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Bad Herrenalb Red Knights fühlen sich diskriminiert

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Im Alltag löschen sie Brände. Hier sitzen sie auf heißen Öfen. Foto: Verein

Bad Herrenalb/Dobel - Der Bundesrat möchte in Zukunft Motorradfahrer strenger einschränken. An Sonn- und Feiertagen soll es ein Fahrverbot geben und eine Lärmobergrenze von 80 Dezibel. Wenn ein Motorrad diese Grenze überschreitet, soll die Polizei es sicherstellen dürfen.

Immer mehr Menschen beschweren sich über zunehmenden Verkehrslärm. Gerade am Wochenende sind viele Motorräder unterwegs auf den Straßen. 80 Dezibel sind ungefähr so laut wie eine Bohrmaschine oder ein Staubsauger. Viele Motorräder überschreiten diesen Wert bereits im Stand. Die Lärmobergrenze und das Fahrverbot sollen vor allem rücksichtslosen Fahrern Einhalt gebieten. Doch sie bereiten auch anderen Motorradfahrern Kopfzerbrechen.

Bad Herrenalb und Dobel sind wegen ihrer schönen Straßen gerade bei Motorradfahrern ein beliebtes Ziel. In Bad Herrenalb gilt eine Vorordnung, nach von 22 bis 7.30 Uhr und von 13 bis 14.30 Uhr das Motorradfahren verboten ist.

Der Dobler BürgermeisterChristoph Schaack hat Verständnis für die Einschränkungen: "Dobel ist ein Kurort. Der Lärm beschäftigt uns schon lange, doch seit Corona fahren noch viel mehr Fahrzeuge bei uns. Ich habe daheim mal gezählt und in einer Stunde kamen ungefähr 50 Motorräder vorbei." Schaack fügt hinzu, er sei kein Freund von Pauschalisierungen und er halte ein generelles Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen für schwierig. Diejenigen, die besonders laut über die Straßen bretterten, seien auch eher Einzeltäter. "Die meisten Gruppen, die zu uns kommen, sind ältere Herren, die sich anständig benehmen und auch gut zahlen." Der Bürgermeister meint, er halte einen Grenzwert für sinnvoll, allerdings sei er dagegen, Fahrzeuge einzuziehen. Er wäre eher dafür, Geschwindigkeitsbegrenzungen niedriger zu halten und Warnsysteme anzubringen: "Bei Autos bringt es was." Außerdem müsse man berücksichtigen, wie viele Motorräder zu alt sind, um eine Lärmobergrenze einzuhalten. Schaack warnt davor, ins Extreme zu verfallen: "Man sollte nicht gleich allen Motorradfahrern Lärmbelästigung vorwerfen. Und gerade ist es sowieso schwierig, den Kopf frei zu kriegen."

Verkehrsschau ist geplant

Christian Siebje, Pressesprecher der Stadt Bad Herrenalb verdeutlicht, dass sich schon eine Bürgerinitiative gegen Verkehrslärm gegründet hat. Diese fordert strengere Regeln für alle Verkehrsteilnehmer. "Wir haben von November 2019 bis März 2020 mehrere Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt und es gab sehr wenig Verstöße. Deshalb ist auch in den nächsten Wochen eine Verkehrsschau geplant, bei der das Landratsamt Calw Messungen durchführt", so Siebje. Er gibt zu Bedenken: Die Beschränkungen seien momentan nur ein Vorschlag. Gesetze wirkten nicht rückwirkend, fährt Siebje fort, somit wären ältere Motorräder von einer Lärmobergrenze nicht betroffen. "Ich denke nicht, dass es zu einem Verbot kommt. Das ist wie mit Kanonen auf Spatzen schießen. Gerade am Wochenende wäre es Schwachsinn. Einer benimmt sich daneben und alle werden bestraft." Er fügt hinzu: Es wäre schade für Bad Herrenalb, da Motorradtouristen wichtig für die hiesige Gastronomie seien. "Wir müssen erst mal abwarten und sehen, was die offiziellen Messungen ergeben."

