Es ist ein Gerücht, das sich hartnäckig hält und immer wieder zu hören ist: Der Kreißsaal im Calwer Krankenhaus könne regelmäßig nicht rund um die Uhr betrieben werden kann, weil es an Personal fehle. Stimmt das? Der Klinikverbund widerspricht vehement.
Calw - Weihnachten ist vorbei, Neujahr steht vor der Tür. Und manchmal kommt punktgenau mit dem neuen Jahr auch neues Leben im Calwer Krankenhaus auf die Welt. Da wäre es schlecht, wenn der Kreißsaal zeitweise wegen Personalmangels nicht zur Verfügung stünde – und das sei der Fall, hört man immer wieder durch die Region geistern. Doch ist das so? Wir haben nachgehakt.
Was ist dran an dem Gerücht, der Kreißsaal im Calwer Krankenhaus sei zeitweise geschlossen?
Fragt man Ingo Matheus, Pressesprecher und Leiter Stabsstelle Unternehmenskommunikation des Klinikverbund Südwest (KVSW), zu dem auch das Calwer Krankenhaus gehört: nichts. "Das ist nicht korrekt", betont Matheus auf Anfrage unserer Redaktion. "Der Kreißsaal in Calw war in den letzten Wochen zu keiner Zeit abgemeldet und auch in den kommenden Tagen sind alle absehbaren Schichten im Dienstplan abgedeckt", bekräftigt er.
Wie ist der Kreißsaal besetzt?
Rund um die Uhr, so berichtet der Sprecher, sei in Calw "jeweils regelhaft pro Schicht (früh/spät/nachts) eine Hebamme vor Ort im Dienst". Hinzu komme der ärztliche Dienst sowie ein zusätzlicher "ärztlicher Hintergrunddienst", der hinzugezogen werden könne. Dadurch sei gewährleistet, dass in Calw beide Kreißsäle 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche betrieben werden könnten. Selbst "jetzt in der Coronazeit kann jederzeit jede Schwangere die Geburtshilfe in Calw aufsuchen", unterstreicht Matheus. Und auch Väter seien "nach wie vor im Kreißsaal willkommen".
Und wenn nun zu viele Babys gleichzeitig »unterwegs« sein sollten?
Falls die zuvor beschriebene Besetzung tatsächlich nicht ausreichen sollte, "stünden natürlich die anderen Geburtsstandorte im KVSW in Herrenberg, Böblingen und Leonberg jederzeit unterstützend zur Seite", erklärt der Kliniksprecher. "Dass aber effektiv zeitgleich mehrere Geburten stattfinden und somit eine Verlegung vor der Geburt stattfinden müsste, ist extrem selten."
Wie ist es um die Personalsituation bestellt?
Dennoch, so räumt Matheus ein, bestehe bekanntermaßen "bundesweit ohne Zweifel ein Fachkräftemangel gerade auch bei Hebammen". Weder der KVSW noch spezifisch Calw stelle da eine Ausnahme dar. "Insofern tun sich kleinere Geburtsstandorte mit kleinerer Personaldecke bei kurzfristigen Personalausfällen naturgemäß etwas schwerer", berichtet der Sprecher. "Gerade in der kalten Jahreszeit – jetzt durch Corona natürlich nochmals verschärft – kommt es beispielsweise immer wieder zu krankheitsbedingten Ausfällen, so auch im Dezember in Calw. Dank der Einsatzbereitschaft der Kolleginnen im Team (plus vereinzelter Leasingkräfte) konnten diese Ausfälle aber alle kompensiert werden", so Matheus.
Wie wird die Personalsituation in Calw künftig aussehen?
Eine gewisse Hoffnung in Sachen Personalgewinnung setzt der KVSW in Calw offenbar unter anderem in den Neubau des Krankenhauses im Stammheimer Feld. Ein modernes Arbeitsumfeld, wie es dort entstehe, "ist sicher zukünftig ein positiver Aspekt in der Nachwuchsgewinnung", erklärt der Klinikverbund-Sprecher. Unabhängig davon laufe aber bereits eine Kooperation mit der Uni Tübingen. "Im Februar werden in diesem Zusammenhang die ersten Hebammenschülerinnen aus dem Hebammen-Studiengang in der Klinik in Calw im Einsatz sein", berichtet Matheus. Von einer frühzeitigen Bindung der Nachwuchskräfte an den Standort "erhoffen wir uns natürlich frühzeitigere Effekte in der Personalgewinnung als durch reine Baumaßnahmen", verrät der Sprecher abschließend.