr zu, sprach die „besten Wünsche“ aus und versicherte seiner neuen Kollegin, die mit ihrem Mann Markus in Albstadt wohnt, außerdem, dass „die gute Zusammenarbeit zwischen Albstadt und Bitz so weitergehen“ werde.

„Ein weiterer Fall von ‘jung, dynamisch und voller Tatendrang‘“

Wolfgang Ziemen bezeichnete sie nach seinem Blick auf dessen Anfänge in der Abschiedsrede auf Hubert Schiele als „weiteren Fall von ‘jung, dynamisch und voller Tatendrang‘“, ehe er die neue Vorsitzende des Gemeinderats vor stehendem Publikum verpflichtete und ihr den Amtseid abnahm: Nach ihrem Studium zur Diplom-Verwaltungswirtin und der Zeit als stellvertretende Kämmererin in Pleidelsheim im Kreis Ludwigsburg habe Gonser fünf Jahre lang „mit großer Anerkennung des Gemeinderats“ die Bitzer Finanzverwaltung geleitet und nach einer „starken und sehr differenzierten Vorstellungsrede – das war überzeugend!“ – mit 93 Prozent der Stimmen einen großen Vertrauensvorschuss von den Bitzern bekommen.

Landrat Günther-Martin Pauli schenkte Raphaela Gonser einen Ball. Foto: Eyrich

Landrat Günther-Martin Pauli und Oliver Schmid als Sprecher der Bürgermeister im Zollernalbkreis nahmen Raphaela Gonser mit offenen Armen auf: Das Bürgermeisterinnen-Amt sei ein „wichtiger Baustein der kommunalen Selbstverwaltung“, sagte Pauli. „Vieles, was Menschen bewegt, wird in Städten und Gemeinden mitgestaltet.“ Raphaela Gonser, die auch für die Kreistagswahl am 9. Juni kandidiert, wünschte er, „dass Sie die Herausforderungen mit Kreativität und Mut gestalten“.

Verwöhnen lassen darf sich Raphaela Gonser dank der Geschenke ihres dortigen Bürgermeister-Kollegen Oliver Schmid in Geislingen. Foto: Eyrich

Seine neue Kollegin habe ihm verraten, dass sie „etwas angespannt sei“, kommentierte Oliver Schmid und versicherte ihr: „Nach den ersten 100 Reden legt sich das!“ Die Bürgermeister seien schon sehr gespannt, „wie es weiter geht in Bitz“, zumal eine Diplom-Verwaltungswirtin mit Kämmereierfahrung und Ortskenntnis „ein echter Glücksfall“ für die Gemeinde sei. Der Geislinger Schultes wünschte Raphaela Gonser „viel Erfolg, gute Gesundheit und das nötige Quäntchen Glück“ – und ihr sowie ihrem Mann Markus, „dass Ihr auch weiterhin füreinander Zeit habt!“

Ihr Vorgänger Hubert Schiele schenkte Raphaela Gonser das Steuerrad, das er selbst zum Amtsantritt vor 24 Jahren bekommen hatte. Foto: Eyrich

„Lasst den heutigen Tag den Anfang von etwas Neuem sein“ – das stand auf der Einladung zum Amtswechsel, und Raphaela Gonser zitierte es mit Nachdruck, ehe sie den Bitzern für ihr Wahlergebnis von 93 Prozent dankte: „Es ist für mich eine tiefe Verpflichtung, mich mit aller Kraft für das Wohl der Bitzer einzusetzen.“ Hubert Schiele dankte sie, dass er sie seit der Wahl zu allen relevanten Terminen mitgenommen und in alle Entscheidungsprozesse eingebunden habe. Erfolgreich sein könne die gemeinsame Arbeit für Bitz nur, „wenn die Zusammenarbeit gelingt, nur durch intensive Gespräche, bei denen jeder seine Ideen einbringt“. In fünf Jahren als Kämmerin von Bitz habe sie bereits festgestellt, dass die 65 Mitarbeiter der Gemeinde „ein tolles Team sind“, und ist zuversichtlich, „dass das auch so bleibt“.

Der Gospelchor „Sound of Joy“ mit Hubert und Raphaela Schiele (beide im blauen Anzug) in seinen Reihen sang für die neue Bürgermeisterin. Foto: Eyrich

Nicht alle Wünsche könne dieses Team erfüllen und manchmal müssten Einzelinteressen hinter denen der Mehrheit zurückstehen, „aber lassen Sie den heutigen Tag den Anfang von etwas Neuem sein und gemeinsam die nächsten Schritte gehen“, rief sie den Bitzern zu.

Das Steuerrad hat Raphaela Gonser bereits buchstäblich in der Hand: Ein solches war – neben einem Kletterseil und verbunden mit den besten Wünschen – das Geschenk von Hubert Schiele, der es zu seinem Amtsantritt im Jahr 2000 bekommen hatte.

Geschenke für Raphaela Gonser

Landrat Günther-Martin Pauli überreichte der früheren Handballerin einen Ball mit allen Unterschriften der HBW-Spieler – „unseren Noch-Erstligisten“, kommentierte er spitz.

Ein bisschen Werbung für Geislingen verpackte dessen Bürgermeister Oliver Schmid in sein Geschenk, einen Gutschein für ein Abendessen in Erlaheim und einen für das Schlossparkbad in Geislingen.

Weil Albstadt einen Kletterpark hat, war Oberbürgermeister Roland Tralmer in der Lage, mit seinem Gutschein dafür das noch junge Hobby seiner neuen Kollegin und ihres Mannes Markus zu bedienen.

„The Story“ spielte die Musikkapelle Bitz unter der Leitung von Ramona König für Raphaela Gonser, „weil Sie als erste Bürgermeisterin von Bitz bereits Geschichte geschrieben haben“, und rief ihr zu: „Lassen Sie uns das Buch mit vielen neuen Geschichten füllen!“

Schwungvolle Gospels und einen ABBA-Hit sang der Bitzer Gospelchor „Sound of Joy“ für Raphaela Gonser – und er war prominent besetzt: Leiterin Stephanie Wunder dirigierte unter anderem Gonsers Amtsvorgänger Hubert Schiele und dessen Frau Raphaela, die seit Jahren den Chor verstärken.