Der neue Chefarzt Kai-Uwe Kühn (Mitte) mit dem Medizinischen Direktor Gunther Essinger (links) und Geschäftsführer Michael Eichhorst. Foto: Verstl

Im Notfall zählt jede Sekunde. Klinikum Nordschwarzwald warnt vor schlechterer Versorgungsqualität.

Calw - Kai-Uwe Kühn ist ein Mann der klaren Worte. Sollte eine Intensivversorgung im Calwer Krankenhaus nicht mehr möglich sein, sei das für das Klinikum Nordschwarzwald nicht akzeptabel, sagt der Professor für Psychiatrie und neue Chefarzt im Zentrum für Psychiatrie (ZfP).

Schon allein die Verlagerung der Calwer Klinik von ihrem jetzigen Standort in das Gewerbegebiet Stammheimer Feld ist dem Klinikum, oberhalb von Hirsau gelegen, ein Dorn im Auge. Zwar verlängern sich die Fahrzeiten allenfalls nur um ein paar Minuten. Bei Herzinfarkten oder Schlaganfällen kommt es aber auf jede Sekunde an. Für Kühn ist das eindeutig eine Verschlechterung der Versorgungsqualität.

Auch für den Medizinischen Direktor Gunther Essinger und Geschäftsführer Michael Eichhorst ist dies keineswegs ideal. Denn schwer kranke demente Patienten, wie sie in der Klinik für Alterspsychiatrie und Psychotherapie in Hirsau untergebracht sind, leiden an bis zu zehn Erkrankungen. Dazu zählen oftmals Herzinsuffizienzen und Schlaganfälle, erläutert Kühn. Da sei die Nähe einer Intensivstation genauso unabdingbar wie eine darüber hinaus gehende internistische Versorgung, so Kühn.

Bei Gesundheitscampus in intensiven Gesprächen mit dem Landkreis

Der Chefarzt nennt ein weiteres Beispiel. Aus einer Pforzheimer Klinik sei eine junge Frau mit massiven Essstörungen an das ZfP überwiesen worden. Da multiples Organversagen drohte, konnte die Patientin in Hirsau nicht aufgenommen werden. Sie brauchte die unmittelbare Nähe zu einer Akutklinik. In ihrem Fall war das jetzige Krankenhaus Calw schon zu weit weg. Sie wurde in den ZfP-Standort Böblingen eingewiesen, der sich unmittelbar im dortigen Krankenhaus befindet. Essinger erinnert in diesem Zusammenhang an die inzwischen begrabenen Pläne, ein neues Calwer Krankenhaus auf dem Gelände des Klinikums Nordschwarzwald zu bauen. Für das ZfP wäre das der Idealfall gewesen.

Die Klinikleitung betont zugleich, dass man sich in Sachen Gesundheitscampus Calw in intensiven Gesprächen mit dem Landkreis befindet. Und auch das Gefühl hat, gehört zu werden. Eichhorst betont allerdings auch, dass das ZfP eine noch bessere Zusammenarbeit anstrebt, "auch wenn wir ordentlich unterwegs sind".

Auf jeden Fall sollten die Konsiliar- und Liaisondienste gewährleistet sein. Während im Konsildienst ein Kollege aus der Psychosomatik auf Anforderung der Stationsärzte auf die Station kommt, arbeitet im Liaisondienst ein Kollege aus der Psychosomatik stunden- oder tageweise in der entsprechenden Klinik.

Das Klinikum Nordschwarzwald denkt in diesem Zusammenhang auch an eine bessere Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), insbesondere was die Verbindung zwischen ZfP und dem Krankenhaus in Calw anbelangt.

Im Herbst entsteht ein Bau für die Gerontopsychiatrie

In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause hatte der Kreistag wichtige Entscheidung in Sachen Krankenhauskonzept beschlossen. Vorgesehen ist neben der Sanierung der Nagolder Kliniken der Neubau des Calwer Krankenhauses samt Gesundheitscampus (wir berichteten). Mit dem Bau soll im Herbst 2018 begonnen werden.

Kai-Uwe Kühn hat die Chefarztposition von Michael Riedel übernommen, der sich für ein anderes Haus entschieden hat, wie Eichhorst mitteilt. Darüber hinaus wird im Herbst mit dem Bau der Gerontopsychiatrie begonnen. Investiert werden rund drei Millionen Euro.

In diesem Zusammenhang entsteht ein beschützter Garten für an Demenz erkrankte Patienten. Sie müssen sich dann nicht mehr auf den ­Straßen im Klinikgelände bewegen, was auch mehr Sicherheit mit sich bringt.

Mit dem Neubau entsteht, so Eichhorst weiter, zudem ein Puffer bei starker Belegung. Das trage bei psychisch kranken Menschen zur Vermeidung von Konflikten bei. So entstehe auch in diesem Bereich mehr Sicherheit.

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