Braunbärin Gaia zieht in den Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach. Das Foto zeigt sie im Juli 2020. Damals wurde das Tier betäubt, um ihm ein Funkhalsband anlegen zu können. (Archivbild) Foto: Photo Autonomous province of Trento – Wildlife Department archives

Einige Monate werden noch vergehen, bevor es soweit ist, doch fest steht: „Problembärin“ Gaia wird in den Alternativen Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach umgesiedelt. Bei den Verantwortlichen hält sich die Begeisterung in Grenzen.

Für die meisten der Bären, die im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach untergebracht sind, dürfte das Leben dort um einiges besser sein, als alles andere, was sie zuvor gekannt haben.

 

Der Umzug in den Park stelle für Zirkus- und Zoobären eine deutliche Aufwertung ihrer Lebensumstände dar, sagt Christopher Schmidt, Pressesprecher der Stiftung für Bären, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Im Fall von Gaia ist das nicht so. Die Braunbärin, Kennzeichnung JJ4, die vergangenes Jahr einen 26-jährigen Jogger im Wald in Italien getötet hatte, soll im Schwarzwald ebenfalls eine neue Heimat finden. Gaia ist die Schwester von „Problembär“ Bruno, der 2006 in Bayern erschossen wurde, und Tochter von Jurka, die bereits im Alternativen Wolf- und Bärenpark lebt.

Lebensraum wird deutlich kleiner ausfallen

Doch vor allem ist Gaia ein Wildtier. Ihr bisheriges Leben verbrachte sie umherwandernd auf einer weitläufigen Fläche zwischen 500 und 1000 Quadratkilometern. Ihr zukünftiger Lebensraum wird deutlich kleiner ausfallen.

„Gerichtlich verordnet wurde, dass Gaia weder ausgewildert noch eingeschläfert wird“, erklärt Schmidt die Situation. „Für sie ist das die Höchststrafe“, hebt er hervor. Das Wildtierschutzprojekt habe keinen Einfluss auf die Entscheidung gehabt, sondern nehme lediglich die Rolle des Vermittlers zwischen Politik und Forstbehörde ein. „Für ein Wildtier ist das die schlimmste Entscheidung überhaupt“, schiebt Schmidt rasch hinterher.

Fünf Auffangstationen für Bären in Deutschland

„Wir freuen uns nicht, dass sie in den Alternativen Wolf- und Bärenpark zieht, da sie zuvor nicht schlecht gelebt hat. Wir können nur Schadensbegrenzung betreiben.“ Im Wildtierschutzprojekt gebe es einen großen Erfahrungsschatz und so sei die Unterbringung in Bad Rippoldsau-Schapbach „das geringste Übel“ für Gaia. Die vergangenen Monate seit dem Angriff verbrachte die Bärin bereits in Gefangenschaft im italienischen Trentino.

Auch andere Stationen – beispielsweise in Rumänien – zeigten laut Schmidt Interesse daran, Gaia aufzunehmen. In Deutschland gibt es insgesamt fünf Auffangstationen für Bären, den Park in Bad Rippoldsau-Schapbach eingeschlossen.

Eine komplett neue Anlage muss errichtet werden

Wann der Umzug von Italien nach Deutschland letztendlich erfolgt, ob Ende 2024 oder erst 2025, ist derzeit noch unklar. Bis es soweit ist, muss im Park nämlich noch eine komplett neue Anlage errichtet werden.

Aufgrund der dynamischen Entwicklung des Parks hinsichtlich des Platzbedarfs zur Unterbringung von Tieren in artgerechter Form und der Besucherzahlen, wird bereits seit längerem an einer Erweiterung gearbeitet. Zwölf Hektar umfasst das Gelände aktuell. Auch ein Parkhaus ist in Planung. Darüber wurde in der April-Gemeinderatssitzung beraten.