Doch ein Ritter-Spectaculum? Bürger und Gäste verfolgten am Wochenende interessiert den Aufbau von Zelten am Wasserturm in Dobel. Der Ausfall vieler Veranstaltungen über mittlerweile eineinhalb Jahre hat für die Bruchsaler Ritterschaft große Verluste nach sich gezogen. Das kleine Lager auf der Sonneninsel sorgte für einen Lichtblick bei den Vereinsmitgliedern.
Dobel - Ein neuntes Dobler Spectaculum war jedoch (noch) nicht möglich. Trotzdem waren Ritter, Soldaten und Damen der Bruchsaler Ritterschaft und einige befreundete Edle wie solche der Römisch deutschen Ritterschaft Pfronten gern bereit, mit alten Bekannten und neugierigen Besuchern ins Gespräch zu kommen.
"Natürlich große Zustimmung"
Hintergrund des kleinen Lagers mit rund 30 Personen war eine Anfrage von Bürgermeister Christoph Schaack an die Bruchsaler Ritter gewesen, ob sie das beliebte "Kinderspectacel" im Rahmen des Ferienprogramms durchführen könnten. "Nicht zuletzt, um das Spectaculum als solches im Gedächtnis der Leute zu halten", so der Rathauschef. Er überließ das begrenzte Gelände dafür unentgeltlich. "Diese Anfrage war Anfang Juli Anlass für die erste Vorstandssitzung seit eineinhalb Jahren", berichtet Thorsten Feth, seit Dezember 2019 Vorsitzender der Ritterschaft, "und natürlich gab es große Zustimmung".
Mit einigen Freunden, mit Kindern und Hunden waren die Ritter jetzt vor Ort und führten nicht nur das "Kinderspectacel" durch, sondern freuten sich auch selbst, wieder einmal am großen Versammlungstisch unter dem Zeltdach zusammenkommen zu können.
"Das Jahr 2020 und auch das bisherige 2021 waren für uns komplette Ausfälle", erklärt Feth, "sämtliche Mittelaltermärkte, bei denen wir sonst als Darsteller dabei waren, aber auch solche wie Dobel, die wir selbst veranstalten, wurden abgesagt. Ob das Bruchsaler Spectaculum, das Obergrombacher Burgfest oder das Klosterfest in Maulbronn. Jedes Mal hat man im Vorfeld vieles versucht, aber es ging dann doch nicht." Kontakt zu halten sei schwierig geworden. Ein einziges Mal hätte eine kleine Gruppe der Ritterschaft bei Freunden in Pfronten auf einem privaten Zeltplatz gelagert. Das Internet ist nun mal nicht das Medium der Ritter. "Die Mühe mit dem Kinderspectacel hier in Dobel hat sich wirklich gelohnt", fügt Willi Frank an – besser bekannt als Bischof Gerhard von Ehrenberg und von Beginn der Dobler Veranstaltung an eines der Gesichter des Spectaculums.
Große Verluste nach sich gezogen
In voller Gewandung und begleitet von zwei Wachsoldaten habe er die Brötchenration für den Morgen bei Bäcker Schaible abgeholt, berichtet der "Kirchenmann" mit Schalk im Blick. Ohne Zweifel ist er in Dobel in dieser Kleidung besser bekannt als in ziviler.
Der Ausfall der vielen Veranstaltungen über mittlerweile eineinhalb Jahre hat für den Verein große Verluste nach sich gezogen, führt der Vorsitzende Feth weiter aus: "Wir haben ja Anschaffungen zu tätigen. Sei es beim Inventar wie neuen Sitzbänken oder Zelten. Jetzt ist auch noch unser Vereinsfahrzeug kaputtgegangen." Ein größeres Fest auf die Beine zu stellen sei aber derzeit nicht denkbar. Hygienekonzept, Kontrollen – das würde den Rahmen sprengen und das Ereignis für Gäste nicht zu dem machen, was es sein sollte. "Man muss sich vorstellen", so der "Bischof", "dass zu einem Spectaculum allein über 700 Ritter, Lagernde, Schausteller und Beschicker kommen".
Die Beschicker, Krämer, sämtliche Handwerker, aber auch Gaukler und Musikanten und vor allem die Wirte und Schankstuben – sie alle würden teilweise noch massiver leiden als die Ritterschaft selbst. Das weiß am besten Markus Böhmer, beim "Kinderspectacel" als Lederhandwerker aktiv, seines Zeichens aber auch seit Jahren für die Ritterschaft Cheforganisator der Dobler Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Dobler Tourismusbüro.
Gesamtes Geschäft bricht weg
Er ist immer in direktem Kontakt mit allen in normalen Zeiten beteiligten Gruppen. So wie von "Ragnars Sauferey", die es sich nicht nehmen ließen, am Wochenende am Wasserturm vorbeizuschauen und "flüssige Nahrung" mitzubringen.
"Denen allen bricht das gesamte Geschäft weg", beschreibt Böhmer, "sie sind am Rande ihrer Existenz, sind teilweise auf staatliche Hilfen angewiesen. Manche Handwerker betreiben noch Online-Shops. Aber ohne Mittelalter-Veranstaltungen sind auch deren Waren viel weniger gefragt. Wenn wieder etwas gehen sollte, sage ich denen sofort Bescheid. Dafür bin ich Organisator!"
Im November stünde wieder das Großereignis auf der Burg Satzvey an. "Aber das hat sich durch die Flutkatastrophe auch erledigt", bedauert Vorsitzender Feth, "man kann praktisch nichts vorausplanen. Auch nicht den Martinsumzug in Bruchsal, den wir normalerweise am 11. November organisieren". Die Hoffnung auf ein neuntes Dobler Spectaculum im August 2022 bleibt jedenfalls.