So präsentiert sich der Wildbader Kurplatz in diesen Frühlingstagen, wo Badhotel (rechts) und Bären (links) zu den Rossini-Hotels der Familie Mokni geworden sind.Fotos: Schabert Foto: Schwarzwälder Bote

Heimatgeschichte: Stadtbrand vernichtet 1742 Schickhardt’sches Gotteshaus und 127 Wohnhäuser / Aufzeichnungen von Brachhold

Die Vorbereitungen zum Bau der evangelischen Stadtkirche in Wildbad liefen wohl im Sommer vor 275 Jahren auf Hochtouren. Der Neubau wurde nötig, weil die vorherige Kirche beim großen Stadtbrand vom 7. Juli 1742 abbrannte.

Bad Wildbad. Hermann Brachhold berichtet über den Baustart der evangelischen Stadtkirche in seinem 165-seitigen Druckwerk "Wildbad – die Kirche, die Stadt und ihre Bürger damals bis heute (1345–1988)": "Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 15. Oktober 1746 um 11 Uhr." Der von der Volkshochschule oberes Enztal 1989 herausgegebene Band hat den Untertitel: "Erinnerungen aus den letzten 60 Jahren." Die Forschungsergebnisse und Historie gehen aber weit darüber hinaus.

Notwendig machte den Kirchenneubau – den einzigen im Rokoko in Württemberg – im 18. Jahrhundert der sechste und weitaus schlimmste Stadtbrand vom 7. Juli 1742, bei dem nicht zum ersten Mal auch die Kirche ein Raub der Flammen wurde. Der Autor schreibt vom "schwärzesten Tag der Stadt und einer Brandkatastrophe ungeheuren Ausmaßes". Nur wenige Gebäude der oberen und unteren Vorstadt blieben verschont. In den Flammen unter gingen 127 Wohnhäuser, 24 Scheunen, die Schickhardt’sche Kirche aus dem Jahr 1662, das Rathaus und die Bäder. Für die Einheimischen und vielen Kurgäste verlagerte sich das kirchliche Leben in die Vorstadtkirche. Diese stand seit dem 15. Jahrhundert bis zu ihrem Abbruch 1844 ungefähr an dem Platz, wo sich heute das Technische Rathaus befindet.

Mit Abbruchsteinen des zuvor baufällig gewordenen Gotteshauses wurde das Verwaltungsgebäude ursprünglich als Schulhaus erstellt. Eine der Glocken vom Turm der Kirche wurde im Jahr 1845 nach Calmbach verkauft. Ins heutige Deutsch übersetzt trägt diese die Inschrift : "Auf den Sankt-Martins-Tag im Jahre des Herrn 1438." Die 583 Jahre alte Glocke heißt heute Brenz-Glocke. Seit mehr als 175 Jahren ruft sie inzwischen im Fünftälerort in die evangelische Kirche zum Gottesdienst oder erinnert ans Gebet.

Aus alten Dokumenten berichtet Brachhold von der "feyerlichen Legung des Grundsteins zu Wiedererbauung der evangelischen Herrschaftlichen Kirche in Wildbad" im Beisein einer großen Zahl namentlich genannter Honoratioren. In den Grundstein wurden nicht nur eine ganze Reihe Gold- sowie Silbermünzen gelegt. Auch je eine Flasche Rot- und Weißwein wanderten in diesen. Minutiös ist beschrieben, wie dann die "Balliers und Steinhauer" in einer Zeremonie alles mit einem Steindeckel verschlossen. Nach der Feier und dem Schlusslied "Nun danket all und bringet Ehr" führte der Weg nach schräg gegenüber zum gemeinsamen Mittagessen in das "Wirthshauß zum Bären".

Kirchsturm stürzt bei Bauarbeiten ein

Der Bau von 1746 bis 1748 nach Plänen von Oberbaudirektor Johann Christoph David von Leger (1701–1791) verlief, vor allem was den Kirchturm betrifft, nicht ohne Probleme. Durch Risse und Blähungen kündigte sich das Unheil an: Am 27. November 1748 stürzte der Kirchturm in sich zusammen. Überliefert ist zu den Hintergründen: "Die Maurer Barthlen und Lutzen hatten zuviel kleine Steine und mehr Erden als Speis verwendet. Sie haben sich der Strafe durch die Flucht entzogen." Die neue Kirche war schon genutzt am damals Marktplatz genannten Kurplatz, den samt der Umgebung ebenfalls von Leger gestaltete. In den Grundzügen hat sich das Bild bis heute im Wesentlichen erhalten, auch nachdem Nikolaus Friedrich von Thouret (1767–1845) das Königliche Palais durch das Badhotel ersetzte und zwischen 1839 und 1847 auch weitere Pläne von ihm vollzogen wurden.

Der Wiederaufbau der Kirche war mit der Turmerneuerung 1749 abgeschlossen, und sieht man von den Verschleißerscheinungen ab, die 2020 zutage traten (wir berichteten), steht der Turm seither fest und gefällig da. Glocken wanderten hinein, in Kriegsjahren zum Einschmelzen auch wieder heraus. Seit dem Tag der jüngsten Glockenweihe, dem 17. September 1950, läuten sie unter dem großen Tedeum: "Herr Gott Dich loben wir, Herr Gott Dir danken wir." Sanierungen, Renovierungen und Modernisierungen erhielten die Kirche mit dem hellen, ovalen Innenraum. Die letzte große Erhaltungsmaßnahme, die auch einer Sicherung des Fundaments galt, erfolgte 1988 mit einem Aufwand von 3,3 Millionen Mark. Die im Innern dabei aufgenommene ursprüngliche Farbgebung in Weiß, Blau und Gold wirkt freundlich vornehm.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: