Im Mühlenareal in Kappel-Grafenhausen entstehen 60 neue Wohnungen. Das Projekt wurde im September 2020 vom Gemeinderat für gut befunden. Foto: Decoux

Wohnraum wird vielerorts knapp. Um diesem Problem Abhilfe zu schaffen entstehen im Mühlenareal in Kappel-Grafenhausen derzeit 60 neue Wohnungen. Unsere Redaktion hat die drei Bürgermeister-Kandidaten gefragt, was sie bezüglich Wohnen und Leben in der Gemeinde noch verbessern möchten.

Alexander Schindler, Rebccca Wild und Philipp Klotz treten bei der Bürgermeisterwahl in Kappel-Grafenhausen am Sonntag, 3. Dezember, an. Unsere Redaktion hat bei den drei Kandidaten nachgefragt, wie sie sie bezüglich Wohnen und Leben in der Gemeinde noch verbessern möchten.

 

Warum ist Kappel-Grafenhausen ein schöner Ort zum Leben?

Alexander Schindler: Ich bin ein Kind der Region und fühle mich hier wohl. Meine Familie und ich sind hier verwurzelt. Als ich die letzten Wochen in Kappel-Grafenhausen unterwegs war, hat sich dieses Gefühl in mir bestärkt. Die herzliche und offene Art der Menschen, das außerordentlich starke Vereinsleben, die vielfältigen Traditionen und die gute soziale Gemeinschaft machen Kappel-Grafenhausen zu dem was es ist: Ein Ort zum Wohlfühlen!

Rebecca Wild: Zum einen ist die Lage – mit sehr guter Anbindung zu Bahn und Autobahn und inmitten der Natur – einzigartig. Zum anderen sind die Menschen offen und engagiert. Wir haben eine gesicherte Nahversorgung durch den Edeka, unsere Bäckerei, unsere Dienstleistungen und Betriebe. Kappel-Grafenhausen hat eine gute Grundgesundheitsversorgung durch Ärzte, Apotheke und Pflegeheim. Wir haben aktuell ausreichend Kitaplätze und zwei Grundschulen.

Philipp Klotz: Kappel-Grafenhausen hat ein sehr aktives und intaktes Vereinsleben, das viel für die Bevölkerung bietet. Mit dem Naherholungsgebiet Taubergießen direkt vor der Haustüre ist für jeden Naturliebhaber etwas geboten. Vor allem aber sind es die vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich innerhalb der Gemeinde engagieren und damit Kappel-Grafenhausen erst lebenswert machen.

Bürgermeisterkandidat Alexander Schindler Foto: Oliver Wernet

Was könnte man noch verbessern?

Alexander Schindler: Die gemeindeeigenen und öffentlichen Gebäude befinden sich größtenteils in einem schlechten Zustand. Hier und auch sonst im Ort mangelt es zumeist an barrierefreien Zugängen. Viele Straßen und Gehwege bedürfen einer Sanierung. Darüber hinaus möchte ich für die Menschen Orte der Begegnung schaffen. Ich möchte das Ortsbild schöner und ansprechender gestalten. Die Nahversorgungsangebote müssen gut und für alle erreichbar sein.

Rebecca Wild: Mit neu gestalteten Spielplätzen, ansprechenden Grünanlagen und mit mehr Barrierefreiheit könnte unsere Gemeinde noch attraktiver werden. Ich möchte Kappel-Grafenhausen als Ort weiterentwickeln und kontinuierliche Anpassungen vornehmen.

Philipp Klotz: Die Barrierefreiheit der Infrastruktur hat viel Optimierungspotenzial – etwa das Absenken der Bordsteine und die Verlegung des Behindertenparkplatzes direkt zum Rathaus. Ich stelle mir für die Zukunft ein Ortsbild ähnlich dem in Ringsheim vor. Des Weiteren hat Kappel durch den Wegfall der Metzgerei Junele einen Nachteil bei der Nahversorgung hinnehmen müssen. Man kann prüfen, ob eine Ansiedlung einer Einkaufsmöglichkeit im Mühlenareal möglich wäre.

Bürgermeisterkandidatin Rebecca Wild Foto: privat

Welche Strategie werden Sie in Sachen Wohnraum verfolgen?

