Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Bad Wildbad Begeisterung für idyllischen Kurort

Von
Liliana Turicianu (Klavier) und Wolfgang Seibold (Vortrag) nach der diesjährigen Matinee beim Clara-Schumann-Wochenende.Foto: Bechtle Foto: Schwarzwälder Bote

Drei Jahre nach dem Kuraufenthalt von Rossini weilte Clara Schumann im Sommer 1859 sechs Wochen lang in Wildbad zur Kur und war begeistert von dem idyllischen Kurort im Schwarzwald.

Bad Wildbad. In einem Brief an den mit ihr befreundeten jungen Komponisten Theodor Kirchner schreibt sie: "Es gefällt mir sehr gut hier. Ich habe noch kein Bad gefunden, wo es so ungeniert ist wie hier. Man kann jeden Tag andere Spaziergänge auf die Berge in die Tannenwälder machen, findet überall trauliche Plätze zum Ausruhen, und das Beste, man braucht keinen Menschen zu sehen, wenn man nicht will."

Vieles hat sich bis heute geändert, aber umgekehrt begeistern sich heute viele Musikfreunde für Clara Schumann, die wohl berühmteste Pianistin und Komponistin des 19. Jahrhunderts.

Seit elf Jahren findet Ende August das Clara-Schumann-Wochenende statt mit viel Musik der Romantik und einer Gesprächskonzert-Matinee mit dem Musikwissenschaftler Wolfgang Seibold, der 2009 das Clara-Schumann-Wochenende initiierte. Seibold ist absoluter Spezialist in "Sachen Schumann".

In der Matinee am Sonntagvormittag im Forum König-Karls-Bad stand natürlich Clara Schumann im Mittelpunkt, aber gleichzeitig wurde auch des 250. Geburtstags von Beethoven gedacht. Und dies ließ sich auch musikalisch unter dem diesjährigen Motto "Clara Schumann spielt Ludwig van Beethoven" vereinen.

Seinen diesjährigen Vortrag hatte Seibold überschrieben mit "Die Geister, sie steigen auf und senken dienend sich der anmutreichen, unschuldvollen Herrin". Es ist ein Vers aus einem Gedicht von Franz Grillparzer, nachdem er in Wien von der damals 18-jährigen Clara Wieck in ihrem Konzert Beethovens berühmte Klaviersonate Nr. 23 op. 57 f-Moll gehört hatte. Später bekam diese Sonate den Beinamen "Appassionata". Sie gilt als ein Höhepunkt im Schaffen von Beethoven und ist ein Inbegriff expressiver solistischer Virtuosität.

Wiecks mehrmonatiger Konzertaufenthalt in Wien hatte noch weitere Folgen, denn für ihr begeisterndes Klavierspiel wurde sie von Kaiser Ferdinand I. zur "k. k. Kammer-Virtuosin" ernannt – ein Titel, der ihr einige Vorteile brachte.

Bereits im Alter von acht oder neun Jahren (1828) gehörte die Komposition von Beethovens "Menuett mit Trio" zu ihrem Repertoire, ein Jahr später das Rondo aus dem 3. Klavierkonzert e-Moll von Beethoven. Der Musikwissenschaftler Seibold bleibt jedoch nicht in der Reihe der Konzerte hängen, sondern geht in seinem Vortrag auch auf private Ereignisse ein, unter anderem, wie Claras Vater gezielt seine Tochter Beethovenwerke in öffentlichen Konzerten spielen lässt.

Für Beethoven geschwärmt

"Ein Stern am Komponistenhimmel" – so Seibold – nämlich Robert Schumann, tritt in das Leben von Wieck. Diese schwärmte "Lebten doch Beethoven und Mozart noch, er (Robert Schumann) müsste der Dritte in ihrem Bunde sein", wie es in ihrem Tagebuch heißt. Im September 1840 heiratet sie gegen den größten Widerstand ihres Vaters Robert Schumann. Aber Beethoven bleibt – neben Robert Schumann – ihr Lieblingskomponist.

Zu ihrem Zeitgenossen Richard Wagner hatte Clara Schumann allerdings keinen Bezug, über den sie nach der Aufführung der 9. Beethoven-Symphonie feststellt: "Wie ist es möglich, dass ein Orchester ein vollkommenes Ganzes geben kann, wenn der Dirigent selbst die Werke noch nicht einmal begriffen!"

Nach dem Tod von Robert Schumann (1856) war das 4. Klavierkonzert von Beethoven einer der Favoriten bei Klavierkonzerten mit Beethovens Kompositionen. Dazu schreibt sie 1859 an Brahms: "In Aachen und Köln … das Publikum war entzückt, ich aber doch am meisten, das ist doch ein göttliches Konzert, und ich spiele es mit jedem Mal schöner." Und noch 1877 schwärmt sie: "In Hamburg habe ich sehr glücklich gespielt – ich glaube, das G-dur-Konzert nie so gut!"

Was wäre solch ein Vortrag bei einem Schumann-Wochenende ohne Musik? Nachdem die Pianistin Amy Reiss aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen musste, konnte die in Pforzheim lebende Pianistin Liliana Turicianu für dieses Konzert gewonnen werden. Sie war kein "Ersatz", sondern eine äußerst gefühlvolle und vielseitige Pianistin, die große Erfahrung in der Kammermusik hat und den musikalischen Teil des Konzerts außergewöhnlich gut präsentierte.

Das Gesprächskonzert wurde von Turicianu mit den beiden Teilen Préambule und Estrella aus Robert Schumanns Carnaval op. 9 eingeleitet, eine Komposition, die Clara Wieck 1838 in Wien Franz Liszt vorspielte. Natürlich gehörte "Appassionata", Beethovens Sonate f-Moll, zum Inhalt des Vortrags, und die drei Sätze dieser Komposition waren wirklich passend in den Vortrag eingebaut.

Mit der das Programm abschließenden Komposition von Clara Schumann, dem 1841 komponierten Scherzo Nr. 2, op. 14 in c-Moll, gelang es der großartigen Klavier-Virtuosin Turicianu nochmals, die Besucher zu begeistern, die frenetisch ihr und Seibold applaudierten.

Artikel bewerten
0
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.