Darf es künftig eine oder sogar zwei Stunden länger sein in der Färberstraße oder gelten auch weiterhin unterschiedliche Zeiten für die Außenbewirtschaftung in der Villinger Kneipenmeile? Foto: Eva-Maria Huber

Auf diese Empfehlung der Stadt haben viele gewartet: Die Sperrzeiten sollen draußen gelockert und vereinheitlicht werden. Klappt es also doch noch mit Aperol und Apfelschorle bis 23 Uhr oder sogar Mitternacht, auch in der Villinger Partymeile?

Seit einer Woche schürt der Vorstoß der Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen auf die Initiative von CDU und Freien Wählern die Diskussionen, auch in den sozialen Netzwerken: „Abweichend von Paragraf 1 beginnt die Sperrzeit der Freibewirtschaftung von Gaststättenbetrieben während der mitteleuropäischen Sommerzeit um 23 Uhr und in den Monaten Juni bis September an Freitagen und Samstagen sowie vor gesetzlichen Feiertagen um 24 Uhr. In der übrigen Zeit beginnt die Sperrzeit um 22 Uhr.“

 

Kurz im Wortlaut, lang im Abgang: So lässt sich die Beschlussvorlage beschreiben, wie sie an diesem Mittwoch dem Gemeinderat vorliegen wird. Findet der Antrag eine Mehrheit, gäbe es in ganz VS die gleichen Sperrzeiten für die Außenbewirtschaftung.

Bisher müssen Lokale in der Färberstraße um 22 Uhr, respektive 23 Uhr draußen ihren Service einstellen. Für Korrektur „höchste Zeit“. Wenn die Lockerung der Sperrzeiten zumindest für die Außenbewirtschaftung eine Mehrheit im Gremium findet, dann dürften bei nicht wenigen die Korken knallen: Bei den Wirten aus der Färberstraße wie auch bei Wirtesprecher Michael Steiger, die sich schon lange für eine solche Korrektur und damit eine Gleichbehandlung der Gastronomiebetriebe in der Stadt stark machen. Andererseits aber auch bei vielen Gästen, die es nicht nachvollziehen können, dass es innerhalb weniger Gehminuten in der Villinger Innenstadt unterschiedliche Servicezeiten gibt.

„Zeit für Korrektur“

Kopfschütteln, ergänzt Ott-Chef Domenico Wittkopf, erlebe er auch regelmäßig bei Unternehmen, die erst spät reservieren können und sich dann wundern, wenn sie bei sommerlichen Temperaturen ab 22 Uhr ins Lokal müssen: „Für eine Korrektur wird es höchste Zeit“, findet auch er. Und nicht zuletzt wäre es ein Erfolg von CDU- und FW-Fraktion, die diese Neuregelung der Sperrzeiten ins Gespräch und in die politischen Gremien brachten.

Wiederbelebung für Stadt

Wie sieht die Stimmung in den sozialen Netzwerken aus? Einige Facebook-Nutzer und Mitglieder der Gruppe Stadtgeflüster können den jüngsten Beitrag zu dem Thema unterschreiben: „Lieber Gemeinderat, gebt den Gastronomen in der Färberstraße doch bitte diese eine Stunde zurück und setzt sie damit auch wieder mit den restlichen Gaststätten der Stadt gleich. Ich bin selbst Anwohner und habe Gastronomie von allen Seiten. Von einer akuten Lärmbelästigung ist das alles wirklich weit entfernt.“ Es könne also folglich nur eine Entscheidung geben.

„Zum Wohle der Stadt, um ein Zeichen zu setzen, dass man die Stadt wiederbeleben will und auch für die Gastronomen, die sich in der Tat derzeit mit genügend anderen Problemen rumschlagen müssen“, so das deutliche Statement. Einige Stimmen zu dem Beitrag sind ebenfalls ein Plädoyer für die Neuausrichtung: „Unserer Wirtschaft hier braucht Arbeitskräfte! Also muss die Stadt potenziellen Bewerbern auch was bieten, damit sie sich für VS entscheiden und nicht woanders hingehen.“

Akzeptanz bei Anwohnern

Fast 100-prozentige Zustimmung erhält ein Villinger mit seinem Kommentar: „Ebenfalls Bewohner der Färberstraße. Bin auch für längere Öffnungszeiten. In die Innenstadt gehört Leben, und wer sich darüber aufregt, darf eben nicht zentral wohnen.“ Und er ist nicht der einzige Anwohner, der mit einer Lockerung der Sperrzeit leben könnte.

Aufwertung des Viertels

Für Geschäftsmann Gunnar Frey ist die Lockerung überfällig, denn: „Es muss endlich wieder ein gleicher Wettbewerb stattfinden.“ Auch um den Tourismus anzusprechen, sei es erforderlich, dass die Menschen im Sommer draußen länger essen und gemütlich flanieren können. „Wir haben eine schöne Altstadt! Wir wollen Tourismus? Wir wollen eine florierende Innenstadt? Wir wollen die Gastronomie unterstützen? Wir wollen Leerstände bekämpfen? Ja genau, da fängt es doch schon an. Handel und Gastronomie, Hand in Hand. Es ist immer eine Symbiose.“ Zudem seien die Menschen, die in der Außengastronomie verweilen, kein Problem. Im Gegenteil, dies werte die Straße auf.

Wie sah die Stimmung wenige Tage vor der Sitzung aus in der Färberstraße, außerhalb der sozialen Netzwerke? „Tendenziell“, so ein Anwohner, „wurde der Vorschlag positiv aufgenommen“, zumal es in der Straße wieder recht ruhig geworden sei,dank der strengeren Sperrzeitenregelung für die Innenbewirtschaftung der Gastronomie seit März vergangenen Jahres und der Aufgabe einzelner „Problemkneipen“. Dennoch gebe es auch wieder einzelne Anwohner, die „immer gegen alles sind“. Kurze Gesprächspause: „Die würden auch noch stänkern, wenn sie im Kurgebiet leben würden.“