Alexander Schindler: Es ist wichtig, für alle Altersgruppen und Bedürfnisse geeigneten Wohnraum zu haben. Ansätze hierfür können eine moderne Quartiersentwicklung, Konzepte für Generationenwohnen, Schaffung von Mietwohnraum mit genossenschaftlichen Partnern oder mietpreisgebundenes Wohnen sein. Gleichzeitig ist es wichtig, schonend mit Ressourcen umzugehen, um auch den künftigen Generationen die Möglichkeit zu erhalten, in Kappel-Grafenhausen wohnen zu bleiben.

Rebecca Wild: In naher Zeit werden sehr viele neue Wohnungen im Mühlenareal auf den Markt kommen. Ich finde, dass hier zunächst die Infrastruktur mitwachsen sollte. Gleichzeitig möchte ich eine Innerortsentwicklung ermöglichen. Hier gibt es viele neue Ideen, wie bestehende Gebäude erweitert oder verändert werden können.

Philipp Klotz: Meine Strategie ist langfristig angelegt. Der Bedarf an barrierefreiem altersgerechtem Wohnraum wird stark zunehmen. Dafür werden innerorts viele Einfamilienhäuser mit großen Grundstücken frei. Man sollte wieder mehr in Richtung Mehrgenerationenhäuser denken. Dies hat viele vorteilhafte Synergieeffekte. Sind mehrere Generationen in einem Haus, ist Kinderbetreuung leichter abzudecken. Mir ist es wichtig, dass die jungen und älteren Generationen im Ort bleiben können.

Sind Ferienwohnungen Fluch oder Segen?

Alexander Schindler: Ferienwohnungen sind beides. Für die einen ist es das Haupteinkommen oder ein wichtiger Hinzuverdienst. Für die anderen stellt es durch den entstehenden Lärm und die parkenden Autos eine Belastung dar. Darüber hinaus nehmen sie wichtigen Wohnraum vom Markt, der den Bürgerinnen und Bürgern fehlt. Es ist wichtig, den vorhandenen Bestand und die weitere Entwicklung genau zu überwachen und zu steuern.

Rebecca Wild: Ferienwohnungen gilt es in Balance mit Wohnraum zu halten. Die Gemeinde hat ein Ferienwohnungskonzept, das ich sehr gelungen finde, da es beide Möglichkeiten bietet. Dieses möchte ich weiterhin konsequent umsetzen.

Philipp Klotz: Sie sind Fluch und Segen. Die Gastronomie ist stark vom Tourismus abhängig. Zudem ist es in der aktuellen Wirtschaftslage nicht leicht, ein Eigenheim zu finanzieren. Hier ist eine Einliegerwohnung, die man als Ferienwohnung anbietet, eine große Hilfe. Allerdings fehlen die Räumlichkeiten am Markt als Wohnungen. Zudem werden durch die Verknappung die Mietpreise in die Höhe getrieben. Mit dem Zonenmodell wurde bereits ein Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Bürgermeisterkandidat Philipp Klotz Foto: privat

Als wie wichtig schätzen Sie den Tourismus für Kappel-Grafenhausen ein?

Alexander Schindler: Dass die Menschen in unserer Region Urlaub machen möchten, ist eine Bestätigung für unsere schöne Heimat. Die neu gegründete Region Europa-Park, der die Gemeinde Kappel-Grafenhausen angehört, ist ein guter Partner um Beteiligungsmöglichkeiten für die Mitgliedskommunen zu schaffen. Gemeinsam kann man Themen wie die Verbesserung des ÖPNV, den Ausbau des Radverkehrs und einen sanften ökologisch nachhaltigen Tourismus steuern.

Rebecca Wild: Tourismus bringt wirtschaftliches Wachstum, stärkt unsere Gastronomie und den Einzelhandel, wodurch Arbeitsplätze entstehen. Daher sehe ich Tourismus als Teil unserer Struktur, die jedoch gesteuert werden sollte, um die Balance zwischen dem Nutzen und dem Erhalt unseres lebenswerten Ortes sicherzustellen.

Philipp Klotz: Der Tourismus ist für die Gastronomie des Ortes überlebenswichtig. Mit der „Erlebnisregion Europa-Park“ kam eine neue Plattform hinzu, auf welcher ich die Interessen der Bürgerinnen und Bürger aus Kappel-Grafenhausen aktiv vertreten werde. Wichtig ist mir hierbei ein nachhaltiges und für die Natur verträgliches Tourismuskonzept, was die Interessen aller Bürger berücksichtigt. Es gilt, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Gemeinde und Tourismus zu finden.