145 Jahre Tradition enden: Volker Jansa hat seine Bäckerei in der Königsfelder Ortsmitte geschlossen. Nicht wegen einer Insolvenz oder eines Lottogewinns – so viel verrät ein Aushang. Aber warum dann? Das erklärt Jansa im Gespräch mit unserer Redaktion.
Bäckermeister Volker Jansa ist so erholt wie lange nicht. Er war im Urlaub – zum ersten Mal seit mehr als 15 Jahren, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt. Lange Zeit hatte er auf diesen Luxus verzichtet, damit seine Bäckerei in der Königsfelder Ortsmitte geöffnet bleiben konnte. Nun, nach mehr als 20 Jahren als Inhaber und insgesamt 145-jähriger handwerklicher Tradition im Kurort, hat Jansa die Reißleine gezogen: Bereits seit Ende Juni sind bei der Bäckerei die Schotten dicht, wie leuchtend gelbe Aushänge in den Schaufenstern erklären.
„Um Spekulationen vorzubeugen, möchten wir betonen, dass es sich bei der Schließung weder um eine Insolvenz noch um einen Lottogewinn handelt“, heißt es dort. Stattdessen seien es die „aktuellen politischen Strukturen“, welche den Betrieb vor „erhebliche Herausforderungen“ stellen. Er habe sich entschlossen, seinen Betrieb zu schließen, „weil ich keine Zukunft mehr darin gesehen habe“, sagt der Bäckermeister. Bürokratie, Verwaltungsaufwand, Auflagen und Kontrollen – all das habe sich in den vergangenen 20 Jahren vervielfacht, kritisiert Jansa, der die gleichnamige Bäckerei seit 1992 führte. „Da wollte ich einfach nicht mehr mitmachen.“
„Ein ganz schwerer Schritt“
Auch auf den Aushängen am Gebäude der Bäckerei in der Königsfelder Ortsmitte macht Jansa seinem Ärger Luft: „Die anspruchsvolle Arbeit, der wir uns tagtäglich widmen – sechs Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr, nächtliche Schichten ab 23 Uhr und kein Urlaub – sollte nicht nur dem Staat durch Steuern und Abgaben zugute kommen.“
Es ist Frust, der sich über Jahrzehnte angestaut hat. Nun entlädt er sich in der Schließung der Bäckerei – „ein ganz schwerer Schritt“, betont Jansa. Schließlich habe er all die Jahre die Hoffnung gehabt, dass die Lage wieder besser wird. Stattdessen kam im Frühjahr der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Energiekrise, hohe Strompreise und aus Jansas Sicht die fehlende Unterstützung vonseiten der Politik – nicht nur auf Bundes- und Landes, sondern auch auf kommunaler Ebene, wie er sagt. Dann macht ihr mal weiter so, habe er sich gedacht, „aber ohne mich“.
Gebäude soll verkauf werden
Gesagt – und schweren Herzens auch getan. Mit 62 Jahren setzte Jansa sich zur Ruhe und schloss seine Bäckerei in Königsfeld. Seitdem ist in den Gebäude an der Ecke Rotwald- und Hermann-Voland-Straße Ruhe eingekehrt. Jansa, dem das Gebäude gehört, will es gerne verkaufen.
Neuer Eigentümer gesucht
Interessenten gab es schon, sagt Jansa – auch Berufskollegen, die an dem Standort wieder eine Bäckerei eröffnen sollten. Doch bislang wurde daraus nichts. Das umstrittene Heizungsgesetz und andere Vorgaben würden die Sanierung Jansa zufolge so sehr verteuern, „dass es einfach nicht zu stemmen ist“. Er ist daher weiterhin auf der Suche nach einem neuen Eigentümer für das Gebäude in der Königsfelder Ortsmitte, wo die handwerkliche Tradition der Bäckerei Jansa nach fast anderthalb Jahrhunderten ein jähes Ende fand.