Nicht alle Eltern sind mit den Corona-Maßnahmen einverstanden. (Symbolfoto) Foto: Lutz

Massive Proteste von Eltern und Schülern gegen Corona-Maßnahmen sind an der Waldorfschule in Rottweil eskaliert. Während einer Demonstration an der Schule kam es zu unschönen Szenen. Alle Schlichtungsversuche scheiterten bislang.

Kreis Rottweil - Während die Waldorfschule ansonsten gerne etwas Heile-Welt-Atmosphäre vermittelt, scheint das Verhältnis zwischen Teilen von Eltern und Schülern sowie der Schulleitung jetzt massiv gestört. Es geht um Corona. Und Regeln, die Teile der Eltern mit ihren Kindern auf keinen Fall befolgen wollen. Dies geht soweit, dass es jetzt zu massiven Konfrontationen kam. Die Schulleitung berichtet von "unflätigen Beschimpfungen" seitens einiger Elternhäuser. "Ich hätte nicht gedacht, dass es nach 18 Monaten Corona nun noch zu so etwas kommt", bedauert Geschäftsführer Christoph Sander auf Nachfrage die aktuelle Situation.

 

Lage hat sich zugespitzt

Schon vergangene Woche hätten 17 Eltern in einem Schreiben angekündigt, dass sie nach Ferienende ihre Kinder zwar zur Schule bringen würden, die Kinder aber weder der Selbsttestung noch der Maskenpflicht nachkommen würden. Schulleitung und Vorstand haben darauf reagiert – man habe jedoch keine Klärung herbeiführen können. Im Gegenteil: das Ganze habe sich weiter zugespitzt.

Die Lage eskalierte am Montagmorgen: Weitere Änderungen in der Corona-Verordnung von Sonntag auf Montag hätten die "Gemüter zusätzlich erhitzt", weshalb sich ein Großteil der 17 Elternhäuser und ein paar weitere Eltern vor dem Schulgelände versammelten und protestierten. Christoph Sander und seinem Vorstandskollegen Alexander Neumann sei es nicht gelungen, die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen. Auch Erklärungen, wie es mit den Selbsttests laufe und was passiert, wenn Einverständniserklärungen nicht abgegeben werden, hätten nichts geholfen.

Die Situation sei "unschön und mit unflätigen Beschimpfungen" geendet, schildert die Schulleitung. Besonders bedauere man, dass Schüler dies alles miterleben mussten. Am Dienstag folgten weitere Proteste mit einem Transparent "ähnlichen Inhalts" – auch dies müsse erst einmal mit den Schülern aufgearbeitet werden. "An dem Tag war auch die Einschulungsfeier", bedauert Sander. Das Vorgehen der Eltern sei "gemeinschaftsschädigend". Protest und Kritik sei erlaubt, aber: "Ort, Zeit und vor allem Form waren völlig unangemessen".

Falsche Gerüchte

Der Hintergrund: Es kursierten bei Eltern Gerüchte, dass durch die "Notverordnung" und einen Beschluss des Verwaltungsgerichtshof die Präsenzpflicht außer Kraft gesetzt sei. Das Gericht hatte sich aber lediglich auf einen Formfehler bezogen. Die "völlige Fehlinterpretation", die rasend schnell im Netz gestreut wurde, hätten leider auch Eltern der Waldorfschule Rottweil geglaubt, sagt Sander. "Keiner hat reflektiert, keiner hat nachgefragt", bedauert er. Man habe der Schulleitung dann vorgeworfen, es würden Regeln umgesetzt, die gar nicht nötig seien. Die Schule mache sich zum "Erfüllungsgehilfen".

Insgesamt hat die Waldorfschule Rottweil 224 Schüler mit rund 150 Elternhäusern. Aus der Gesamtelternvertretung heißt es auf Nachfrage, dass es wie an anderen Schulen unterschiedliche Meinungen zu den Corona-Maßnahmen gebe. Alle Eltern im Blick zu halten, stelle manchmal eine Herausforderung dar. "Grundsätzlich ist es aber das Interesse aller Eltern, dass unsere Kinder gut durch diese Zeit kommen und die Schule weiter genießen können. Alles andere sollten die Eltern in persönlichen Gesprächen mit der Schulleitung und den Lehrern klären."

Christoph Sander sagt klar: "Über die Tatsache, dass sich auch die Waldorfschule an die Corona-Verordnung hält, gibt es nichts zu diskutieren. Und wer sich nicht an die Regeln hält, darf die Schule nicht betreten" (siehe Info unten).

Gespräch abgesagt

Aufgrund der Eskalation haben Schulleitung und Vorstand ein Schlichtungsgespräch, das mit der Gruppe anberaumt war, abgesagt. Man müsse angesichts der Ereignisse erst Kräfte sammeln. Man bitte alle Eltern, darauf zu vertrauen, dass die Verordnungen zum Wohle der Schulgemeinschaft "maßvoll" umgesetzt würden. Und Sander hofft, dass die protestierenden Eltern durch die juristische Klarstellung vielleicht zur der Erkenntnis kommen, dass sie falsch gelegen haben.

Info: Welche Konsequenzen gibt es?

Was, wenn Eltern und Schüler der geltenden Corona-Verordnung nicht Folge leisten wollen? Wir haben beim Kultusministerium Baden-Württemberg nachgefragt. In der Antwort heißt es:

- Die Waldorfschulen sind ebenfalls an die Corona-Verordnung Schule gebunden. Deren Regelungen sehen vor, dass Schülerinnen und Schüler, die eine Testung verweigern oder sich weigern, eine Maske zu tragen, ein Zutritts- und Teilnahmeverbot für die Schule haben.

- Die Schüler können ihre Schulpflicht in diesem Fall nicht durch Fernunterricht erfüllen und fehlen damit unentschuldigt im Unterricht – die Corona-VO Schule ermöglicht die Erfüllung der Schulpflicht im Fernunterricht nur für den Fall, dass ein Schüler oder Angehörige aus dem gleichen Haushalt zu Risikogruppen gehören oder dass ein Schüler oder eine Klasse in Quarantäne muss.

- Ein unentschuldigtes Fehlen im Schulunterricht kann pädagogische, disziplinarische und schulrechtliche Maßnahmen nach sich ziehen. Diese reichen auf der Eskalationsleiter von einem pädagogischen Gespräch über ein Bußgeld bis hin zur Zwangsvorführung des Schülers an der Schule.

- Die Gerüchte im Internet, dass der Verwaltungsgerichtshof Mannheim eine "Notverordnung" erlassen und die Präsenzpflicht außer Vollzug gesetzt habe, sind falsch, betont das Kultusministerium ausdrücklich. Der Verwaltungsgerichtshof hatte lediglich einen rein deklaratorischen Artikel in der Corona-Verordnung Schule bemängelt.