Annette Rieger las in Lombach aus ihrem Buch „Der Walder vom Schwarzwald“ vor. Walter Trefz, von dem das Werk handelt, war für sie ein Freund, der in ihr das Verständnis für die Natur weckte. Mit seinem renitenten Wesen eckte er jedoch mancherorts an.
Annette Rieger, Autorin, Journalistin und Kulturvermittlerin, las auf Einladung des Sportvereins Lombach aus ihrem Buch „Der Walder vom Schwarzwald“ über Walter Trefz. In der guten Stube von Lombach, dem frisch renovierten Bürgerhaus, hatten sich viele Lombacher eingefunden, um den Geschichten über den berühmten Förster zu lauschen.
Alte Erinnerungen wurden da wieder lebendig, denn Trefz ist in Lombach aufgewachsen. Rieger las vor allem Kapitel aus dieser Zeit, der Kindheit und Jugend in Lombach, wo Walter und sein Bruder Günther mit ihrer Mutter, der schönen Helene, und der lebenstüchtigen Großmutter Bärbele lebten, in einem reinen „Weiberhaushalt“ also. Der Vater der beiden Jungen galt als im Krieg gefallen, erst viele Jahre später sollte Walter erfahren, dass das nicht stimmte. Die Großmutter war die ehemalige Burg-Wirtin, was sie sagte galt. Im Dorf und daheim. Schon früh waren die beiden Brüder in die Arbeit in der Landwirtschaft mit eingebunden. Walters Aufgabe war es, das Werkzeug zu säubern und zu ölen, Holz zu holen, die Stallhasen zu versorgen und alle Schuhe zu putzen.
Die Zerstörung Freudenstadts erlebt
Von Lombach aus erlebte die Familie die Zerstörung Freudenstadts. Für die beiden Jungen war der Krieg präsent, da bei ihnen französische Soldaten einquartiert waren. Als Walter zum Wehrdienst einberufen wurde, zog es ihn zu den Gebirgsjägern nach Reichenhall, weg von daheim, hoch in die Berge.
Seine erste Stelle als Förster trat er 1966 im Revier Christophstal an. Bekannt wurde er in seiner Zeit als Revierförster auf dem Kniebis, wo er 26 Jahre blieb. In dieser Zeit begann das Waldsterben, das die damalige Forstverwaltung eher unter dem finanziellen Aspekt des geringeren Holzertrags sah und weniger die langfristigen Folgen bedachte.
Revierförster wird zum Klimaschützer
Für Trefz aber war es vollkommen unverständlich, das Sterben der Bäume nicht in einen größeren Zusammenhang zu stellen. „Erst stirbt der Wald, dann die Tiere, dann der Mensch“, formulierte er. Aus dem Revierförster wurde ein engagierter Klimaschützer, später wurde er Ideengeber des Nationalparks.
Trefz trat den Grünen bei, war Mitbegründer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Freudenstadt, aktiv in der Kommunalpolitik. Als Mensch war er ein Original, eine Persönlichkeit, die Freund und Gegner beeindruckte. Den einen war er Rebell, den anderen Querulant.
Renitentes Wesen und ungewöhnliches Äußeres
Vor allem in der Forstbehörde eckte er mit seinem renitenten Wesen und seinem ungewöhnlichen Äußeren an. Sein Rauschebart und, noch schlimmer, sein goldener Ohrring, waren „kein würdiges Äußeres für einen Beamten“, befanden seine Vorgesetzten. Trefz war zu keinem Kompromiss bereit, hielt sich auch mit Worten nicht zurück. „Politiker sind für den Wald gefährlicher als der Borkenkäfer“, stellte er fest. Das führte zu mehreren Disziplinarverfahren. Schließlich nahm man ihm sein geliebtes Revier auf dem Kniebis weg.
Auch auf sein Privatleben wirkte sich diese Zeit aus, Ehefrau Karin nahm die beiden Söhne und verließ ihn. Eine weitere Beziehung zu Rike scheiterte, im Ruhestand lebte er mit Lebensgefährtin Helga auf dem Kniebis bis zu seinem tödlichen Unfall im Juli 2021. Dort erzählte er Annette Rieger auch die Geschichte seines Lebens. „Der Walder“ mit seiner unerschütterlichen Liebe zur Natur wurde für die Journalistin zum Freund, er weckte ihr Verständnis für die Schöpfung.