Manchmal herrscht in der Vorbereitungsklasse der Gemeinschaftsschule Horb ein babylonisches Sprachgewirr. Aber es wird auch viel gelacht. Denn hier lernen Kinder aus verschiedenen Ländern gemeinsam Deutsch. Vor allem das Essen verbindet die Schüler.
Ein Schüler stellt sich vor die Klasse und formt mit den Händen ein Herz. „Lieben!“, rufen seine Klassenkameraden in Sekundenschnelle. „Und jetzt einen Satz“, fordert Lehrerin Nejla van Waaijen. „Ich liebe meine Mutter“, erklärt daraufhin ein Jugendlicher der Vorbereitungsklasse.
Das Verben-Spiel ist eine Methode, mit der van Waaijen ihren Schülern die deutsche Sprache näherbringen will. Denn die kommen aus den verschiedensten Teilen der Welt – etwa der Ukraine oder der Türkei, aber auch aus Rumänien, dem Kosovo oder Syrien.
Humor und Kochen verbindet
„Wenn wir gemeinsam nach Begriffen in den verschiedenen Sprachen suchen, wird immer viel gelacht“, erklärt sie. Sei es, weil jemand das Wort „Aubergine“ mit einer anderen Betonung ausspricht, oder die violette Frucht in einigen Sprachfamilien ganz ähnlich klingt.
Humor sei beim Unterricht eine wichtige Sache, findet die 54-Jährige. Aber auch gemeinschaftliche Aktionen jenseits des reinen Deutschunterrichts. So waren letzte Woche alle 18 Schüler in der Küche gewesen, um in Kleingruppen verschiedene Gerichte zu kochen.
Andere Kulturen kennenlernen
„Da merkt man erst einmal, was für große Gemeinsamkeiten man bei Rezepten hat“, erläutert die aus der Türkei stammende Pädagogin. Denn die Teigtaschen aus der Ukraine oder dem arabischsprachigen Raum kennt man hier in Baden Württemberg unter dem Namen Maultaschen.
„Die Schüler lernen hier nicht nur Grammatik, sondern auch die unterschiedlichen Kulturen kennen“, beschreibt Götz Peter, Rektor der Gemeinschaftsschule Horb, das Konzept. Statt den ganzen Tag im Klassenraum zu sitzen, gibt es deshalb gelegentlich auch einen Ausflug in die Stadt.
Grammatik und Fußball
Dass Essen verbindet, merkt man auch in der Unterrichtsstunde. Die Schüler befragen sich gegenseitig, was sie gerne essen und was sie nicht mögen. Kulinarischer Spitzenreiter unter den Jugendlichen ist der Döner – Pfeffer und Bohnen haben hingegen einen schweren Stand.
Genauso vielfältig wie die Herkunftsländer ist auch die Altersspanne der Schüler. So sind in der Klasse von zehn bis 15 Jahren gleich mehrere Jahrgangsstufen vertreten. „Das ist schon eine Herausforderung“, verrät van Waaijen. Aber mit verschiedenen Aktivitäten, sei es Basteln, gemeinsames Singen oder Fußballspielen im Freien könne man doch alle mitnehmen.
Mehr Personal wäre gut
„Für die Schüler ist die Vorbereitungsklasse ein wichtiger Teil in ihrer Alltagsstruktur“, sagt sie. Hier treffe man Freunde und könne auch Kontakte zu deutschen Jugendlichen knüpfen. Denn in Englisch und Sport werden die Schüler gemeinsam mit den normalen Regelklassen unterrichtet.
Wenn die Deutschkenntnisse gut sind, können die Schüler auch dauerhaft in eine Regelklasse gehen. Hier wünscht sich van Waaijen allerdings noch mehr Personal. „Ein zusätzlicher Schulbegleiter wäre gut, damit die Kinder nicht ganz alleine gelassen werden“, meint sie. Denn die reguläre Lehrkraft könne sich bei 28 Kindern ja nicht noch besonders um die „neuen“ Schüler kümmern.
Interkulturalität hilft
Ihre eigene Biografie kommt der ursprünglichen Betriebswirtschaftlerin nun zugute. „Im Türkischen kommt das Verb immer am Ende“, erklärt sie. Dem stünde die deutsche Verb-Zweitstellung entgegen.
„Ich weiß, wo die Schwierigkeiten der deutschen Sprache liegen“, sagt die Lehrerin. So könne man den Schülern bei vielen Problemen helfen. Auch stoße ihr eigener interkultureller Hintergrund bei den Schülern auf große Empathie.