Nach nur einem Jahr schließt Anja Schmid die Türen ihres Ladengeschäfts am Oberndorfer Bahnhof. Doch es gibt bereits einen neuen Mieter. Wir haben nachgefragt.
Es ist beschlossen: Am 26. November wird Anja Schmid ihr „Bahnhoflädle“ im Erdgeschoss des ehemaligen Oberndorfer Bahnhofgebäudes schließen. Dabei hatte sie erst vor einem Jahr eröffnet. Wir haben mit ihr, der Stadt und den Vermietern gesprochen und gefragt, was passiert ist und wie es weitergeht.
Im Frühjahr 2021 erwarben die beiden Investoren Timo Harpain und Felix Hofmann das Gebäude von der Stadt. Es folgte eine umfangreiche Sanierung – knapp eine Million Euro floss in das Gebäude. Es sollten Wohnungen und Bürofläche entstehen. Und im Erdgeschoss wollten sie eine Markthalle betreiben.
Schmid bekam Wind von dem Projekt, suchte den Kontakt und traf mit ihrem Konzept auf offene Ohren. Ihre Vision: eine Markthalle, in der auserlesene, qualitativ hochwertige, regionale Produkte direkt vom Erzeuger angeboten werden. Dazu ein Ort der Zusammenkunft, an dem die Möglichkeit besteht, das tägliche Vesper oder eine Tasse Kaffee bei einem netten Gespräch gemütlich vor Ort zu genießen. „Das war schon immer mein Traum“, erzählt die 33-Jährige. Nun sehe sie sich allerdings durch die geschäftliche Entwicklung gezwungen, ihr Geschäft zu schließen.
Sie habe zwar viele treue Kunden gewonnen und ihr Angebot an Geschenkkörben mit regionalen Produkten sei insbesondere bei Firmen sehr beliebt. Aber die fehlende Laufkundschaft und die damit verbundenen Umsatzeinbußen, bedingt durch die andauernden Bauarbeiten auf der Gäubahn, seien nicht zu ignorieren.
Hinzu kommt, dass die allgemeinen Lebenshaltungskosten in den vergangenen Monaten massiv gestiegen sind. Anbieter höherpreisiger Produkte des täglichen Lebens sehen sich vielerorts mit einer geminderten Kaufkraft konfrontiert. Und auch bei ihr habe sich das bemerkbar gemacht. „Viele müssen heute schauen, wo sie sparen können“, meint Schmid dazu verständnisvoll. Und so ist es am Ende ein Zusammenspiel mehrerer unglücklicher Faktoren, die sie zu dem Schritt bewegen.
Stadt bietet Unterstützung
„Es ist bedauerlich. Ich habe das Konzept als gut und wertig empfunden“, meint Oberndorfs Bürgermeister Matthias Winter zu der bevorstehenden Ladenschließung. Er sei überzeugt, dass das Konzept einer Markthalle für regionale Produkte grundsätzlich einen Mehrwert für die Bürger biete.
Wie es weitergehe, könne er noch nicht sagen. Eine spannende Frage, denn schließlich hatte die Stadt den Verkauf des Gebäudes an das Konzept gebunden und sich ein Rückkaufsrecht vorbehalten, sollte dieses nicht eingehalten werden. Er betont: „Wir sind in sehr guten Gesprächen mit den Eigentümern.“ Man sei insgesamt zuversichtlich und die Stadt biete ihre Unterstützung an, erzählt Winter.
Investor Felix Hofmann bestätigt, dass ein längerfristiger Leerstand der Räumlichkeiten nicht zu befürchten sei. Man habe zwischenzeitlich mit mehreren Interessenten verhandelt. Einer von ihnen habe zwischenzeitlich einen Mietvertrag unterschrieben und wird die Räumlichkeiten ab dem 1. Januar 2024 übernehmen. Zum genauen Konzept könne er sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht äußern, das werde man zeitnah vorstellen.
Auch Schmid weiß nicht, was ihr Nachfolger vorhat. „Vergangene Woche war der zukünftige Mieter da und hat sich alles genau angesehen“, erzählt sie. Leider habe er kein Interesse an ihrer Einrichtung gehabt. Nun hofft sie jemanden zu finden, der ihre Möbel übernimmt.
Für sie selber bedeute das Ende des Ladengeschäfts jedenfalls nicht das Ende. „Ich werfe nicht das Handtuch“, erklärt sie selbstbewusst. Bis zum 26. November habe ihr Geschäft wie gewohnt dienstags bis freitags von 8 bis 18 Uhr und samstags von 8.30 bis 13 Uhr geöffnet. Parallel werde sie sich verstärkt auf ihr Angebot an Geschenkkörben voll regionaler Produkte und das Catering-Geschäft konzentrieren. Momentan befinde sie sich auf der Suche nach einem geeigneten neuen Standort dafür.