„Nein – von den Kickers haben wir noch nichts gehört“, sagt und lacht Reiner Scheu am Sonntagvormittag. Nach dem beeindruckenden 3:1 gegen Großaspach, damit war die Meisterschaft der Stuttgarter vorzeitig perfekt, blickt der 08-Coach zuversichtlich auf das SBFV-Pokalfinale am 3. Juni. Wie aber geht es dann in Villingen weiter?
„Es gibt keinen neuen Stand“, will sich Scheu nach dem Endspiel in Emmendingen zwar weiter für „seinen“ FC 08 Villingen einbringen, aber nicht mehr auf der Trainerbank sitzen. „Nun aber gilt die Konzentration den restlichen Ligaspielen und dann dem Finale“, stellt der 68-Jährige klar.
Das Torhüter-Duell
Vor dem Duell im Elzstadion gegen den Liga-Kontrahenten aus Oberachern geht es für den Oberliga-Achten, der mit dem Dreier gegen den Tabellenzweiten aus Großaspach die letzten Zweifel am Klassenerhalt beseitigte, noch nach Ravensburg, zu den vorzeitig die Meisterschaft feiernden Stuttgarter Kickers und gegen Mutschelbach. Erst danach wird feststehen, wer im Finale zwischen den Pfosten steht. „Ich rede viel mit den Torhütern. Kevin Ehmann und Dennis Klose wussten vor dem Sonnenhof-Spiel, dass beide vor dem Finale noch jeweils zweimal im Tor stehen werden“, sah Scheu gegen Großaspach eine gute Leistung von Ehmann. „Dies war aber keine Entscheidung gegen Dennis, sondern eine für Kevin“, betont der 08-Trainer. Aufgrund seiner großen Erfahrung spricht aber einiges dafür, dass Klose in Emmendingen das Villinger Gehäuse hütet.
Die Defensive
Vor dem 19-jährigen Ehmann überzeugten gegen den Regionalliga-Absteiger aus Großaspach auch die Vorderleute. „Jonas Busam spielt konstant auf hohem Niveau. Tim Zölle und Matthias Stüber haben ebenso ein tadelloses Spiel abgeliefert“, freute sich Scheu zudem besonders über das starke Startelf-Debüt von Felix Zeiser, der an der Seite von Georgios Pintidis im defensiven Mittelfeld nicht nur mit starkem und cleverem Zweikampfverhalten begeisterte, sondern auch kluge Pässe spielte und fast seine gute Leistung mit dem ersten Oberliga-Treffer gekrönt hätte.
Die Offensive
Zudem zeigten die Villinger Offensivspieler um Kapitän Tevfik Ceylan wieder einmal, dass sie derzeit kaum zu stoppen sind. Ergi Alihoxha überzeugte nicht nur aufgrund seines 1:0-Führungstreffers (25.), Mokhtar Boulachab (77.) bestätigte mit seinem sechsten Saisontor die starke Form und Ibrahima Diakité machte mit dem verwandelten Elfer in der Nachspielzeit mit dem 3:1 nicht nur alles klar, sondern auch die „20“ in Sachen Tore voll. „Ibra ist, wie das Team insgesamt, wieder körperlich besser drauf, war wieder lauffreudiger und hat auch defensiv besser mitgearbeitet“, sieht Scheu das Team auf einem guten Weg. „Das war einfach eine kompakte Mannschaftsleistung, jeder Spieler hat seine Aufgaben erfüllt.“
SBFV-Pokalfinale
Form, Fitness und Stimmung passen also mit Blick auf das Pokalfinale. Da Reiner Scheu auch vorsichtig optimistisch ist, dass Nico Tadic (Knie, MRT-Termin Anfang der Woche), Leon Albrecht (Sprunggelenk) und Frederick Bruno (verschleppter Muskelfaserriss) rechtzeitig zum Spiel der Saison gegen Oberachern fit werden, sieht es wohl auch in Sachen Personalien wieder besser aus, wenn Reiner Scheu am 3. Juni seine lange und erfolgreiche Trainerkarriere mit dem elften SBFV-Pokalsieg der Nullachter in Emmendingen beenden will.
Noch drei Matchbälle
Einige Tage später geht es wohl für die Sonnenhof-Kicker in der Aufstiegsrelegation los, die aber im Friedengrund ihren ersten Matchball vergaben. Acht Punkte beträgt noch der Vorsprung auf den Tabellendritten aus Pforzheim. Daran denkt SG-Coach Evangelos Sbonias aber noch nicht. „Am Ende geht der Sieg für Villingen in Ordnung, da wir vor allem in der ersten Halbzeit kein gutes Auswärtsspiel gemacht haben“, war „Laki“ Sbonias nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner Elf vor 520 Zuschauern in der MS Technologie-Arena.
Der Topspieler
Es war ein (fast) perfekter 21. Geburtstag. „Ich dachte schon, dass der Ball drin ist“, ärgerte sich Felix Zeiser ein bisschen, dass Sonnenhof-Keeper Lukas Bitzelmeir in der 34. Minuten den ersten Oberliga-Treffers des Sechsers mit einer Glanzparade verhinderte. Insgesamt war die Nummer 15 aber mit seinem Startelfdebüt natürlich sehr zufrieden. „Das war eine echt starke Mannschaftsleistung, wir haben gut den Ball laufen gelassen“, erfüllte Zeiser auch die Vorgaben des Villinger Trainers Reiner Scheu.
„Ich sollte mutig spielen.“ Groß gefeiert wurde die Premiere und der Geburtstag aber nicht. „Ich schreibe nächste Woche Prüfungen. Ein Bier ist aber drin schon“, hatte der Youngster zwei Kästen Gerstensaft in die Kabine gestellt. „Ich kenne Felix seit 2021. Das war einfach tadellos, ganz klasse. Felix hat gespielt, wie er schon 50 Oberliga-Spiele hinter sich hat. Das sind meiner Meinung nach die Jungs, auf die der FC 08 in Zukunft bauen sollte“, gab es auch von Reiner Scheu nach der Partie ein Sonderlob.