Marco Strauß möchte künftig auf dem Chefsessel im Ostelsheimer Rathaus sitzen. Foto: Philipp Schütz

Der Bürgermeisterwahlkampf in Ostelsheim nimmt an Fahrt auf: Marco Strauß ist neben Ryyan Alshebl der zweite Kandidat, der am 2. April in der Gäugemeinde antritt. Der 42-jährige Verwaltungsfachangestellte hat viele Visionen für den Ort.

Der Verwaltungsfachangestellte wohnt mit Ehefrau Miriam, die aus Ostelsheim stammt, und seinen drei Kindern im Ort. „ Ich bin Ostelsheimer durch und durch“, sagt der 42-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Aufgewachsen ist er in Dätzingen und hat unter anderem in Calw, Weil der Stadt und Althengstett gelebt.

 

Bereits vor einiger Zeit sei er aus den Reihen der Bevölkerung darauf angesprochen worden, ob er sich vorstellen könne, neuer Rathauschef in Ostelsheim zu werden. Nach einiger Bedenkzeit und „nachdem der Familienrat getagt hat“, habe er sich entschlossen, seinen Hut in den Ring zu werfen. Am Freitag hat Strauß seine offizielle Bewerbung im Rathaus abgegeben.

Der parteilose Kandidat möchte bei den Ostelsheimer mit seiner langjährigen Verwaltungserfahrung punkten. Seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten im Kommunal-, Landes- und Bundesrecht absolvierte er beim heutigen Bundeswehrdienstleistungszentrum und Kommando Spezialkräfte in Calw, bevor er eine Jahre in Stuttgart tätig war – zunächst im heutigen Karrierecenter der Bundeswehr, anschließend bei der Wehrbereichsverwaltung Süd. „Dabei durchlief ich Stationen im Ressort des Bundesverteidigungsministeriums, dem Bundesministerium des Innern und dem Bundesministerium der Finanzen. Nach meiner Funktion als Ausbilder der Auszubildenden und zugleich Sachbearbeiter wurde ich als Teamleiter in den gehobenen Verwaltungsdienst ernannt und hatte somit Personalverantwortung für bis zu 20 Mitarbeiter“, ist auf Strauß’ Homepage zu lesen.

Eine neue Herausforderung suchte und fand der Bürgermeisterkandidat 2019 mit dem Wechsel zur Stadt Calw in der Abteilung Öffentliche Ordnung. Dort war er in Doppelfunktion als Sachgebietsleiter der Bußgeldstelle und Sachbearbeiter der Straßenverkehrsbehörde tätig.

Eine weitere neue Aufgabe suchte sich der 42-Jährige mit seinem Wechsel im Januar 2022 zum Calwer Landratsamt. Dort ist er in der Abteilung Straßenbau und -verkehr tätig. Unter anderem leitet Strauß Verkehrsschauen sowie Unfallkommissionen und erlässt verkehrsrechtliche Anordnungen.

„In Ostelsheim gibt es viele Herausforderungen“, äußert sich der Bürgermeisterkandidat gegenüber dem Schwarzwälder Boten. Im Folgenden sind einige seiner Ziele und Schwerpunkte des Wahlprogramms aufgeführt.

Kinderbetreuung und die Gewinnung von Erziehern sieht Strauß als eines der wichtigsten Zukunftsthemen in der Kommune. Bei diesem und weiteren Themen sei ihm ein menschliches und partnerschaftliches Miteinander wichtig. Daueraufgabe des Bürgermeisters sei die Schaffung einer ehrlichen und offenen Beziehung zwischen Bürger und Verwaltung. Jeder Bürger, jedes Unternehmen und jeder Verein solle verstehen, wie die Verwaltung arbeitet und entscheidet. Die Betreuungszeiten für Kinder jedenfalls müssten an die Bedürfnisse der Eltern angepasst werden: „Die Öffnungszeiten sollten da möglichst alles abdecken“. Dafür brauche es eine Bedarfsumfrage.

Demografischer Wandel Dieser erfordere bereits heute die volle Aufmerksamkeit auch auf lokaler Ebene, ist Strauß überzeugt. Nach dem Wegfall der Gastronomiebetriebe Rössle und Sonne sei bei einer (Neu-)Gestaltung der Ortsmitte ein neuer Treffpunkt unabdingbar. Ebenso müssten Pläne für altersgerechtes Wohnen und bezahlbaren Wohnraum intensiviert werden, so Strauß in seinem Wahlprogramm.

Digitalisierung Die Dienstleistungen ihrer Gemeinde sollen den Ostelsheimern künftig in vereinfachter Form und vor allem zeitlich uneingeschränkt zugänglich gemacht werden. E-Government, also Behördengänge online zu erledigen, heißt dabei für den Bürgermeisterkandidaten das Zauberwort: „Somit könnte in vielen Fällen der Gang zum Rathaus überflüssig werden“. Zugleich würden viele Vorgänge effizienter, transparenter und kostengünstiger. Digitale Verwaltungsleistungen wie die Einführung von Online-Terminvereinbarungen würden für noch mehr Komfort in der Organisation sorgen.

Energie und Umwelt Laut Strauß gehören die öffentlichen Gebäude in Ostelsheim untersucht – hin auf dem Weg zur Klimaneutralität unter anderem mithilfe von Solaranlagen, Wärmepumpen oder erneuerbaren Energien. Die Landesregierung Baden-Württemberg habe das ambitionierte Ziel, die Verwaltungen im Land bis 2040 weitestgehend klimaneutral zu gestalten. Klimaschutzprojekte im Ort würde Strauß gerne gemeinsam mit einem vom Bund geförderten Klimaschutzmanager voranbringen – so, wie es beispielsweise die Nachbargemeinde Althengstett seit Jahren getan hat.

Wirtschaft und Handel Den Einzelhandel halten, stärken und, wenn möglich, ausbauen – das steht bei Strauß auf der Agenda: „Wir müssen ein attraktiver Standort für lokale Unternehmen bleiben, das Wachstum fördern und neues Gewerbe für uns gewinnen, ansiedeln und für einen langfristigen Verbleib unterstützen. Ein wichtiges Kriterium dabei ist, Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze zu schaffen“.

Naherholung und Artenschutz Das Hecken- und Schlehengäu – damit verbinden die Ostelsheimer laut Strauß die Begriffe Heimat, Lebensqualität und Lebensgefühl. Naherholungsgebiete durch Beantragung und Ausweisung als „ruhige Gebiete“ zu schaffen, lautet eines seiner Ziele. Als ruhige Gebiete kämen großflächige Areale, die einen weitgehend naturbelassenen oder land- und forstwirtschaftlich genutzten, durchgängig erlebbaren Naturraum bilden, infrage. Für den Artenschutz sollten Bannwälder eingerichtet werden, so Strauß.

Strauß versichert: Die Fragestellungen und Arbeitsfelder der Zukunft auf kommunaler Ebene seien eine Herausforderung und kein Nachteil. Man müsse kontinuierlich dran bleiben und dafür sorgen, „dass unser Ostelsheim ein l(i)ebenswerter Ort bleibt und zugleich aus dem Dornröschenschlaf geweckt wird“.