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Biomüll in der Region Stuttgart Göppingen weicht gesetzlicher Gewalt

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Die getrennte Sammlung von Bioabfällen ist Pflicht – ob in braunen Tonnen oder in Tüten spielt dabei keine Rolle Foto: dpa

Stuttgart - Der Stauferkreis führt als letzter in der Region die Abholung von Küchenresten ein und folgt damit dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz des Bundes. Der Kreis Göppingen führt also genauso wie die Stadt Stuttgart nun sukzessive die Biotonne verpflichtend ein. Aber ohne große Überzeugung: „Wir sind alle nicht begeistert“, sagt Stähle. Denn nahe Göppingen steht seit 1975 ein Müllheizkraftwerk. Bis 2021 muss der Kreis dort jährlich mindestens 50 000 Tonnen Abfall anliefern; bis 2035 müssen es noch mindestens 40 000 Tonnen sein. Erst dann läuft die Vereinbarung zwischen dem Kreis und den Betreibern des 1996 privatisierten Müllofens aus. Voriges Jahr fielen laut Stähle 54 000 Tonnen an Hausmüll an. Damit hat der Stauferkreis in der Region nach Stuttgart mit Abstand das höchste Restmüllaufkommen.

Ein Drittel davon, das hatte eine repräsentative Bürgerbefragung im Kreis ergeben, seien Bioabfälle. Daran gemessen setzt man sich bescheidene Ziele. Maximal 7000 bis 10 000 Tonnen Biomüll werde man einsammeln können, schätzt Stähle, und das werde man erst in einigen Jahren erreichen. Von Juli bis Dezember kalkuliert der AWB lediglich mit 1250 Tonnen. Nächstes Jahr werden 3000 Tonnen erwartet.

Im Kreis Göppingen kommt der Biomüll allerdings nicht in die Tonne, sondern in die Tüte. Die Beutel fassen 7,5 Liter oder 15 Liter. Sie kosten im Zehnerpack 2,50 und fünf Euro. Die Tüten werden wöchentlich abgeholt und vor der Verwertung des Biomülls mechanisch abgetrennt. So hält es der Ostalbkreis bereits seit mehr als 20 Jahren. Göppingen wollte sich so die Anschaffungs- und Verwaltungskosten für die braune Tonne sparen. In Stuttgart, wo gut ein Drittel der Haushalte schon jetzt Küchenabfälle sammelt, kostet die Umsetzung der Biotonnen-Pflicht immerhin 8,8 Millionen Euro. Zudem, so Stähle, hätten bei der Befragung viele Bürger eine weitere Abfalltonne abgelehnt. Im Stauferkreis haben Tüten ohnehin Konjunktur. Auch der Verpackungsmüll wird – wie in der Landeshauptstadt – in großen Plastiksäcken gesammelt.

Biomüll-Spitzenreiter in der Region sind die Kreise Böblingen und Rems-Murr. Die beiden betreiben – in Leonberg und in Backnang-Neuschöntal – auch eigene Vergärungsanlagen. In der Leonberger Anlage werden jedes Jahr 32 500 Tonnen an Bioabfällen zu 4,2 Millionen Kubikmeter Biogas vergoren. Blockheizkraftwerke erzeugen daraus nach Angaben des Landratsamts 8,4 Millionen Kilowattstunden Strom. Mit der Wärme wiederum werden die Gärreste getrocknet.

In Backnang-Neuschöntal werden jährlich 34 000 Tonnen Biomüll plus 7000 Tonnen Grünabfälle zu Biogas vergoren. Davon werden zwei Blockheizkraftwerke gespeist, die nach Angaben der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Rems-Murr-Kreises 10,7 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. 1,4 Millionen Euro erlöst die AWG durch den Stromverkauf. Damit deckt sie immerhin die Hälfte der Betriebskosten. Die Wärme trocknet in der benachbarten Kläranlage den Klärschlamm. Böblingen, wo 1994 als erster Kreis in der Region die Biotonne eingeführt worden ist, kooperiert überdies mit dem Kreis Esslingen. An dem 20 Jahre alten Kompostwerk in Kirchheim unter Teck hält der Kreis Böblingen 20 Prozent der Gesellschafteranteile: Dort werden die Gärreste zu Kompost verarbeitet. Auch Stuttgart liefert seine Küchenabfälle nach Kirchheim – noch. Die Stadt will bis 2017 in Zuffenhausen für 16 Millionen Euro eine eigene Vergärungsanlage bauen. Dort sollen zunächst 17 500 Tonnen, später doppelt so viel Biomüll pro Jahr verarbeitet werden.

Der Nachbarkreis Ludwigsburg, der ebenfalls eine Vergärungsanlage plant, hätte gerne mit den Stuttgartern gemeinsame Sache gemacht. Doch die lehnten und lehnen eine Beteiligung der Ludwigsburger an ihrer Anlage ab. „Eine Kooperation erscheint derzeit unrealistisch“, teilt die Sprecherin der Abfallwirtschaft Stuttgart mit. Deshalb sucht die Abfallverwertungsgesellschaft des Kreises Ludwigsburg (AVL) per Ausschreibung ihrerseits einen Investor, der eine solche Anlage bauen und betreiben möchte.

Mittlerweile wird verhandelt. Wenn alles gut gehe, sagt der AVL-Chef und Vizelandrat Utz Remlinger, könne man bis März entscheiden, welcher Bieter für welchen Standort den Zuschlag erhält. Weil die Anlage bis zu 40 000 Tonnen Bioabfälle vergären können soll, Ludwigsburg aber nur 23 000 Tonnen liefert, hätte Stuttgart aus Remlingers Sicht auch die Möglichkeit, auf die Zuffenhäuser Anlage zu verzichten.

Ludwigsburg hat in der Region das wohl komfortabelste und gerechteste Müllsystem. Per Chip wird jede Mülltonne bei der Leerung erfasst. Wer seine Tonnen oft leeren lässt, zahlt also mehr als der, der die Plastikbehälter selten an die Straße stellt. Bis 1997 zahlten die Ludwigsburger ihren Müll indes pauschal je nach Haushaltsgröße. Mit der Einführung der Behälterchips sparten sich viele die Biotonne: 1996 hatte die AVL noch 40 000 Tonnen Biomüll eingesammelt, fast doppelt so viel wie danach.

Im Kreis Ludwigsburg liebäugelt man deshalb sogar damit, bei der braunen Tonne ganz auf Gebühren zu verzichten – wie es der Rhein-Neckar-Kreis vorgemacht hat. Vorerst begnügt man sich indes mit einem Preisnachlass. Müssen die Bewohner der 39 Kreisgemeinden für den Restmüll seit dem 1. Januar acht Prozent mehr als bisher berappen, ist die Leerung der Biotonne nur noch halb so teuer. Statt einem Euro zahlt man nur noch 50 Cent.

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