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Bad Wildbad Wolf: Betroffene enttäuscht von Diskussion

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Der Wolf war Thema einer Infoveranstaltung, zu der das baden-württembergische Umweltministerium in der Bad Wildbader Trinkhalle eingeladen hatte. Foto: Mutscheller

Bad Wildbad - Dass die "Informationsveranstaltung zum Thema Wolf", zu der das Umweltministerium in die Trinkhalle in Bad Wildbad (Kreis Calw) geladen hatte, nicht als offene Diskussion durchgeführt wurde, gefiel nicht jedem. "Das war unter aller Kanone, die wollen die Volksmeinung total flach halten", sagte Gernot Fröschle, der durch die Wolfsattacke am 30. April mehr als 40 Schafe verlor – durch diese Attacke kam die Diskussion um den Wolf in Baden-Württemberg erst so richtig in Fahrt.

Fröschle hätte sich eine öffentliche Diskussion gewünscht, "in der die Experten sofort auf der Bühne Rede und Antwort stehen". Genau das wollte das Umweltministerium aber offensichtlich nicht. "Das soll keine Plattform für Verbandssprecher sein", beschreibt es Frank Lorho, der stellvertretende Pressesprecher des Umweltministeriums. Jeder sollte die Chance haben, seine ganz persönlichen Fragen und Sorgen zum Ausdruck bringen zu können – im Gespräch mit Experten in kleiner Runde. "Viele trauen sich nicht, ihre Fragen in der Öffentlichkeit zu stellen", ist er überzeugt. Deshalb wurde die Veranstaltung auch mit erheblichem personellen Aufwand durchgeführt: 40 Mitarbeiter der Naturschutzverwaltung standen in drei Themenbereichen Rede und Antwort, um Fragen zu Wolf und Mensch, Wolf und Nutztierhaltung sowie "Was tut das Land Baden-Württemberg in Sachen Wolf?" zu beantworten.

"Seit viereinhalb Monaten enttäuscht"

Dieses Format passte Fröschle überhaupt nicht: "Ich bin enttäuscht. Aber so geht das seit viereinhalb Monaten." Er habe sogar kurz überlegt, die Veranstaltung frühzeitig zu verlassen.

Auch Hans-Jochen Burkhardt, Vorsitzender des Arbeitskreises Mutterkuhhaltung Nordschwarzwald/Gäu, war nicht zufrieden. Er mochte lieber "was ins Mikrofon sagen, das alle hören wollen. Dass man das nicht machen kann, ist für mich die Arroganz der Macht." Viele Leute seien direkt nach der Rede des Umweltstaatssekretärs Andre Baumann enttäuscht gegangen, behauptete Burkhardt.

Dennoch: Auch wenn die Veranstaltung anders ablief, als von manchem gedacht, nutzten viele die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch mit den Experten, und sogar kurz vor 22 Uhr, als der Staatssekretär die Trinkhalle verließ, "um den Nachtzug nach Berlin" zu bekommen, waren noch etliche Bürger da.

Eröffnet hatte die Veranstaltung Bürgermeister Klaus Mack (CDU), der in seiner Rede das "weitergab, was bei mir ankommt". "Der Wolfsangriff hat uns alle schwer schockiert", sagte Mack. Noch immer erinnere er sich an das "grausige Bild" auf der Weide. Sofort sei die Stadt mit Fragestellungen konfrontiert worden, "die wir gar nicht beantworten konnten". So hätten die Gäste gefragt: "Sind wir noch sicher?" Und als Vater frage er sich: "Man soll sich ja groß machen, wenn man einen Wolf sieht. Wie soll ich das meiner vierjährigen Tochter erklären?" Der Wolf als Raubtier wecke Sorgen und Ängste. Man dürfe nicht abwarten, sondern müsse handeln, solange man noch Herr der Lage sei, "bevor ganze Rudel um den Ort schleichen".

Bürger vor Ort sollen einbezogen werden

Das Wolfsmanagement koste sehr viel Geld. "Wir haben kaputte Schulen und marode Straßen. Dieses Geld könnten wir dringend woanders gebrauchen", sagte Mack unter dem Beifall der Anwesenden. Er wolle nicht, "dass wir in zehn bis 15 Jahren unsere Lebensweise ändern müssen", sagte er und hoffte, dass die Meinung der Bürger vor Ort in die Entscheidungen miteinbezogen werde.

"Manche von ihnen haben Sorgen und Nöte", sagte Umweltstaatssekretär Baumann in seiner Rede: "Wir wollen es sachlich machen, wollen ihnen zuhören, nichts beschönigen, aber auch keine Stimmung anheizen." Er stellte klar: "Das Umweltministerium Baden-Württemberg sehnt sich den Wolf nicht herbei, ich persönlich wünsche mir den Wolf nicht. Aber jetzt ist er nun mal da." Nun gehe es darum, das Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf zu organisieren. "Die Sorgen der Schäfer, Ziegen- und Weiderindhalter sind auch meine Sorgen. Wir wollen nicht, dass die Schwarzwaldtäler zuwachsen."

Viele Nutztierhalter stünden "mit dem Rücken an der Stallwand", deshalb seien die Fördersätze massivst erhöht worden. Er wies aber auch darauf hin, dass Herdenschutzmaßnahmen in Gebieten mit Wölfen unverzichtbar seien. "Nutztiere müssen wolfssicher eingezäunt werden", forderte er. Dies sei bei den Angriffen nicht der Fall gewesen.

Baumann forderte dazu auf, Schafe und Ziegen besser einzuzäunen. Es gebe genügend Rothirsche, Wildschweine und Rehe im Schwarzwald. "Der Wolf soll nicht lernen, dass es einfacher ist, Schafe und Ziegen zu reißen." Zäune müssten nicht nur hoch genug sein, sondern auch unter Strom stehen: "Der Wolf muss eine gebrezelt bekommen."

Dennoch werde man auch in Zukunft nicht alle Angriffe verhindern können. Und es sei auch nicht möglich, den Wolf einfach zu bejagen, ohne dass Gründe dafür vorliegen. Diese seien aggressives Verhalten oder wenn ein Wolf mehrfach ordnungsgemäß gesicherte Herden angreife. "Dann wird der Wolf entnommen, da werden wir nicht lange fackeln", versicherte er. Man sei bei dem Wolfsmanagement gut aufgestellt, aber nicht optimal. "Wir können immer besser werden." Deshalb lud er die Anwesenden zur Diskussion: "Wir wollen zuhören und unsere Hausaufgaben mit nach Stuttgart nehmen."

Baumann wurde mit höflichem Applaus bedacht. Das war ganz anders, als es in der Trinkhalle um den Nationalpark ging, und der damalige Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) regelrecht "niedergesungen" wurde. Im Gegensatz dazu lief es am Montagabend friedlich ab.

"Die Veranstaltung war intensiv, erwartungsgemäß bei dem Thema Wolf und Herdenschutz", zog Baumann sein Fazit kurz vor Veranstaltungsende. Er könne die Sorgen verstehen und "fand es gut, dass wir viele persönliche Gespräche führen und Experten vermitteln konnten". Er fand die "Intensität bei dem einen oder anderen Thema eindrucksvoll, aber das habe ich auch so erwartet".

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