In dem neu geschaffenen Auerhahn-Biotop informieren sich die Beteiligten (von links): Alexander Knapp und Karlheinz Becker (Jagdpächter), Michael Gues, Matthias Mohaupt (Freiburg), Klaus Mack sowie Elke Marko (Wildberg). Im Vordergrund ist ein balzender Auerhahn zu sehen, der 1963 geschossen wurde. Gues hat diese Jagdtrophäe erworben. Foto: Fotos: Bechtle

Der Auerhahn ist der größte Hühnervogel Europas. Doch er ist vom Aussterben bedroht. Mit einem neuen Schutzgebiet auf dem Dietersberg im Bad Wildbader Stadtwald soll jetzt ein Standort für das Auerwild geschaffen werden.

Bad Wildbad - Jeder Waldbesucher oder -wanderer freut sich, ein Tier des Waldes in freier Wildbahn zu sehen. Beispielsweise Eichhörnchen! Kein Wunder, es gibt viele. Anders ist es beim Rot- und Rehwild, das sich im Wald zurückzieht. Vom Schwarzwild sieht man meist nur das Ergebnis ihrer Nahrungssuche: zerstörte Wiesen oder Sportplätze.

Ein Tier, das zwar jeder kennt, das man aber kaum zu Gesicht bekommt, ist der Auerhahn. Es ist der größte Hühnervogel Europas, jedoch hat sich sein Bestand in den vergangenen Jahrzehnten stark verringert. Große Bestände findet man noch in Nordeuropa und im Norden Russlands. In Zentraleuropa ist das seltene Auerhuhn nur noch in den Mittelgebirgen und in den Alpen in kleinen "Inselpopulationen" anzutreffen. "Der Bestand im Schwarzwald hat in den letzten fünf Jahren so stark abgenommen, dass das Überleben der Population auf Messers Schneide steht", heißt es in einer Informationsbroschüre des Vereins Auerhuhn im Schwarzwald. Dort gibt es, so die Aussage von Fachleuten, noch ungefähr 115 Auerhähne und etwa 100 Auerhühner. Das Auerhuhn ist streng geschützt und darf nicht bejagt werden.

Das Forstamt Bad Wildbad habe auf seinen Hochlagen eine besondere Verantwortung für die vermutlich letzten Auerhühner im Landkreis Calw, so Michael Gues, Forstrevierleiter und Hegeringleiter Auerwild der Kreisjägervereinigung Calw. Er ergänzt: Da die Stadt Bad Wildbad bereits Flächen auf dem Sommerberg als Wildtierschutzgebiet umgesetzt habe, sei sich die Stadt ihrer besonderen Verantwortung für die seltenen Vögel durchaus bewusst.

Gues weiter: "Die Umsetzung einer Biotopfläche für Auerwild setzt ein Zusammenspiel vieler Akteure voraus, so müssen sich die Forstverwaltung des Landkreises Calw für die Planung der forstlichen Maßnahmen, der Verein Auerwild im Schwarzwald als Koordinationspartner für Fördergelder und die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt für die wissenschaftliche Begleitung mit dem Waldbesitzer einig werden." Dazu käme das ehrenamtliche Engagement der Jägerschaft, die bei der Maßnahme tatkräftig mithelfen könnte.

Bereich umfasst Fläche von 5,7 Hektar

Deshalb trafen sich jetzt auf dem Kaltenbronn die Vertreter der genannten Institutionen: neben Gues Matthias Mohaupt vom Verein Auerwild im Schwarzwald (Freiburg), Elke Marko, Kreisjägermeisterin Calw, die Jagdpächter Karlheinz Becker und Alexander Knapp, sowie Bürgermeister Klaus Mack. Mit dem Auto ging es dann zu einer bereits vorbereiteten Auerwildfläche auf dem Dietersberg, die Teil des Bad Wildbader Stadtwaldes ist. Der Auerhuhnwald braucht lebendige Nadelwälder, offene Strukturen zum Durchfliegen schützende Baumkronen und eine reiche Bodenflora mit Heidelbeeren, Preiselbeeren und Himbeeren sowie Kräutern und Insekten.

Der gesamte Bereich, der als Standort für Auerwild vorgesehen ist, umfasst eine Fläche von 5,7 Hektar und wurde nach der Zerstörung durch den Orkan Lothar (1999) nicht speziell aufgeforstet, sodass hier Freiflächen, Gebüsch, Kiefern und Fichten zu finden sind und außerdem Heidelbeeren wachsen. Hier befindet sich, nahe der Landkreisgrenze zum Kreis Rastatt, der höchste Punkt des Landkreises Calw mit 940 Metern Meereshöhe. Gues zeigte dazu eine Luftbildaufnahme, auf der die geplanten Maßnahmen dargestellt werden.

Heidelbeeren, so ein Teilnehmer, sind die "Kokosnuss" des Waldes für das Auerwild, das während der Beerenreife Unmengen an Heidelbeeren frisst. Weiter dienen Kiefernnadeln, Blätter der Heidelbeeren, Insekten vor allem für Auerwildküken, Kräuter und Knospen an Pflanzen zur Ernährung der Auerhühner.

Jäger und Wanderer müssen während Balzzeit draußen bleiben

Wie stellt man fest, dass sich das Auerwild hier niederlässt? Natürlich dürfen sowohl die Jäger als auch eventuelle Wanderer während der Balzzeit diese Bereiche überhaupt nicht betreten. Gegen die "Feinde" des Auerwilds, Fuchs, Marder und Habicht, kann man allerdings nichts unternehmen. Funde von Federn sowie der Kot des Auerwilds zeigen die Nutzung durch Auerhühner an. Da das Auerhuhn ein "konservativer" Vogel ist, man spricht von "Kulturflüchter", wird er in diesem geeigneten Gebiet bleiben – zumindest hofft man dies. Im Winter sind dies außerdem wichtige Ruheräume der Tiere, deshalb werden hier keine Loipen gestattet, sodass die meist auf Bäumen überwinternden Tiere nicht gestört werden. Lediglich bei starkem Frost suchen sie das Gestrüpp auf, um besser geschützt zu sein.

Alle Teilnehmer der Infoveranstaltung bezeichneten es als Glück, diesen Vogel hier wieder heimisch werden zu lassen. Mack wies auf die Verantwortung derer hin, die sich im Wald bewegen, dass sie nämlich auf den Wegen bleiben, schließlich stehen Tierwohl und Naturschutz im Vordergrund. Elke Marko sprach von einer spannenden Herausforderung, Tourismus und Auerwild hier zu haben, obwohl die Auerhühner kaum zu sehen sind. Eine Sensation wäre es auf jeden Fall. Außerdem soll die Auerhahnfläche ein Vorbild für andere Schwarzwaldgemeinden sein.

Damit nicht nur über Auerhühner gesprochen wurde, hatte Gues eine von ihm erworbene Jagdtrophäe eines balzenden Auerhahns aufgestellt, der 1963 geschossen wurde. Sozusagen als Wunschbild für die Zukunft.

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