Die Getreideernte ist gerade voll im Gange. Ein Sulzer Landwirt schildert, wie es bei ihm um die Ernte steht und was ihn darüber hinaus bewegt.
Sulz - Landwirt Ernst Schmid ist zwar noch mit seiner Getreideernte beschäftigt, kann aber jetzt schon sagen: In diesem Jahr fällt sie etwas geringer aus. "Am besten ging es der Wintergerste, für die hat der Wasserhaushalt ausgereicht." Der Weizen hingegen habe stark gelitten, und auch beim Hafer seien die Saaten teilweise aufgelaufen.
Zum Teil sei das heiße Wetter dafür verantwortlich, aber auch die Qualität der Böden spiele eine Rolle: "Auf Äckern mit schlechteren Böden ist das meiste vertrocknet", so Schmid – und nimmt das Stichwort "Böden" zum Anlass für eine scharfe Kritik.
Zu viele versiegelte Flächen
Seiner Meinung nach werde immer mehr landwirtschaftliche Fläche verbaut und versiegelt – und zwar nicht nur durch das geplante Regionale Gewerbegebiet. Gerade die "guten Böden", wie Schmid sie bezeichnet, seien davon betroffen – Grün- und Ackerflächen gleichermaßen.
Dadurch würden sich Probleme für die heimische Produktion und die Versorgung des Viehs ergeben. "Wenn wir noch weniger produzieren und mehr auf dem Weltmarkt einkaufen, kaufen wir anderen quasi das Essen weg", so Schmid. Möglich wäre dann, so Schmid, eine verstärkte Völkerwanderung in Richtung Europa, die das Sozialsystem seiner Ansicht nach nicht verkrafte.
Fokus auf die eigene Produktion
Insgesamt solle man den Fokus mehr auf die eigene Produktion legen, weniger auf die Getreideimporte aus der Ukraine schauen und weniger auf dem Weltmarkt einkaufen, findet er. "Ob Bio oder konventionell – die eigene Produktion darf nicht noch weiter zurückgehen!", sagt Schmid mit Nachdruck.
Die Reduzierung von Grünflächen wiederum mache es schwierig, das Vieh zu füttern. In einer Mitteilung gab Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, an, dass einige Betriebe bereits Vorräte ihres Winterfutters zufüttern müssten, da sie kein Grünfutter mehr schneiden könnten.
Nicht nur wichtig für die Landwirtschaft
Schmid ergänzt dazu, dass das Vieh in der Landwirtschaft unerlässlich ist: "Gerade die Wiederkäuer liefern uns Milch, Fleisch und Leder." Aus der Milch zum Beispiel würden verschiedene Milch- und Molkereiprodukte hergestellt, deren Nährstoffe für Menschen ebenso wichtig seien.
Auch die Preissteigerungen bekommt Schmid zu spüren, wie er sagt: Alleine die Kosten für Mineraldünger seien um 400 Prozent gestiegen. "Zudem muss ich einen höheren Wasserzuschlag bezahlen, weil die Schiffe wegen der niedrigen Pegel ja weniger Ladung führen dürfen", so Schmid.
Hoffnung auf Regen
Für den kommenden Winter dürfte genügend Getreide vorhanden sein, schätzt der Landwirt. Wie es danach aussehe, hänge vor allem von der Herbstaussaat ab: Wenn die nicht "gescheit" ausfalle, dann könne es unter Umständen enger werden. Und auch Rukwied hofft laut Mitteilung auf baldigen Regen – denn sonst müsse man nicht nur beim Getreide, sondern auch bei Mais und Kartoffeln mit Einbußen rechnen.