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Bad Wildbad Den Job mit Herzblut ausgefüllt

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Fast 40 Jahre war Elke Miller-Mehret (Mitte) im evangelischen Oberlin-Kindergarten. Jetzt wurde die langjährige Leiterin von Pfarrer Gottfrid Löffler (von rechts), Elternbeirat Christopher Müller, Erzieherin Marina Arcihovska und Pfarrer Christoph Scharr verabschiedet. Foto: Mutschler Foto: Schwarzwälder Bote

Fast 40 Jahre lang war Elke Miller-Mehret im Bad Wildbader Oberlin-Kindergarten – zuletzt lange Jahre als Leitung. Nun feierte sie einen – coronabedingt – stillen Abschied im ganz kleinen Kreis. Auf eine Art also, die ihr ganz entgegen kommt.

Bad Wildbad. Sie wolle "am liebsten still und leise" die Tür hinter sich zumachen und sagen, "das war’s", sagte Pfarrer Gottfried Löffler bei der Verabschiedung der langjährigen Kindergartenleiterin Elke Miller-Mehret im evangelischen Oberlin-Kindergarten. Fast könnte man meinen, so vermutete Löffler schmunzelnd, dass ihr der Coronavirus zumindest – und auch nur – in dieser Beziehung zupasskomme, damit sie ihren Abschied auch wirklich still und heimlich feiern könne. "Aber das kann man nach 40 Jahren nicht machen", so Löffler weiter.

Fast 40 Jahre, also etwa ein halbes Leben, sei Miller-Mehret mit der Einrichtung verbunden. Davon habe er als Wildbader Pfarrer beinahe 24 Jahre miterlebt, fuhr Löffler fort. Das sei eine Zeit mit extremen Veränderungen und Neuerungen gewesen. So gab es etwa ab 1996 steigende Kinderzahlen und deshalb ein Provisorium im damaligen Progymnasium. Damit einher ging der Neubau des Fröbel-Kindergartens, dessen Leitung Miller-Mehret nach kurzer Zeit zusätzlich mit übernahm und somit für beide Häuser zuständig gewesen ist. Dazu kamen weitere Meilensteine wie die bauliche Anpassung des Oberlin-Kindergartens, die Einführung der Kleinkindbetreuung ab dem ersten Lebensjahr, verbunden mit der Reduzierung der Plätze im Oberlin-Kindergarten von 120 auf 70. Später kam dann die Ganztagesbetreuung dazu, mit einem verpflichtenden Angebot einer warmen Mahlzeit, die zwar vom Gesetzgeber vorgeschrieben sei, die aber gar nicht alle wollten, wie Löffler erwähnte. Allgegenwärtig sei in den vergangenen Jahren auch die Suche nach Personal, das neben aller fachlichen Qualifikationen auch ins Team passen müsse.

Herausforderungen seien auch die Zunahme der Zahl der Nationalitäten der Kinder auf rund 14 gewesen, ebenso die Zunahme der Zahl von Kindern mit besonderem Betreuungsbedarf. Dies alles habe auch zu deutlich mehr Behördenkontakten, Abklärungen und Planungen geführt.

Miller-Mehret habe sich auch für die Stärkung der Kontakte zur evangelischen Kirchengemeinde eingesetzt, die ja Träger des Kindergartens sei. So gibt es nun – außer wegen Corona in diesem Jahr – einmal jährlich einen Sonntagsgottesdienst im Garten des Kindergartens statt in der Stadtkirche und einen gemeinsamen Adventsgottesdienst. Auch sonst sei sie vielschichtig vernetzt und gefordert: mit Kindern, Eltern, Mitarbeiterinnen, Träger, Verordnungen und Behörden. Dabei habe bei ihr immer das Motto gegolten: "Das geht nicht – gibt’s nicht!" Und zum krönenden Abschluss, als sie eigentlich gedachte hatte, sie habe in ihrer langen Zeit als Kindergartenleitung alles erlebt, kam Corona – und damit ständiges Neuplanen, im Wissen, dass alles bereits im selben Moment wieder veraltet sein kann.

Löffler bedankte sich bei Miller-Mehret, dass sie immer ein offenes Ohr gehabt habe: "für die Mitarbeiterinnen, die Eltern – und mich".

Sie habe ja schon länger gewusst, dass sie geht, sagte die scheidende Kindergartenleiterin. Und sie habe immer einen Abschied ohne allzu großen Trubel gewollt. Da habe ihr Corona schon ein bisschen in die Karten gespielt, gibt sie schmunzelnd zu. Ansonsten blickte auch sie kurz auf ihre Zeit im Kindergarten zurück: "Ich weiß, wo jeder Nagel hängt, und habe zwei Häuser umgebaut. Und ich weiß über jeden alles, was manchmal auch nicht von Vorteil für die Eltern ist." Denn wichtig seien die Kinder, betont sie, die seien "unsere Zukunft". Natürlich habe es auch schwere Zeiten gegeben, aber sie ist vor allem dankbar für das, was von den Eltern zurückgekommen sei – sei es in Form von vielen Eigenleistungen oder Spenden für Wünsche, für die oftmals das Geld gefehlt habe. Sie bedankte sich auch bei ihren Mitarbeitern: "Wir waren immer ein super Team." So sei der Kindergarten nie geschlossen gewesen, auch bei wenig Personal. Das hätte so nicht funktioniert, wenn das Team nicht so hinter ihr gestanden hätte.

"Ich kann nur Danke sagen für alles, was sie bewegt haben", sagte Pfarrer Löffler und Miller-Mehret antwortete: "Das war mein Job." Löffler erwiderte, dass man diesen Job aber mit Herzblut ausfüllen müsse, so wie sie es getan habe. Er überreichte ihr als gemeinsames Geschenk von Träger und Elternbeirat Gutscheine für ein Wellnesshotel und eine Salzgrotte sowie einen Blumenstrauß. Für den Elternbeirat bedankte sich Christopher Müller, der aus eigener Erfahrung sagen konnte: "Meine Kinder haben sich vom ersten Tag an pudelwohl gefühlt."

Für die Mitarbeiter war die kommissarische Leitung Marina Arcihovska bei der Verabschiedung dabei. Sie zitierte Konfuzius: "Wohin du gehst, geh mit dem ganzen Herzen." Da Miller-Mehret kein "Abschiedsmensch" sei, überreichte sie ihr eine Urkunde mit den besten Wünschen von allen Kollegen. Vorlesen durfte sie die aber nicht: "Das ist mir zu rührselig, sonst zerfließe ich in Tränen", sagte Miller-Mehret. Nun sei alles gesagt und sie wünsche sich, dass "das Kindergartenschiff weiterfährt". Angst, dass es ihr langweilig werden könnte, hat sie aber nicht: "Ich habe immer Ideen, sehr zum Leidwesen von vielen. Die gehen mir nicht aus."

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