Die Kostenbeteiligung in Ahldorf scheint so teuer wie eine Wärmepumpe. Horbs Oberbürgermeister Rosenberger und Bürgermeister Ralph Zimmermann erklären, warum der Preis trotzdem attraktiv sei. Doch es gibt Unmut in den Ortschaften. Ein Scheitern ist möglich.
Die Euphorie war groß im Gemeinderat. Das Rathaus wurde aufgefordert, schnellstmöglich die Nahwärmepläne in den Ortschaften vorzulegen. Die Ernüchterung auf den nicht-öffentlichen Präsentationen ist aber groß: Statt 9000 Euro soll der Anschluss in Ahldorf, Bildechingen, Mühlen, Talheim und Co. jetzt annähernd 30.000 Euro kosten.
Seitdem brodelt es in den Ortschaften, denn teilweise sollen die Nahwärmenetze erst in fünf Jahren umgesetzt werden. Es heißt: Das Rathaus habe die Nahwärme-Planung verzögert. Droht das Projekt zu scheitern?
Oberbürgermeister sagt: Der Preis ist fair
OB Peter Rosenberger sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Diese Steigerung klingt erst einmal immens. Aber: Er ist absolut fair und liegt auf dem vergleichbaren Niveau der Maßnahmen, die sich jetzt aus dem geplanten Heizungskostengesetz ergeben. Die Kosten werden anders verteilt: In der alten Berechnung hatten wir eine niedrige einmalige Kostenbeteiligung für die Kunden. Diese mussten nur für ihren Hausanschluss bezahlen. Die Kosten für das restliche Netz und die Heizzentrale wären über die jährlichen Verbrauchskosten umgelegt worden.“ Rosenberger weiter: „Jetzt machen wir es anders: Anschlussnehmer bezahlen bereits mit der anfänglich einmaligen Kostenbeteiligung einen Großteil der Investitionskosten. Dadurch reduziert sich aber der spätere jährliche Verbrauchspreis. Wir schaffen so für die Kunden jetzt zu Beginn mehr Planungssicherheit.“
Stadtspitze betont: Nahwärme nicht teurer als Pellets
Der OB erklärt: „Die einmalige Kostenbeteiligung ist auch nicht teurer als der Einbau einer neuen Gas- oder Pelletsheizung. Oft deutlich günstiger als der Preis einer Wärmepumpe.“ Rechnet selbst vor: Für sein Elternhaus in Mannheim (hat schon Fußbodenheizung) hat Rosenberger ein Angebot für die Wärmepumpe. Kostet 42 000 Euro.
Im OB-Wahlkampf 2017 kam in Ahldorf die Idee auf, hier ein Nahwärmenetz zu bauen. Rosenberger: „Damals hat die EnBW noch geplant, Ahldorf mit Gasleitungen zu versorgen. Als diese Pläne- auch durch den Ukraine-Krieg und Energiepreisexplosion – aufgegeben wurden, konnten wir wirtschaftlich erst richtig anfangen.“
Rathaus erklärt, warum es neu kalkuliert hat
Das war inzwischen die Aufgabe von Bürgermeister Ralph Zimmermann. Er erzählt: „Eckhardt Huber ist der Techniker. Wir haben uns vom kaufmännischen Stadtwerke-Geschäftsführer getrennt und das Finanz-Thema an uns gezogen. Wir haben die Nahwärme-Netz-Kalkulation noch einmal extern überprüfen lassen – und festgestellt: Das wurde bisher sehr hemdsärmelig und ‘kundenfreundlich‘ gestaltet.“ Gegen Kundenfreundlichkeit sei nichts einzuwenden. Aber: Bei Krediten von knapp 60 Millionen Euro können die Stadtwerke auch kein Geld verbrennen, so berichtet die Stadtspitze.
Also machte sich Bürgermeister Zimmermann ans Rechnen. Sagt: „Durch Corona, Energiekrise und die Baukostenexplosion haben wir ganz andere Berechnungsmodelle entwickelt.“ Das Spezial-Problem für die Ortsteile – anders als in der Weststadt, wo beispielsweise Großverbraucher MGG mitversorgt wird – hat man relativ wenig Ankerabnehmer – also große Abnehmer – für die hohen Leitungskosten.
Bei den Investitionen wurde schon abgespeckt
Bürgermeister Zimmermann: „Bei den ermittelten Investitionskosten pro Ortsteil haben wir schon abgespeckt. Die Heizzentrale im Container verkleidet. So konnten wir diese Kosten halbieren. Und mit dem neuen Rechenmodell zahlen die Endabnehmer sogar weniger. Denn die Investitionskosten müssten wir über Kredite finanzieren und die Zinskosten auf die Kunden umlegen. Das würde bei derzeit knapp vier Prozent Zinsen bedeuten, dass wir in einem Nahwärmenetz mit etwa 50 bis 60 Anschlussnehmern jährlich rund 80 000 Euro mehr auf den Verbrauchspreis umlegen müssten. Wir halten es für besser, die knapp 30 000 Euro Anschlusskosten gleich zu verlangen. Weil eine neue Heizung und die Erfüllung der 65 Prozent erneuerbare Energie-Option oft teurer wären.“
Rathaus ist sich sicher: Umrüstung wäre teurer
Zimmermann fügt hinzu: „Bei der jüngsten Informationsveranstaltung teilte uns ein Energieberater mit, die Umrüstung ohne Nahwärme würde bis zu 60 000 Euro bei den Bestandsgebäuden der Interessenten kosten!“