Jens von Stamm, Besitzer der Markthalle (links), hat mit Jürgen Schwalb und Andreas Häfner ein neues Konzept entwickelt: Die Markthalle wird zum Bauernmarkt. Foto: Marcel

Die Markthalle bekommt ein neues Konzept: Ab April soll es in Rottweil im „Möbelwagen“, der 1891 erbauten ersten Turnhalle Rottweils, soweit sein.

Jens von Stamm, seit vielen Jahren Besitzer der Halle, hat sich dafür zwei kreative Köpfe geholt, die man in Rottweil gut kennt: Andreas Häfner mit seinem Planungsbüro Graselli, der eben erst die Gestaltung der Arbeitswelten im Neckartal umgesetzt hat, und Jürgen Schwalb, den man vom Altstädter Bauernmarkt her kennt.

 

Die drei Herren sprühen vor Ideen, haben auch schon eine ebenso bekannte Frau mit im Boot, nämlich Jeannette Völker mit ihrem Potpourri oberhalb des Schwarzen Tors. Sie wird ihren Laden samt der Küche, die noch in Schwenningen steht, in die Markthalle verlegen. Eine weitere bleibt, auch während der Umbauzeit: das ist Gerlinde Broghammer. Ihre Blumenbinderei bekommt in der umgestalteten Markthalle mehr Platz, den sie auch braucht, denn ihr Laden ist gefragt und die zahlreichen Kunden sind schon neugierig, wie es weitergehen wird. Und seit sie hören, dass Jürgen Schwalb die Bauernfamilie King mit im Boot hat, die seinen kleinen Bauernmarkt bis zur Schließung im August 2022 mit Brot, Fleisch und vielem mehr belieferte, versprechen viele, dann hier einzukaufen. „Die Kings haben besondere Produkte,“ so Schwalb, und sie seien auch bereit, ein volles Sortiment an Lebensmitteln zu liefern, wenn das gefragt ist.

Große Investitionen

Bis dahin kommt unter anderem ein neuer Boden in die Halle. Insgesamt investiert Jens von Stamm eine fünf- bis sechsstellige Summe in seine Markthalle. Wie viel Geld er insgesamt schon investiert hat? Schulterzucken. „Man muss nach vorne schauen. Sonst kann man sich ja verbuddeln.“ Und das ist nicht seine Art. Obwohl es schwer war die zurückliegenden Jahre. Corona hat auch die Markthalle hart getroffen.

Von Corona hart getroffen

Das Café auf der Empore hatte eine neue Betreiberin, sie hatte dafür ihren Job aufgegeben – und musste gleich wieder schließen. Hilfsgelder gab es keine, sie hatte ja eben erst angefangen. Da seien Tränen geflossen, erzählt Jens von Stamm. Die Imbissbudenbesitzer bekamen auch nicht viel, denn was sie an Essen zum Mitnehmen verkauften, wurde von den Corona-Beihilfen wieder abgezogen. Und während der Pandemie nahmen eben viele ihr Essen mit. Also suchten sich manche zusätzliche Jobs, was sich wiederum in der Markthalle bemerkbar machte: Die Sauberkeit ließ zu wünschen übrig, die Leute aus den umliegenden Behörden blieben weg. Zudem sind auch heute noch viele im Homeoffice, brauchen also kein warmes Mittagessen in der Markthalle.

Die Konzerte wird es nicht mehr geben

Daraus haben von Stamm und seine Mitstreiter nun Konsequenzen gezogen. Unter anderem wird in den neuen Imbissbuden nicht mehr im offenen Fett gebraten, „viele sagen mir, sie kommen gerne wieder, wenn sie danach nicht wie Pommes riechend ins Büro zurückgehen.“ Und mit der Abluft ist das in der großen Halle eben so eine Sache. Weg fallen auch die Konzerte, das wurde Jens von Stamm einfach zu viel, jedes Mal war ein halber Hallenumbau nötig. Dabei kamen sie an, die Konzerte und Salsa-Abende, richtig gut sogar – auch nach Corona. Private Veranstaltungen sollen aber weiter möglich sein.

Der falsche Zeitpunkt

Und nun also ein Bauernmarkt, den Jürgen Schwalb managt. Er wäre schon vor Jahren in die Markthalle umgezogen, von Stamm hatte angefragt, aber der Zeitpunkt war der falsche, sein kleiner Altstädter Laden war eben erst frisch renoviert. „Dafür hätte ich mich von meiner Frau scheiden lassen müssen“, erzählt er lachend. Das ist nun nicht nötig, ein neuer Bauernmarkt entsteht in der denkmalgeschützten Markthalle. Im April soll es losgehen, mit einem Frühlingsfest will man starten. Dass sich bis dahin weitere Anbieter finden, da sind sich die drei Herren sicher: „Die Rottweiler hängen an ihrer Markthalle.“