Das Ehepaar Tania und Ulrich Wagner vor dem Eingang der früheren "Villa Elisabeth". Die Investoren wollen dort neue Wohnungen bauen. Foto: Bechtle Foto: Schwarzwälder Bote

Wirtschaft: Tania und Ulrich Wagner wollen nun die "Villa Elisabeth" auf Vordermann bringen / "Zufällig" im Enztal gelandet

Zu den "Neubürgern" und Investoren in Bad Wildbad gehören Tania und Ulrich Wagner, die "rein zufällig" ins Obere Enztal kamen und seit 2015 begeisterte Neu-Wildbader sind.

Bad Wildbad. 2013 ging Ulrich Wagner, damals in Ubstadt-Weiher wohnend und von Beruf Kaufmann, in den Ruhestand, der ihm viel zu ruhig erschien. Er fand die Rheinebene zu eben und suchte deshalb nach einem Bauplatz im Schwarzwald, den er in Bad Wildbad in der Alten Steige über das Internet fand. Der Platz wäre eigentlich prima gewesen, aber die Hanglage würde den Bau erheblich verteuern, erklärte Wagner. Außerdem wollte sein Sohn, der in Stuttgart lebt, doch nicht nach Bad Wildbad ziehen.

Wagner ging zum damaligen Stadtbaumeister Peter Jung-Teltschik, um nach einem geeigneten Bauplatz zu fragen. Etwas "Kleines" gebe es nicht, meinte der Chef des Stadtbauamtes, wies ihn aber auf das Gelände der früheren Fachklinik für Psychotherapeutische Medizin Bethel in der Charlottenstraße hin, deren Gebäude seit 2001 nicht mehr genutzt wurden und leer standen. Schmuckstück zwischen den in den 1970er-Jahren entstandenen Neubauten war die 1908 erbaute "Villa Stolzenfels". Ulrich und Tania Wagner waren begeistert und erwarben 2015 den gesamten Komplex und modernisierten zuerst die denkmalgeschützte Villa Stolzenfels, unter anderem mit einem rückseitigen Aufzug. Von den acht entstandenen Wohnungen bezogen sie selbst die Wohnung im Dachgeschoss, von dem Ulrich Wagner schwärmt. "Am schönsten Platz! Ein toller Blick über Wildbad, das Enztal hinauf und hinunter!"

Viele Aktivitäten

Inzwischen ist auch das ehemalige Schwesternhaus neben der Villa Stolzenfels umgebaut und bezogen worden. Derzeit wird das Terrassenhaus umgebaut, wo weitere elf Wohnungen entstehen, die bis Ende dieses Jahres fertiggestellt sein sollen. Dadurch sind in Wildbad mit den Aktivitäten seiner Firma "Wagner Immobilien Consulting GmbH" 30 neue Wohnungen entstanden.

Die Aktivitäten der Wagners waren jedoch mit der Erneuerung des Bethel-Geländes nicht abgeschlossen. Denn bei gelegentlichen Spaziergängen durch Wildbad fiel ihnen der Hinweis "Zu verkaufen" am Gebäude Kernerstraße 30, die frühere "Villa Elisabeth" ins Auge. Hier befand sich im Erdgeschoss seit den 1950er-Jahren die Staatliche Hochbauleitung Wildbad, die in der Kurstadt zahlreiche Baumaßnahmen umsetzte. So entstanden mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg in den 1960er- und 1970er-Jahren die Wärmezentrale am Kappelberg (1959-1961, Fernheizwerk), die Wandelhalle und Ladenzeile am Kurparkeingang (1961-1964), das Thermalbewegungsbad (1962-1966, heute Vital Therme), die Schwestern- und Personalwohnhäuser am Hohenacker (1964-1967), das Staatliche Rheumakrankenhaus und die Kurverwaltung (1966-1970) und das Neue Eberhardsbad (1971-1977) sowie zahlreiche weitere An- und Umbauten beziehungsweise Erweiterungen (Kurpark) und die Neugestaltung des alten Eberhardbades zum 1995 wiedereröffneten Palais Thermal.

Die Staatliche Hochbauleitung wurde zum Beginn des neuen Jahrtausends als Amt für "Vermögen und Bau Baden-Württemberg" von Bad Wildbad nach Pforzheim verlegt, und die "Villa Elisabeth" von den Ärzten Uve Sievers und Hagen Strohäker gekauft und im Erdgeschoss als sehr gut frequentierte "Klinikpraxis" umgewandelt und genutzt. In den Obergeschossen befanden sich Wohnungen. Nach einem kurzen Gastspiel als "Medizinisches Versorgungszentrum" durch den Klinikverbund Südwest wurde das ebenfalls denkmalgeschützte Gebäude von Ulrich und Tania Wagner erworben. Momentan ist Wagners Immobilienbüro im Erdgeschoss untergebracht, jedoch sind die Änderungspläne bereits in Arbeit: Im Anbau Richtung Kur­theater sind zwei Wohnungen geplant. Die für die Arztpraxen genutzten Räume sollen ebenfalls in Mietwohnungen umgewandelt werden. Zunächst ist jedoch die Sanierung der Fassade und der Fenster vordringlich, bevor weitere bauliche Maßnahmen umgesetzt werden.

Bewegte Geschichte

Durch alte Baupläne, deren Kopien Wagner vom Bauamt der Stadt erhielt, ist zu erfahren, dass das Gebäude bis 1910 den Namen seines Erbauers "Villa Haussmann" trug. Nach dem Kauf durch die Familie des damaligen Bürgermeisters Bätzner erhielt die Villa den Namen der jüngsten Tochter "Elisabeth" (1884-1961). Unter dem heutigen Parkplatz des Hauses befand sich der Eiskeller der Familie Klumpp, in dem das im Winter am "Eisgalgen" gefrorene Eis eingelagert wurde, um im Sommer als Kühlmittel genutzt zu werden. Darüber befindet sich ein einstöckiger inzwischen umgebauter Anbau, in dem früher der Buchhändler Pauke Papierwaren, Zeitungen und Ansichtskarten verkaufte.