Der Balinger Journalist Julius Tröger ist ausgezeichnet worden. Foto: Piket

Interview: 31-Jähriger überzeugt Jury mit datenjournalistischen Projekten. Karriere des Wahl-Berliners beginnt beim Schwarzwälder Boten.

Balingen/Berlin - Er hat beim Schwarzwälder Boten gelernt, jetzt mischt er für die "Morgenpost" Berlin auf: Der gebürtige Balinger Julius Tröger wurde von der Zeitschrift "Medium-Magazin" in der Kategorie Regional zum Journalisten des Jahres 2014 gewählt. Der Datenjournalist überzeugte die Jury mit seinen interaktiven Grafiken zur Feinstaubbelastung, zu Mietpreisen und Wahlergebnissen. Die Auszeichnung erhält er am 23. Februar, zusammen mit journalistischen Größen wie Kurt Kister oder Georg Mascolo.

Wir haben mit Tröger gesprochen – über seinen Erfolg, seine Träume und die alte Heimat Balingen.

Was bedeutet die Auszeichnung als "Journalist des Jahres 2014" in der Kategorie Regional für Dich?

Unsere Geschichten gibt es nur im Internet. Wir erzählen sie auf eine Art und Weise, wie es in der Zeitung nicht möglich ist. Dass diese Form des Journalismus nun nicht nur bei den Lesern, sondern auch bei einer Fachjury gut ankommt, freut mich riesig.

In der Begründung der Jury heißt es: "Tröger setzte 2014 datenjournalistische Impulse wie kein anderer." Kannst Du erklären, was Datenjournalismus ist?

Wir nutzen Algorithmen für die Recherche in großen Datenmengen. So kommen wir an Nachrichten, die wir mit herkömmlichen Methoden nie hätten finden können. So konnten wir zum Beispiel Hunderte Flüge nachweisen, die ohne Passagiere von  einem Flughafen in Berlin zum anderen geflogen sind.

Wo und wie hast Du die technischen Fertigkeiten gelernt, die für Deine Arbeit notwendig sind?

Ich habe schon früher in der Schule an der Seite www.bl-bilder.de mitprogrammiert. Das war ein Online-Jugendmagazin für den Zollernalbkreis. Eigentlich wollte ich immer Programmierer werden. Dann hat es mich in den Journalismus verschlagen. Heute studiere ich neben dem Job noch berufsbegleitend Informatik. So bringe ich beide Seiten zusammen.

Wie findest Du Deine Themen?

In Berlin passiert so viel, da gehen die Themen nicht so schnell aus. Wir versuchen vor allem, Nachrichten nicht nur auf Berlin herunterzubrechen, sondern auf jeden einzelnen Berliner. Wo kann ich mir die Miete mit meinem Gehalt noch leisten? Wie wurde bei der Bundestagswahl in meinem Wahllokal abgestimmt? Ist die Feinstaubbelastung in meiner Nachbarschaft zu hoch?

Was macht Dir besonders Spaß an Deiner Arbeit? Was schmeckt Dir weniger?

Ich liebe meinen Beruf. Man hat mit so vielen verschiedenen, spannenden Menschen und Themen zu tun. Das ist ja in Balingen nicht anders als in Berlin. Was mich nervt: Viele Behörden und Pressesprecher mauern, wenn sie die manchmal sehr technischen Anfragen von uns bekommen. Da müssen wir immer sehr viel Überzeugungsarbeit leisten, um an entsprechende Informationen zu kommen.

Was sind Deine beruflichen Ziele und Träume?

Am liebsten möchte ich genau so wie jetzt weiterarbeiten. 2012 habe ich in New York gearbeitet. Das würde ich gerne nochmal wiederholen. Vielleicht gehe ich dieses Jahr noch einmal in die USA zum Arbeiten.

Wie blickst Du, jetzt im großen Berlin, auf Deine Zeit beim Schwarzwälder Boten zurück? Was verbindet Dich noch mit der Zeitung, bei der Du Deine journalistische Laufbahn begonnen und von 2004 bis 2007 gearbeitet hast?

Die Kollegen der Balinger Redaktion haben mich für den Journalismus begeistert. Dort und in der Mantelredaktion in Oberndorf habe ich sehr viel gelernt. Ich lese heute noch regelmäßig den Balingen-Teil online und als E-Paper.

Kommst Du gelegentlich noch mal ins Ländle? Und wenn ja: Was magst Du hier besonders, was also vermisst man dort oben in Berlin?

Am meisten vermisse ich meine Familie. Ich komme sie ein bis zwei Mal im Jahr besuchen – und andersherum. Ich liebe Berlin, freue mich aber auch immer wieder auf Heselwangen, die Ruhe und die gute Luft dort.

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