Mit seinen Superstarallüren schwächt Boris Palmer sich und zerlegt die Grünen in Tübingen, meint Redakteurin Christine Keck.
Tübingen - Es ist ein eigenwilliges Drama, das gerade in Tübingen auf der politischen Bühne aufgeführt wird. Dem Hauptdarsteller im Rathaus Boris Palmer würden die Seinen am liebsten den Vertrag kündigen und tun alles, um ihn schnellstmöglich loszuwerden. Längst ist es ein wüstes Hickhack an der Basis mit Methoden, die mit „unfair“ noch harmlos beschrieben sind. Palmer ist zwar vor Ort ein Publikumsliebling mit guten Chancen, dass das im Herbst eine Mehrheit der Stadtbevölkerung immer noch so sieht. Aber andererseits steht er sich mit seinen verletzenden Superstarallüren ständig selbst im Weg und macht es anderen, auch in Stuttgart oder Berlin, nicht gerade leicht, ihn weiterhin auf Hauptrollen zu buchen.
Der Meister des retardierenden Moments
Macht er es? Oder nicht? Palmer, ein Meister des retardierenden Moments, baut mit seiner Nicht-Grünen-Kandidatur und dem Nicht-Sagen, ob er weiterspielen will in dem Neckar-Schauspiel eine maximale Spannung auf. Er sollte sich stattdessen erklären, sich mutig seiner Antagonistin stellen und dann darauf setzen, dass die Zuschauer, die ihn 16 Jahren lang als Akteur in unterschiedlichen Rollen kennen gelernt haben, die richtige Entscheidung treffen.