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Bad Wildbad Eine Brücke aus der Klinik in den Alltag

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Dieter Hoffmann (links) und Dieter Möhle (schräg dahinter) informierten zahlreiche Besucher über das Angebot "Brücke aus der Klinik in den Alltag". Foto: Bechtle Foto: Schwarzwälder Bote

Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen werden und keine Angehörigen zu Hause haben, benötigen oft bei alltäglichen Dingen Hilfe. Dieter Hoffmann, Vorsitzender des Seniorenrats Oberes Enztal, stellte in einem Vortrag ein Angebot vor, mit dem auch die Stadt Bad Wildbad liebäugelt.

Bad Wildbad. Erstaunlich viele Interessierte konnte Dieter Hoffmann, Vorsitzender des SROE, begrüßen. Eigentlich widerspreche die Aussage "Beste Genesung zu Hause!" der Vorstellung, im Krankenhaus gesund zu werden. Allerdings, und das wisse eigentlich jeder, würden die Klinikpatienten meist nach Ablauf einiger Tage oder der sogenannten Fallpauschale, sofern keine neuen Probleme auftreten, nach Hause entlassen, obwohl sie keineswegs ganz gesund sind, sondern oft bei alltäglichen Dingen Hilfe benötigen. Also ist Unterstützung erforderlich. Wenn ein Familienmitglied im Haus lebt, ist das kein Problem. Wer jedoch alleine lebt, keine Verwandten, Freunde oder Nachbarn als Helfer findet, könne schnell Probleme bekommen.

Aus diesem Grund wurde 2016 in Nagold vom dortigen Stadtseniorenrat das Projekt "Brücke aus der Klinik in den Alltag" ins Leben gerufen, die sich inzwischen bewährt hat. Da Bad Wildbad mehrere Kliniken und Rehaeinrichtungen hat, Kranke außerdem in den Kliniken der Region behandelt werden, bestehe hier ebenfalls Bedarf, Menschen zu unterstützen, die frisch aus dem Krankenhaus entlassen wurden.

Dieter Möhle, Mitglied des Stadtseniorenrats Nagold und stellvertretender Vorsitzender des Kreisseniorenrats Calw, hat 2016 in Nagold eine Einrichtung geschaffen, um alleinstehende Menschen zu unterstützen, die sich für die Zeit ihrer Gesundung nach einem Klinikaufenthalt jemanden an ihrer Seite wünschen, der sich um sie kümmert.

Und genau diese Einrichtung stellte Möhle für die Teilnehmer des Runden Tischs vor, Mitarbeitern der Bad Wildbader Kliniken, Reha-Einrichtungen und sozialen Verbände sowie weiteren interessierten Besuchern, immerhin rund 25 Anwesenden. Unter ihnen war auch Bürgermeister Klaus Mack, dem solch eine Einrichtung auch für Bad Wildbad zusagen würde.

Die Ausgangslage, so Möhle, sei bedingt durch die veränderten sozialen Strukturen, wobei das Versorgungs- und Unterstützungsmodell "Familie" oft nicht mehr gegeben sei. Durch die immer kürzere Verweildauer und frühere Entlassung benötigen Personen, die zu Hause keine Hilfe erhalten, während der ersten Zeit nach dem Klinikaufenthalt Unterstützung wie soziale Betreuung und für kleine Hilfen im Alltag.

Die Projektidee hat einen sozialen Hintergrund, nämlich, dass ehrenamtliche Helfer Menschen begleiten. Bei Bedarf werden erste praktische Hilfestellungen angeboten: Botengänge erledigen, bei Einkäufen begleiten oder diese durchführen, für Aufmunterung und Sicherheit sorgen oder die Zeit vor einer anstehenden Reha überbrückt. Neben den praktischen Hilfestellungen sollen die Ehrenamtlichen in Gesprächen die Sorgen und Unsicherheiten der Patienten ernst nehmen und dafür sorgen, dass frische Gedanken "ins Haus" kommen, was ebenso die Genesung fördere.Diese Begleitung ist mit höchstens vier Wochen befristet, das Angebot ist kostenlos, aber es ersetzt weder die ambulante Pflege noch eine eventuelle Nachbarschaftshilfe.

Doch das Projekt hat auch einen ökonomischen Hintergrund, nämlich die Vermeidung einer Wiedereinweisung ins Krankenhaus, der "Drehtüreffekt" soll verhindert werden.

Mittel trägt zur Hälfte die gesetzliche Pflegeversicherung

Zur praktischen Umsetzung ist zuerst einmal die Frage nach dem Bedarf. Bei den Nagolder Kliniken wurde dies bejaht. Die benötigten Mittel trägt zur Hälfte die gesetzliche Pflegeversicherung, die andere Hälfte werden von der Stadt Nagold und dem Landkreis Calw getragen. Die Finanzierung wird benötigt für Schulung und Fortbildung, fachliche Begleitung, Aufwandsentschädigung und Auslagenersatz sowie die Öffentlichkeitsarbeit, etwa mit Flyern. Dann startet die Suche nach den Begleitern, wobei Nagold inzwischen auf 13 Personen zurückgreifen kann, die zwischen 52 und 84 Jahren alt sind. Das nötige Rüstzeug für diese Aufgabe erhielten die ehrenamtlichen Personen in einer Schulung mit sechs Einheiten an sechs Samstagen.

Um den Kontakt zwischen dem Patienten und dem Begleiter herzustellen, wird ein Koordinator oder der "Case-Manager" der Klinik eingesetzt, der die Möglichkeiten nach dem Klinikaufenthalt darstellt. In Nagold wurden laut Möhle 2018 von der Einrichtung "Beste Genesung zu Hause" 25 Patienten betreut, die unterschiedlichen Hilfsbedarf hatten. Dass es relativ wenige waren, liege sicherlich daran, dass das soziale Umfeld im ländlichen Raum noch funktioniere, aber auch mancher Patient keinen fremden Menschen in seiner Wohnung haben wolle.

Die sich anschließenden Fragen, die meist Hofmann beantwortete, drehten sich um den Koordinator, der Patient und Helfer zusammenbringt, um die notwendige Vernetzung, den Kontakt zu der Klinik und dessen Sozialem Dienst sowie dem stundenmäßigen Einsatz.

Deutlich wurde darauf hingewiesen, dass der Pflegestützpunkt des Landkreises ebenfalls weiterhelfe. Der Pflegestützpunkt hält auch Außensprechstunden ab, so in Bad Wildbad an jedem ersten Donnerstag im Monat von 14 bis 16 Uhr.

Weitere Informationen: Für die Einwohner von Enzklösterle wird ein weiterer "Runder Tisch" mit ähnlichen Informationen am Freitag, 6. März, ab 16 Uhr im Lesesaal in der Festhalle stattfinden.

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