Der Fotograf Jochen Gewecke, Horst Schuh und OB Stephan Neher eröffnen eine interreligiöse Fotoausstellung in der Gedenkstätte Synagoge in Baisingen. Foto: Steinmetz

Oberbürgermeister Stephan Neher hat eine interreligiöse Fotoausstellung in der Gedenkstätte Synagoge Baisingen eröffnet. Gezeigt werden Fotografien von Jochen Gewecke.

Der Fotograf hat dazu auch ein besonderes Konzept ausgearbeitet. Gezeigt werden in der ehemaligen Synagoge nicht Motive jüdischen Glaubens, sondern Bilder von Moscheen. Weitere Ausstellungsorte sind in Rottenburg die katholische Kirche St. Moriz, die Moschee und die evangelische Kirche. Das Amt für Bildung, Kultur und Sport der Stadt Rottenburg veranstaltet diese Ausstellung gemeinsam mit dem Fotografen Jochen Gewecke anlässlich des Jubiläums 750 Jahre Rottenburg.

 

Gemeinsamkeiten der Religionen

„Der Glaube spielt in der Bischofsstadt eine große Rolle“, sagte Neher. Er erinnerte aber auch daran, dass Glaube missbraucht werden, zu Ausgrenzungen und Konflikten führen könne. Solche Erfahrungen hat auch Jochen Gewecke als Kind protestantischer Eltern in einem katholischen Ort auf der Schwäbischen Alb gemacht. „Ich war anders als die Mehrheit“, erzählte er. Aus diesen Erlebnissen heraus sei das Ausstellungsprojekt entstanden. Er habe wissen wollen, wie es in anderen Kirchen aussehe, zumal er bis dahin noch nie in einer Moschee gewesen sei. Seine Intention war, mit der Kamera die Gemeinsamkeiten der Religionen aufzuspüren und zu zeigen.

„In der Synagoge fühlt man die Verwandtschaft der Religionen“, meinte Gewecke. Ein verbindendes Element sei beispielsweise Wasser. Es spiele im Judentum etwa bei Hochzeiten eine Rolle. Weitere Themen sind Licht und Kronleuchter oder neben Gebäuden auch Menschen im Gebet. Je mehr man von Brauchtum anderer Religionen wisse, umso schwerer sei es, diese abzulehnen.

Erklärungen zur Synagoge

Der frühere Baisinger Ortsvorsteher Horst Schuh gab den Besuchern einige Erklärungen zur Synagoge, die in ihrer jetzigen Form seit dem Jahr 1837 besteht. Bis zum Ersten Weltkrieg habe es im Ort eine blühende jüdische Gemeinde gegeben. Aus dieser Zeit stammt auch die mitten im Raum aufgestellte Laubhütte mit ihrem beweglichen Dach unter dem „Sternenhimmel“. Das Besondere daran: Sie kam aus einer Manufaktur aus Berlin.

Juden enteignet, deportiert und ermordet

Die Nazis hatten auch die Baisinger Juden enteignet, deportiert und ermordet. Die Laubhütten seien im Ort weiter genutzt worden, allerdings als Bienenstand oder Hühnerstall. Die ausgestellte Hütte blieb auch nach 40 Jahren noch gut erhalten. 2002 sei sie als Kulturdenkmal ausgewiesen worden. „Sie ist eine der wichtigsten Kulturgegenstände in Baisingen“, sagte Schuh. Die Laubhütte wurde bereits an Ausstellungen in Köln, München, Augsburg oder Berlin ausgeliehen. Sie erinnert an die Zeit, als die Juden in Ägypten in solchen einfachen Gebäuden leben mussten. Gefeiert wird im Judentum daher auch das siebentägige Laubhüttenfest – das Erntedankfest.

Ausstellung bis Ende Juni

Um den Charakter des Gebäudes nicht zu verändern, sind die Fotografien nicht an die Wände gehängt, sondern auf den Boden gestellt worden. In St. Moriz und der evangelischen Kirche zeigt Gewecke Aufnahmen unter anderem aus Synagogen und Moscheen. In der Moschee sehen die Ausstellungsbesucher Fotomotive aus jüdischen Gebetshäusern, katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirchen.

Die interreligiöse Ausstellung dauert vom 17. Mai bis zum 30. Juni. Sie soll dazu einladen, Schwellenängste abzubauen und sich gegenseitig in den Gebetshäusern zu besuchen.