Der Protest einiger Eltern an der Rottweiler Waldorfschule gegen Masken- und Testpflicht geht weiter. In einem Schreiben sagen die Eltern, die Schulleitung würde Unwahrheiten verbreiten. Und sie sind überzeugt, dass aktuell nicht alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.
Kreis Rottweil - Geschäftsführer Christoph Sander hatte vergangene Woche im Gespräch mit unserer Redaktion die Hoffnung geäußert, dass die Eltern nach Klärung der rechtlichen Lage einsehen, dass an der geltenden Corona-Verordnung mit Tests und Maskenpflicht kein Weg vorbeiführt. Doch danach sieht es nicht aus, wie die Antwort der 17 Eltern auf die Äußerungen der Schulleitung zeigt.
Diskussion um Atteste
Im Vergleich zum Schreiben der Schulleitung sind auf dem Elternbrief keine Unterzeichner zu finden. Und die betreffenden Eltern hatten auch gleich zu Beginn klar gemacht, dass sie kein Interesse daran haben, mit unserer Redaktion zu reden. Unser Gesprächsangebot – das es natürlich durchaus gegeben hatte – habe man "im Sinne des inneren Friedens der Schule" verstreichen lassen.
Von Frieden ist aktuell dennoch keine Spur. Die Eltern weisen die Äußerungen der Schulleitung entschieden zurück, wonach es bei den Protesten vor der Schule nach den Ferien (wir berichteten) zu Beschimpfungen gekommen sei. Es sei auch nicht um eine Konfrontation gegangen, man habe an jenem Montagmorgen "lediglich versucht, die aktuell geltende Rechtslage darzustellen". Bezüglich der OP-Masken und FFP2-Masken, die nach Ansicht der Eltern ohnehin keinen Virenschutz bieten, sei es zu einem Streitgespräch gekommen. Auch über die Frage, ob für die Kinder vorliegende Atteste "willkürlich außer Kraft gesetzt werden können", gab es dem Schreiben zufolge wohl unterschiedliche Ansichten.
Das Ganze sei aber keine "heftige Konfrontation" gewesen, wie die Schulleitung es sieht, sondern aus Sicht der betreffenden Eltern eine "angeregte Diskussion". In dem Schreiben heißt es: "Schließlich geht es um das Wohl unserer aller Kinder und dafür darf man schon mal die Stimme erheben." Dennoch sei es zu keiner traumatisierenden Situation für die Kinder gekommen, dies weisen die Eltern von sich. Zudem habe Christoph Sander davon geredet, dass ungetestete Kinder "rausgeschmissen" würden. Dies habe nicht gerade zur Befriedung der Situation beigetragen. Manche Eltern hätten Video- und Tonaufnahmen gemacht, somit lägen auch "Beweismittel" vor. Man halte sich aber daran, dass diese nicht verbreitet werden.
Das dann am Dienstag mitgebrachte Plakat sei von Kindern selbsterstellt worden und habe die Aufschrift getragen: "Wir wollen wieder in die Schule ohne Test und Maske." Und das, so meint die Elterngruppe an der Waldorfschule in ihrem Schreiben, "wünschen sich mit Sicherheit alle Eltern für ihre Kinder auch".
Offen für Austausch
Wie bereits berichtet, hatte die Tatsache, dass die Waldorfschule die geltenden Corona-Regeln konsequent umsetzen will, zu Protesten der Elterngruppe geführt. Weiterhin sehen diese "den gesetzlichen Spielraum nicht voll ausgeschöpft". Dies fordere man von der Waldorfschule, zum Wohle aller Kinder. Zudem hätten ärztliche Atteste zur Befreiung der Maskenpflicht für einen Teil der Kinder dauerhaft Bestand. Nach rechtlicher Überprüfung bei diversen Stellen, so sagen die Eltern, "verlieren diese Atteste nicht durch neue Verordnungen ihre Gültigkeit".
Die Elterngruppe bedauert nach eigenem Bekunden, dass es vergangene Woche nicht zu dem anvisierten Gespräch mit der Schulleitung kam. "Wir bleiben weiterhin offen für einen konstruktiven Austausch", heißt es.
Auch Schulleiter Christoph Sander lässt auf Nachfrage durchblicken, dass es Gespräche geben soll. Darüber hinaus sei man aktuell mit einzelnen Elternhäusern "im Abstimmungsprozess". Das ist die vorsichtige Formulierung für das, was gerade an der Waldorfschule los ist.