Viele der Besucher beteiligten sich an der Diskussion. Foto: Morlok

Bei Besuch auf Energiehof Weitenau diskutieren Gäste mit Peter Hauk und Susanne Eisenmann über Landwirtschaft.

Eutingen-Weitingen - Die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, Susanne Eisenmann war zusammen mit ihrem Kollegen Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, zu Besuch auf dem Energiehof "Weitenau" der Familie Vees. Dabei kam es auch zu Diskussionen mit den Gästen.

Mit insgesamt drei Impulsreferaten wurden nach einem Hofrundgang Themen wie Zukunftsenergien (Hauk) und die Verringerung des Wissensabstandes von Kindern aus der Stadt zu den Produkten, die sie täglich verzehren. (Eisenmann) gestreift.

Wie gesagt, es waren Impulsvorträge, die zur anschließenden Diskussion und zur weiteren Themenvertiefung einluden.

"Was vermitteln wir?" stand als große Frage über der Diskussion und die Antwort hieß: Zukunftsthemen, zentrales Thema für ein ländlich strukturiertes Flächenland wie Baden-Württemberg. "Bioökologie ist Zukunft", stellte Peter Hauk fest und die Erhaltung der Natur, der Äcker und der Wälder sei von elementarer Bedeutung.

Reinhard Geiser, erster Landesbeamter, hatte hierzu Zahlen aus dem Kreis Freudenstadt mitgebracht. "Der Fokus liegt mit 84 Prozent auf der Nebenerwerbslandwirtschaft. Themen wie Grünland und Offenhaltung der Gelände stehen hier ganz vorne auf der Liste der landwirtschaftlichen Anforderungen." Die Energiegewinnung rangiert dagegen weiter hinten im Ranking, wusste Geiser. "Im ganzen Landkreis gibt es nur 19 Biogasanlagen und wir sind froh über jeden Betrieb, der sich in dieser Hinsicht engagiert." In seinem Beitrag brach er eine Lanze für die Landwirtschaft und die Wertschöpfung in diesem Segment und betonte abschließend, dass der Kreis Freudenstadt alle Dienstfahrzeuge auf Biogas umgerüstet habe. Dafür gab es Applaus von den Anwesenden.

"Optimale Tierhaltung kostet Geld"

Klaus Muggele, der frühere Vorsitzende des Bauerntags, beleuchtete die allgemeine Situation in der Landwirtschaft. Man müsse überlegen, wie man in Punkto Tierhaltung aus dem Tal herauskommt, in dem man derzeit steckt. "Optimale Tierhaltung kostet Geld und das muss auch im Laden für Milch, Fleisch und Eier bezahlt werden. Meist die Besserverdienenden fordern mehr Tierwohl - das sollen sie über Steuern zahlen", lautet sein Vorschlag. Er sieht auch die Schere zwischen Insekten- und Klimaschutz sowie der Bereitstellung von Lebensmitteln in ausreichender Menge und guter Qualität weit auseinanderklaffen. "Hier einen tragbaren Kompromiss zu finden ist mittelfristig eine wichtige Aufgabe. Sonst kann man nur noch Großbetriebe wirtschaftlich führen." Umwälzende Neuerungen müssen seiner Ansicht nach gut durchdacht werden. Nicht nur fordern, sondern konstruktiver Austausch der Ideen. Am Jahresende sollte auch bei den kleinen Bauern der Kontostand stimmen, lautet sein Credo.

Einen weiteren Aspekt, und zwar die Frauen in der Landwirtschaft und die langsam überbordende Bürokratie beleuchtete Hausherrin Juliane Vees und einige Gastrednerinnen. Im Kern der Diskussion ging es darum, dass die gesellschaftliche Reputation der Bäuerin nachlässt. Wertschätzung und Respekt über die Leistung anderer verliert immer mehr an Bedeutung und eine unheimliche Rechthaberei – nur meine Meinung stimmt – blockiert Entwicklungsprozesse. Aktuell kämpft Alt gegen Jung, Stadt gegen Land. Mit aus diesem Grund hält Ministerin Eisenmann Pflichtbesuche auf dem Bauernhof für keine schlechte Idee. Ihrer Ansicht nach baut ein solcher Besuch falsche Meinungen ab. Auch müsse dies wesentlich stärker vor Ort eingefordert werden. "Die Gesellschaft muss in der Breite erreicht werden", ist ein klares Ziel der Ministerin.

