Fast zu kuschlig um wahr zu sein: Der Biber auf der Möglingshöhe. Foto: Umweltzentrum Schwarzwald-Baar-Neckar

Der Biber ist zurück und dies in Stadt- und Menschennähe. Seit dem späten Frühjahr hat sich ein Biberpärchen in Schwenningen eingenistet und zieht seitdem etliche Schaulustige und Biberfreunde an.

VS-Schwenningen - "Nachdem der Biber im 19. Jahrhundert fast vollständig ausgerottet worden war, ist er jetzt nun endlich wieder flächendeckend zurück. So auch in Schwenningen im Möglingssee", sagt Michael Rüttiger, Biberexperte des Umweltzentrum Schwarzwald-Baar-Neckar. "Doch der Biber ist nichts Neues im Schwenninger Stadtgebiet. Schon im letzten Jahr war er in der Umgebung aktiv, damals am Neckartower. Wenn Biber zwei Jahre alt sind, werden sie von ihrer Mutter rausgeschmissen und müssen sich dann ein eigenes Revier suchen", erläutert er. Die höchst territorialen Tiere haben sich daraufhin wohl auf den Weg an den Möglingssee gemacht. Dass sie noch jung seien erkenne man daran, dass sie noch nicht vollständig ausgewachsen sind, erzählt Rüttiger weiter.

 

Der Biber ist ein Vegetarier

Doch was macht das ehemalige Landesgartenschaugelände so attraktiv für die Tiere? Der ursprüngliche Baggersee ist auf der einen Seite von Gräsern und Weiden umgeben, die perfekte Nahrungsquelle für den Pflanzenfresser. Normalerweise spezialisiert sich der Biber im Sommer eher auf Kräuter, Wurzeln von Wasserpflanzen und Blätter. Weshalb der Biber jetzt dennoch Bäume fällt, liegt daran, dass "es wenige krautige Pflanzen direkt im Park gibt", meint Rüttiger.

Die gefällten Weiden seien dennoch kein Nachteil für den Park, im Gegenteil. Die Weiden würden durch den Biber natürlich gestutzt und treiben anschließend kräftiger und gesünder wieder aus. Auch größere Äste, welche in den See fallen bringen Positives mit sich. Durch die Äste wird über dem Wasser ein natürlicher Schutzraum für Fische zum Laichen hergestellt. Dadurch wird der Laich weitestgehend vor Kormoranen geschützt, so Rüttiger. Auch für den Klimaschutz bringt der Biber viele Vorteile mit sich. Durch seine Angewohnheit Dämme zu bauen, wie es in Schwenningen jedoch nicht der Fall ist, hält er umliegende Wiesen feucht. Weswegen er sehr in Naturschutz- und Landschaftspflegekreisen beliebt ist.

Eingang zum Biberbau unter Wasser

Bäume, die geschützt werden wollen, können mit einer sogenannten Drahthose umfasst werden. Dadurch findet der Biber keinen Platz zum Nagen und die Bäume bleiben stehen.

Die abgeholzten Bäume erhalten auch beim Biber selbst eine vielseitige Anwendung. Die Rinde des Weichholzes frisst er genauso wie die Blätter. Das Holz jedoch kann er nicht verdauen und benutzt es deshalb zum Bauen seiner Biberburg. Der Eingang dieser Burg liegt unter Wasser, damit der Biber bei Gefahren schnell sich in Sicherheit bringen kann. Von dem Eingang aus folgt dann unter der Erde ein Biberbau. Wegen dem flachen Ufer an der Möglingshöhe kann der Bau in diesem Fall nicht komplett unterirdisch liegen, weswegen die beiden Biber sich eine Burg darauf gebaut haben.

Immer mehr Tiere in der Stadt

Dabei sei es eine Seltenheit, dass der Biber so zutraulich ist, berichten Experten. Von Natur aus sind diese Tiere nämlich eher scheue Wesen. Wegen der immer größeren Verbreitung der Territorien jedoch bleibt dem Biber keine andere Möglichkeit mehr als in Stadtnähe zu kommen. Wobei Tiere in Stadtnähe in den vergangenen Jahren immer häufiger vorkommen. Das liegt zum einen an dem ganzjährigen Nahrungsangebot und zum anderem auch an den milderen Klimabedingungen, wie die Uni Freiburg 2020 veröffentlichte.

Ferner stelle der Biber selbst keine Gefahr für den Menschen da. Worauf Hundebesitzer jedoch achten sollten, ist, dass keine Hunde, während die Biber Junge haben, in die Nähe der Biberburg kommen. Denn die Biber werden ihre Brut verteidigen. Aber das sollte in Schwenningen kein Problem sein, da im ganzen Gelände Leinenpflicht herrscht.

Teilweise wurden ihnen schon Namen gegeben

Bei den Besuchern sind die Biber jedenfalls sehr beliebt: Teilweise wurden ihnen schon Namen gegeben, erzählt Rüttiger. Die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere sind gegen Abend am besten von der anderen Uferseite aus zu beobachten. Doch sollte es dabei auch nur beim Beobachten bleiben, denn der Biber ist streng geschützt. Er darf nicht gefangen, gestört oder getötet werden, und auch die Biberburg darf nicht zerstört oder beschädigt werden.