Dass die Stadt an der Dammenmühle nicht mit Naturrasenplätzen plant, stößt dem Lahrer BUND sauer auf. Ein Vortrag im Umweltausschuss lieferte Erklärungen, die jedoch nicht gänzlich überzeugten.
Zwei Fußballplätze und ein Hockeyplatz sollen an der Dammenmühle entstehen, beide mit Kunstrasen. Der Lahrer BUND sieht dies kritisch, denn über Kunstrasenplätze und das dort verwendete Füllmaterial gelange schädliches Mikroplastik in die Umwelt. Um diesbezüglich über den „Stand der Technik“ zu informieren, hatte die Stadt Peter Eberhardt eingeladen. Er arbeitet bei der Firma Polytan als Sportstättenberater und war am Bau der bestehenden Lahrer Kunstrasenplätze beteiligt.
Die größte Problematik, erklärte Eberhardt, sei bei Fußballplätzen die Gummigranulatfüllung. Für dieses Granulat prüfe die EU derzeit ein Verbot, doch Neubauten würden in Deutschland schon gar nicht mehr genehmigt, sagte der Sportstättenberater: „Es gibt keinen Zuschuss mehr, sie werden nicht mehr gebilligt“. Als beste Alternative habe sich das natürliche Material Kork herauskristallisiert. Der Abrieb, der an den Schuhen entsteht, sei zu vernachlässigen. „Im Straßenverkehr fällt viel mehr Abrieb an“, so der Sportstättenberater.
Viele Möglichkeiten, um Mikroplastik zu vermeiden
Darüber hinaus gebe es weitere Möglichkeiten, zu vermeiden, dass Mikroplastik in die Umwelt gelangt. So könne man Schutzstreifen und Schleusen am Ein- und Ausgang einbauen. Beim Abwasser lasse sich in das Drainage-System ein Filter einbauen. Ob diese Punkte an der Dammenmühle umgesetzt werden, blieb im Umweltausschuss offen.
Eberhardt betonte, dass der Bau von Kunstrasenplätzen inzwischen sehr umweltfreundlich sei. „Wir verwenden Recyclingmaterial, nachwachsende Rohstoffe, wenig Wasser und wenig Kunststoffe“, skizzierte er. Zudem habe die Firma in Essen ein Recyclingwerk für Kunstrasen in Betrieb genommen, in dem 100 Prozent der Materialien wiederverwertet werden, so der Sportstättenberater. Dies sei auch für Lahr eine Option, wenn die vier bestehenden Kunstrasenplätze erneuert werden müssen.
Der Bericht des Experten verwunderte einige Ausschussmitglieder. „Wenn wir uns über Diesel informieren wollen, holen wir uns dann einen Experten von VW?“, stellte Dorothee Granderath (Grüne) in den Raum. Sie hätte sich lieber einen unabhängigen Gutachter gewünscht, oder zumindest auch die Kunstrasen-Skeptiker zu Wort kommen lassen. „Aus meiner Sicht haben wir einen sehr objektiven Bericht gehört“, meinte Bürgermeister Tilman Petters.
Ohne Kunstrasenplatz kein Hockey-Club
Ulrich Sand, stellvertretender Vorsitzender des Lahrer BUND, hakte nach: „Brauchen wir diese Kunstrasenplätze wirklich?“ „Hockey wird nur noch auf Kunstrasen gespielt“, warf Richard Sottru, Abteilungsleiter Öffentliches Grün und Umwelt bei der Stadt, ein. „Ohne Kunstrasenplatz gibt es keinen Hockey-Club.“ Bei Naturrasen müsse man zudem auf den deutlich höheren Wasserverbrauch achten. Wie problematisch das Abwasser und der Windabdrift seien, wollte Sand zudem wissen. „Jetzt muss man aber die Kirche mal im Dorf lassen“, antwortete Eberhardt. Diese Punkte seien zu vernachlässigen.
Roland Hirsch (SPD) stellte schließlich einen Antrag auf das Ende der hitzigen Debatte. Er sah das Thema – anders als der BUND – derzeit nicht als relevant an. Dem Antrag wurde schließlich stattgegeben. „Es ist ein strittiges Thema. Wir behandeln es wieder, wenn wir es als Investitionsfrage auf dem Tisch haben“, schloss Petters die Debatte.
Katinka Mangei, Vorsitzende des BUND Lahr, zeigte sich am Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion enttäuscht vom Vortrag. „Konkrete Antworten gab es nicht“, kritisierte sie. Von Seiten der Stadt hieß es am Freitagnachmittag auf LZ-Anfrage, man habe sich „nicht gegen einen Naturrasenplatz, sondern für den internationalen Standard entschieden“. Da der Platz nicht verfüllt werde, sei er im Hinblick auf Mikroplastik unproblematisch.
Verfahrensfehler
Das vorzeitige Ende der Debatte sorgte im Umweltausschuss für Unmut. Dorothee Granderath wollte sich damit nicht abfinden und las in der Geschäftsordnung nach. „Jede Fraktion hätte noch einmal reden dürfen“, erklärte sie einige Mintuen später. Jürgen Durke hätte gerne noch gesprochen. Doch die Aufklärung kam zu spät. Durke hatte den Sitzungssaal bereits verlassen. „Kein Wunder, wenn seine Rechte beschnitten werden“, so Granderath aufgebracht.