Über den "Lernort Bauernhof" informierte Ann-Kathrin Behr anschließend in einem kurzen Wortbeitrag. In Baden-Württemberg gibt es rund 450 Bauernhöfe, die als Lernort gut vernetzt sind. "Wir können so für nachhaltige Bildung sorgen", betonte sie und ergänzte, dass ein Besuch auf einem Bauernhof mehr ist, als nur Traktor fahren und eine Mini-Kuh streicheln. Margret Raible, die Kreisvorsitzende aus Calw, sagte dazu: "Wir Landfrau regen jedoch eine gute Vor- und Nachbereitung in den Schulen an, bevor man einen Erlebnistag auf dem Bauernhof macht." Sie wusste jedoch aus eigener Erfahrung, dass es ganz tolle Lehrer gibt, die sich intensiv auf diesen Besuch vorbereiten.

Der "liebe Peter", wie Minister Hauk in Weitingen genannt wurde, bestätigte dieses Anliegen. "Früher hatte jeder einen eigenen Garten. Mit Blumen und Gemüse. Heute hat man einen Schottergarten und die Kinder vom Land wissen inzwischen auch nicht mehr als die Jugend aus der Stadt." Hauk forderte aber auch, dass Landwirtschaft ihren Beitrag leisten muss, um aus der Isolation rauszukommen. "Ihr macht das hier gut", bestätigte er seinen Gastgebern. Wichtig sei die transparente Kommunikation. "Wir sind nicht mehr in der EU-subventionierten Marktsituation. Wir sind auf dem freien Markt. Informationspolitik aus den Höfen ist wichtig. Der Kunde muss wissen, dass man beispielsweise Pflanzenschutzmittel deshalb ausbringt, weil man die Pflanzen schützen möchte und nicht vergiften."

Nur Männer in der Branche

Michael Kessler, Landwirt und Sachgebietsleiter beim Landwirtschaftsamt in Horb, erinnerte in seinem Wortbeitrag an das Verhältnis zum Schlachten anno dazumal und heute. Trieb man den Ochsen früher mit großem Hallo durch die Straßen, geschehe heute alles hinter verschlossen Schlachthaustüren. Er forderte faktenorientierte Diskussionen, auf Augenhöhe und ohne "Blümlesmeinungen".

Jörg Dürr-Puche, Vorsitzender der Plattform Erneuerbaren Energien, machte noch kurz vor Feierabend ein neues Fass auf. Er bemängelte, dass es nur Männer in der Branche gibt. "Es gibt keine Biolandwirtinnen". Er forderte, Frauen müssen mit Macht auf den Trecker und man müsste es verbieten, dass nur eine Frau in dem bescheuerten Kreistag sitzt. Hier fand er im Ehepaar Vees ein Paar, dass sich dazu bestens auskannte. "Männer sind Side-by-Side-Kämpfer, Frauen Face-to-Face" wusste Winfried Vees und veranschaulichte so das Gleichgewicht im Team. Seine Frau ergänzte, dass zwar meist der Name des Mannes als Inhaber auf dem Hof ist, doch die Frauen arbeiteten, als gleichberechtigte Partnerinnen, mit. Wir machen viel - aber es könnte mehr werden", gab sie zu.

Dieser Ansatz bot Peter Hauk noch die Möglichkeit darauf hinzuweisen, dass Susanne Eisenmann im nächsten Jahr Kretschmann beerben möchte.

Mit ein paar Nettigkeiten, einem großen Blumenstrauß aus dem Bauerngarten von Margret Raible für die Ministerin und etwas Habhaften für den Landwirtschaftsminister ging diese besondere Art von Wahlkampftermin auf dem Hof Weitenau zu Ende.

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