Elf Jahre lang war Michael Graser Pfarrer in Nagold und Iselshausen. Foto: Jäger

Michael Graser wird am Sonntag in der Stadtkirche in Nagold feierlich verabschiedet. Er blickt mit Respekt und Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt.

Nach elf Jahren als Pfarrer in Nagold-Iselshausen geht Michael Graser in den Ruhestand. Zuerst stehen nun familiäre Veränderungen an. Die Familie zieht es zurück nach Pliezhausen, wo sowohl Michael Graser als auch seine Frau aufgewachsen sind. Die erste Zeit wird wohl gebraucht werden um sich zu ordnen. Vielleicht ist auch ein wenig mehr Zeit für Sport und Bewegung, viel in der Natur zu sein und für das Motorrad, das nun etwas häufiger bewegt werden könnte. Bei Michael Graser wird also so schnell keine Langeweile aufkommen.

Dennoch sei es ein eigenartiges Gefühl, nach so vielen Jahren zurückzublicken. Vieles kommt einem nicht mehr in den Sinn, manches nach und nach erst – aber einige Dinge werden stets präsent sein: Die erste ständige Stelle bleibt Michael Graser noch lange in Erinnerung. Nach seiner Zeit als Vikar hatte es ihn 1993 nach Nürtingen-Neckarhausen verschlagen. Die erste Phase seiner Karriere war dann von allerlei Renovierungsarbeiten an Kirchengebäuden geprägt. Immer wieder musste etwas instand gesetzt werden. Wie dann schließlich auch in St. Jakobus in Iselshausen.

Die neuen Strukturen sind zukunftsfähig

Ein anderer prägender Punkt waren die strukturellen Veränderungen, die während seiner Zeit in Iselshausen auf den Weg gebracht wurden. 2012 trat Michael Graser eine Stelle als unabhängiger Gemeindepfarrer an. Doch so blieb es nicht. In den Jahren 2014 und 2015 vollzog sich die Planung und Umsetzung, die Stadtkirche Nagold mit der Remigiuskirche und St. Jakobus in Iselshausen zusammenzulegen. Zum 1. Januar 2016 war es so weit – es war eine große Veränderung für die Gemeinde wie auch für Michael Graser selbst. Zuerst eigenständiger Gemeindepfarrer und dann eine halbe Stelle als Pfarrer in der evangelischen Kirche Nagold und eine neue Aufgabe als Klinikseelsorger.

Doch aus Sicht von Michael Graser ist die Umstrukturierung geglückt. Es sei notwendig gewesen, sich mit neuen schlankeren Strukturen an die gegenwärtigen Umstände anzupassen, um ein wenig optimistischer in die Zukunft schauen zu können. Tobias Geiger, Codekan im Kirchenbezirk und Pfarrer der Stadtkirche Nagold, meint dazu: „Die Kirche wird kleiner. Sie passt sich damit an den Wandel in der Gesellschaft an.“ Die Kirche müsse die Prozesse in der Gesellschaft begleiten und könne sich nicht dagegen stellen. Dass derlei Veränderungen auf Widerstand stoßen sei verständlich. Die Menschen sorgten sich um etwas, das ihnen am Herzen liegt. Allerdings sei es ein großer Vorteil der neuen Struktur, dass das Pfarrteam eigene Schwerpunkte verfolgen und sich untereinander gut unterstützen könne.

Respekt und Vorfreude

Michael Graser schaut heute auf eine Zeit voll des Einsatzes für seine Gemeinde und seine Kirche zurück. Eine vielseitige Arbeit, voll von Begegnungen und besonderen Erfahrungen. Er war immer erfreut, wenn sich die Menschen mit ihren persönlichen Glaubensfragen an ihn wandten.

Wenn er jetzt vorausblickt empfinde er Respekt vor dem neuen Lebensabschnitt aber auch Vorfreude. Am Sonntag, 8. Oktober, ab 10 Uhr wird Graser in der Stadtkirche in Nagold feierlich verabschiedet. Und mit Blick in die Zukunft gibt Tobias Geiger an: „Wir konnten die Stelle noch einmal ausschreiben.“