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Bad Wildbad Vom Kurort zur Tourismusstadt

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Die "Zukunftswerkstatt Touristik" im Forum König-Karls-Bad war sehr gut besucht. Foto: Bechtle

Bad Wildbad - "Tradition heißt nicht Asche verwahren, sondern das Holz zum Brennen bringen!", betonte am Samstagmittag Alexander Seiz bei der "Zukunftswerkstatt Tourismus in Bad Wildbad", zu der Bürger der Stadt ins Forum König-Karls-Bad eingeladen waren.

Dass die Kurgast-Tradition spätestens seit den 1980er-Jahren nicht mehr besteht, weiß inzwischen jeder, der auch im weitesten Sinne mit dem Tourismus zu tun hat, sowohl in Bad Wildbad als auch in allen Kurorten Mitteleuropas.

Über 100 Teilnehmer beziehungsweise Tourismusinteressierte, auch aus den Nachbarorten, waren gekommen, um in der von Geschäftsführer Alexander Seiz von Kohl&Partner (Marken- und Tourismuskonzepte), Stuttgart geleiteten Veranstaltung Neues über die Belebung des Tourismus im Schwarzwald, speziell in Bad Wildbad zu erfahren und daran mitzuarbeiten. Nach der Begrüßung durch Klaus Mack mit der Frage "Wo liegt die Zukunft unseres Ortes?" wies er darauf hin, dass die Stadt ein zweites Standbein neben dem Sommerberg benötige.

Nur gemeinsam kann man Wünschen des Gastes entsprechen

"Wohlstand im Tourismus – ein Nachruf?" nannte sich ein Film, der den Gästerückgang der vergangenen Jahre und die damit verbundenen Veränderungen im Kleinen Walsertal deutlich machte im Sinne "Was gehen mich die Gäste an?". Seiz im Nachgang zu der sehr deutlichen Darstellung im Film: "Tourismus hat viele Partner: die Gemeinde, die Betriebe, die Einwohner und vor allem die Gäste". Und nur gemeinsam könne man den Wünschen des Gastes entsprechen, indem man die Gäste als Kunden sehe und positive Beziehungen aufbaue, denn: "Tourismus ist Begegnung!"

Die eindrucksvolle Powerpointdarstellung "Vom klassischen Kurort zur modernen Tourismusstadt", die Klaus Mack anschließend vorführte und kommentierte, machte deutlich, dass in Bad Wildbad in den vergangenen 25 Jahren bereits eine ganze Menge Veränderungen auf den Weg gebracht wurden, sowohl vom Staat, von der Stadt als auch von Investoren. Die sogenannte Kabinettsordre von 1824 durch König Wilhelm I. von Württemberg könne man heute (in modernem Deutsch) genauso anwenden wie damals, so Mack.

Reformen brachten Verlust von 1500 Arbeitsplätzen

Das Kurwesen in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts sei damals vom Staat bestimmt worden, im 1977 eröffneten Neuen Eberhardbad (2000 geschlossen) wurden bis zu 2500 Anwendungen pro Tag abgegeben, die Hotellerie hatte "dienende Funktion".

Doch Seehofers Gesundheitsreformen brachten den Absturz der Übernachtungszahlen mit dem Verlust von rund 1500 Arbeitsplätzen und dem Rückgang der Einwohnerzahl. Der Neuanfang hieß Meisterntunnel und Sanierung Stadtmitte (Fußgängerzone), Elektrifizierung und Weiterführung der Stadtbahn bis zum Kurpark, Neubau Sanakliniken, Quellenhof als Rehazentrum und Rommelklinik als Neustart für die medizinische Kompetenz. Ab 2006 neue Strategien für eine Stadt im Wandel: Kinderstadt, in Bad Wildbad alt werden, Stadtmarketingkonzept, schlanke Verwaltung, Teilkommunalisierung, Gründung Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald, Rossini-Festival, engagiertes Ehrenamt (Trinkhalle, Kurtheater), Landesakademie, Erweiterung Außenbereich Palais Thermal, Sanierung der Bergbahn und die folgende Entwicklung des Sommerbergs (Bikepark, Baumwipfelpfad, Märchenweg, Wildline, Abenteuerwald, Waldbadezimmer).