Unmöglicher Grenzwert

Sascha Wein ist Präsident des Red Knights Nordschwarzwald Motorradclubs. Die Ortsgruppe hat ihren Sitz in Bad Herrenalb. Wein sagt, er verstehe die Ruhezeiten, doch alles Weitere sei Diskriminierung: "80 Dezibel sind völlig daneben. Sogar die Motorräder der Polizei sind lauter." Wenn jemand an seiner Maschine die Abgasanlage manipuliere, damit diese lauter werde, sei die Grenze gerechtfertigt. Aber das sei ja auch nicht der Normalfall. "Mein Moped ist schon im Stand bei 85 Dezibel und ich habe nichts verändert. Stellen Sie sich nur mal vor, Sie kaufen ein neues Motorrad. Sie werden angehalten und ihr Moped wird konfisziert, weil es zu laut ist. Wie sollte man das überhaupt selbst nachprüfen?" Wein meint, der Plan des Bundesrats sei fern der Realität: "Was passiert dann überhaupt mit konfiszierten Motorrädern? Man kann sie ja nicht leiser machen." Lauter geht immer, so Wein, aber leiser als mit der originalen Abgasanlage kriege man sein Motorrad nicht. In Tirol, erklärt Wein, kam es zu Streckensperrungen wegen Lärm. Deshalb seien einige Motorradreisen abgesagt worden: "Da kam es zu einer riesigen Stornowelle." Ähnliche Folgen hätten die Beschränkungen auch hier, meint der Motorradfahrer. Er gibt zu Bedenken, dass es zwar rücksichtslose Motorradfahrer gibt, allerdings auch rücksichtslose Autofahrer. Deshalb sollten laut Wein nicht nur Motorradfahrer eingeschränkt werden. Zum Beispiel gebe es viele Lastwagen, die über Bad Herrenalb von der A 8 auf die A 5 abkürzen. "Es ist diskriminierend, wenn Leute, die nichts falsch machen, büßen müssen. Und die meisten Biker fahren anständig."

Law Enforcement Club

Sein Motorradklub, die Red Knights Chapter Germany V Nordschwarzwald fahren anständig und setzen sich für das positive Bild von Motorradfahrern ein. Die Red Knights sind ein politisch neutraler Motorradklub, der weltweit vertreten ist. Sie gehören zu den sogenannten Law Enforcements Clubs. Die Mitglieder sind Feuerwehrleute und deren Familienmitglieder. Andere solcher Klubs sind die Green Knights (Militär) oder die Blue Knights (Polizei). In Deutschland gibt es 27 Chapter der Red Knights, mit ungefähr 1200 Mitgliedern. Davon sind elf in Bad Herrenalb unterwegs. Weltweit fahren ungefähr 16.000 rote Ritter. "Wir respektieren Regel und Gesetze. Wir distanzieren uns auch ganz klar von den Outlaws", erklärt der Klubpräsident. Allerdings seien die Red Knights ein Fullpatch-Motorradklub, so Wein. Das bedeutet, sie werden von den größeren Motorradklubs respektiert. "Die wissen ja genau, dass wir jedem helfen, wenn es brennt. Egal, ob Hells Angels oder sonst wer." Bei den Red Knights dürften aber, im Gegensatz zu anderen Klubs, auch Frauen Mitglieder werden oder sogar Präsidentin eines Chapters. "Wir sind völlig offen. Jeder, der bei der Feuerwehr ist und einen Motorradführerschein hat, kann sich gerne bei uns melden." Als Feuerwehrfrauen und -männer sind die Red Knights auch im sozialen Bereich sehr aktiv: "Wir geben Erste-Hilfe-Kurse oder sind auch aktiv für Paulinchen, Das ist eine Hilfsorganisation für Kinder, die bei einem Brand schwer verletzt wurden." Die Roten Ritter befänden sich außerhalb des ­"Rockerdenkens". "Trotzdem läuft bei uns Deep Purple", scherzt der Präsident.

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