Beim Sonderdialog des „Relais & Chateaux-Hotels Dollenberg“ ging der israelische Botschafter Ron Prosor auf die aktuelle Lage in Israel ein. Eine Zweistaatenlösung sieht er auf lange Sicht durchaus als Chance für ein friedliches Zusammenleben.
Als eine Sensation und als Auszeichnung für den Dollenberg-Dialog im zehnten Jahr des Bestehens bezeichnete Landtagsabgeordneter Willi Stächele (CDU) den Besuch von Ron Prosor, Botschafter von Israel in Berlin. Sein etwa 30-minütiger Vortrag über die aktuelle Situation Israels traf im voll besetzten Spiegelsaal des „Relais & Chateaux-Hotels Dollenberg“ in Bad Peterstal-Griesbach auf eine vor Spannung geradezu knisternde Atmosphäre.
Ron Prosor, Jahrgang 1956, ist ein erfahrener Diplomat und Buchautor, der über drei Jahrzehnte Karriere im Außenministerium Israels gemacht hat, unter anderem als ständiger Vertreter Israels bei den Vereinten Nationen in New York, als Botschafter in London und Washington und Botschaftssprecher in Bonn. Seit 2022 ist er israelischer Botschafter in Berlin.
Israel werde, so der Botschafter, nach dem 7. Oktober 2023 nie wieder so sein wie früher. Das Volk habe sein Vertrauen in die eigene Armee verloren, das Vertrauen zu sich selbst und angesichts der Opfer dieses Tages auch das Vertrauen, Frieden zu erzielen.
Chancen für ein friedliches Zusammenleben
Dennoch glaubt Prosor, dass die Verhandlungen um ein Ende des Krieges gegen die Hamas in absehbarer Zeit zum Erfolg führen werden: „Morgen kann ein Waffenstillstand da sein – wenn die Geiseln wieder zu Hause sind.“ Israel habe in den vergangenen Jahren weggeschaut, als die Hamas mit fremden Geldern aufrüsteten, Abschussrampen auch unter Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Moscheen installierten. Vor der Gefahr des Wegschauens warnte er daher nun auch Europa sowie Deutschland.
Langfristig sah Prosor durchaus Chancen für ein friedliches Zusammenleben in der Zweistaatenlösung. Dazu allerdings müsste der palästinensische Staat demokratisch geführt sein, betonte er. Israel sei für Zugeständnisse bereit – auch in der Siedlungspolitik.
Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands
Das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland bezeichnete Prosor als gut. Israel schätze Kanzler Olaf Scholz und die demokratischen Parteien. „Es gibt vieles, was wir miteinander noch tun können.“ Allerdings hätte die „tagtägliche antisemitische Dämonisierung“ die rote Linie längst überschritten. Dem Antisemitismus könne auch durch Gesetzgebung begegnet werden.
Im zweiten Referat warnte auch Wirtschaftsprofessor und Diplomat Klaus Mangold davor, „den neuen Bazillus Antisemitismus weiterkommen zu lassen“. Mangold, einer der Schirmherren des Dialogs, warf einen kritischen und besorgten Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands mit nachlassender Wettbewerbsfähigkeit und Anzeichen der Deindustrialisierung. Er sah das „Geschäftsmodell Deutschland“ in Gefahr, da auch das Vertrauen fehle, dass die Ampelregierung schnell die richtigen Maßnahmen treffen werde.
Engagierte Fragen der Gäste
Jetzt gelte es, die künstliche Intelligenz voranzutreiben, neue Streikgesetze zu erlassen, neue Regelungen der Migration zu finden und in der Wirtschaft mit konkreten Rahmenbedingungen und gezielter Förderpolitik Vertrauen und Stimmung zu verbessern. Mangold: „Wir haben es oft geschafft; wir müssen es auch jetzt packen.“
Der von Willi Stächele moderierte Dialog zeichnete sich einmal mehr durch engagierte Fragen der Gäste aus.