Mack zeigte aber auch die Negativentwicklung in der Wilhelmstraße (Leerstand) auf und das Hotelsterben; ebenso das Klimaschutzkonzept und die Entwicklung eines Kurzentrums Staatsbad 4.0 sowie neue innovative Werbe-Ideen, denn "Stillstand bedeutet Rückschritt". Deshalb, so Mack: "Positive Entwicklung nutzen, Ärmel hochkrempeln und weitermachen!"

In sechs Workshops Strategien angestoßen

In sechs unterschiedlichen Workshops wurden anschließend Strategien für einen zukunftsbezogenen Wildbad-Tourismus angestoßen. Jeder Workshop wurde von einem Insider sowie einem externen Fachmann geleitet. "Verkehrs- und Parksituation" (Leitung: Peter Sautter und Volkhard Leetz), "Wertschöpfung Einzelhandel" (Hartmut Feucht und Marina Lahmann), "Wertschöpfung Hotellerie" (Elke Schönborn, IHK Nordschwarzwald), "Gesundheitstourismus/Zukunft der Bädertradition" (Arne Mellert und Frank Rieg), "Die Marke Bad Wildbad und deren Vertrieb" (Corinna David und Stefanie Dickgiesser) sowie "Die Weiterentwicklung des Sommerbergs" (René Skiba und Andreas Wacker).

Nach einer Mittagspause mit Imbiss wurden den Tagungsteilnehmern die Ergebnisse und Überlegungen der verschiedenen Workshops vorgestellt und erklärt. Zwölf Flipcharts, zum Teil voll mit Meinungen, Empfindungen, Vorschlägen, Überlegungen, Darstellungen sowie Zusammenfassungen der verschiedenen Workshops zeigten, dass sich die Teilnehmer mit den vorgegebenen Themen sehr ausführlich beschäftigt hatten.

Einige Zusammenfassungen: Verbesserung der Verkehrsstruktur, positive Stimmung schaffen, mehr Herzlichkeit sowohl zu den Kunden als auch untereinander, Verbesserung der Servicekultur, Tradition weiter aufbauen, kurze Wege, einheitliche Öffnungszeiten anstreben, Wir-Gefühl entwickeln, Erschließung neuer "Achsen", zum Beispiel mit Kaltenbronn, Entzerrung des Gäste-/Besucherstroms, weitere Aufstiegshilfen zum Sommerberg, Auslastung der Hotellerie in schwächeren Zeiten durch besondere Angebote, größere Infotafeln am Ortseingang, Besucherlenkung, Willkommenskultur, Erkennungswert und Identifikation. Mit dieser exemplarischen Aufzählung wurden keineswegs alle Besonderheiten genannt, die sowohl die persönlichen als auch die sachlichen Bereiche betrafen.

Natürliche Angebote stärker in den Vordergrund rücken

Betont wurde in nahezu allen Workshops, dass die natürlichen Angebote (wie Thermalwasser, Trinkwasser, Luft, Wald, Natur oder Schwarzwald) viel stärker in den Vordergrund gerückt werden müssten, da das Bewusstsein der Menschen zur eigenen Gesundheit wachse.

Begeistert zeigten sich die externen Mitarbeiter in den Workshops über das bereits vorhandene breite Angebot für Gäste. So betonte der Geschäftsführer des Heilbäderverbands Baden-Württemberg Arne Mellert: "Sie haben ja schon fast alles!" Aber er mahnte auch, dass zu wenige am gemeinsamen Strang Tourismus zögen.

Den Abschluss der Zukunftswerkstatt machte Mack, der sowohl den Referenten und Helfern als auch allen Besuchern der Zukunftswerkstatt dankte: "Wir sind alle gefordert! Wir brauchen jedoch nicht nur die Einwohner, sondern auch den Staat und die Investoren." Man müsse nun Strategien auf den Weg bringen, die man im Frühjahr wieder einem großen Kreis vorstellen wolle, denn: "Wir wollen gestalten!"

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