„80-70-80“ – Albrecht A. Bopp, Josef Nadj und Ingrid Ritterbusch stellen unter diesem Titel ihre Werke im Horber Kloster aus. Die Besucher wissen: „Die Würde des Steins ist unantastbar.“
Gleich ein vierfacher Grund, etwas Besonderes zu initiieren. Das ist auch gelungen: Der Horber Wirtschaftsförderer Dejan Micic eröffnete am Sonntag eine Ausstellung, „die es in sich hat“. Er sah dabei allerdings weniger den künstlerischen Aspekt – diesen überließ er der Einführungsrednerin Margrit Kinsler -, als vielmehr den nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor der Kunst. In Horb habe man im vergangenen Jahr daher eine Initiative gestartet, um die Qualität des Kunstvereins aufrechtzuerhalten.
Die Künstler zeigen in den oberen Räumen des Klosters einen Querschnitt ihres Schaffens. „Es sind ruhige und stille Werke. Sie schreien keine aufgeregten, lauten und deutlichen Botschaften an die Betrachter hin“, sagte Margrit Kinsler. Mehr als 100 Besucher waren zur Vernissage gekommen.
Unvereinbarkeit von Natur und Technik
Albrecht A. Bopp setzt sich in seinen Bildern mit Architektur, Technik und Landschaft auseinander. Typisch für ihn ist der blass-bläulich-graue Farbton mit seinen unterschiedlichen Nuancen. „Das Bild entfaltet seinen Inhalt, seine Wirkung neben dem Formalem ganz entschieden über die Farbe“, erklärte Margrit Kinsler.
Industriebauten schmiegen sich harmonisch in die Landschaft ein, bekommen eine eigene oder auch eigentümliche Schönheit, die man bei Zweckbauten so nicht wahrnimmt. So realistisch Bopp malt – er bildet damit nicht die Realität ab. Was ihm aber gelingt, ist, wie es Margrit Kinsler formuliert, die scheinbare Unvereinbarkeit von Natur und Technik malerisch miteinander zu versöhnen.
„Albrecht Bopps Bilder zeugen von einer besonderen Beobachtung der Wirklichkeit. Sie sind nicht Wiedergabe eine angeblich realistischen Weltsicht. Sie sind Ausdruck einer philosophischen Betrachtung der Welt“, betonte sie.
Würde des Steins ist unantastbar
Josef Nadj, mit 70 der Jüngste, ist den Weg vom Figurativen hin zur abstrakten und gegenstandslosen Kunst gegangen. Seine Objekte habe er letztlich von der Eindeutigkeit befreit. Margrit Kinsler wertete dies aber nicht als eine Abkehr oder Wandlung seiner künstlerischen Intention, sondern als eine „konsequente Fortführung gewonnener Erkenntnisse und Erfahrungen“.
Nadjs Objekte verlocken zum Anfassen und Streicheln, so spiegelglatt ist der rohe Stein geschliffen. Leicht, elegant, ästhetisch: Das seien Begriffe, an die man bei einem unbearbeiteten Steinblock nicht denke. Der Bildhauer geht behutsam mit seinem Material um, hinterlässt keine Spuren der Bearbeitung oder Verwundung.
Sein ehernes Gesetz laute: „Die Würde des Steins ist unantastbar.“ Unter den Händen des Künstlers vereinten sich auf diese Weise Stabiles und Fragiles, enthüllen gewissermaßen, was der rohe Stein verborgen hat.
Das hohe Ziel vor Augen
Bei Ingrid Ritterbusch steht der Mensch im Mittelpunkt. Sie malte Akte mit „großen Pinselschwüngen“ und kräftigen ausdrucksstarken Farben, ging dann über zu einer reduzierten Darstellungsweise bis hin zur reinen Umrissfigur, skizzierte Margrit Kinsler die Entwicklung der 80-jährigen Künstlerin.
Bezeichnend dafür seien die Bergsteiger-Bilder von Ingrid Ritterbusch. Da ist eine Seilschaft auf dem mühsamen Weg hoch zum Gipfel des Mount Everest. Keiner blickt zurück. Worauf auch? Es ist auf dem unteren Teil des Bildes nur eine rosa Fläche zu sehen, aus der die Gruppe heraus- und in die beeindruckende Bergwelt des Himalaya hineintritt.
Die Vergangenheit, der zurückgelegte Weg, ist nichts anderes als eine monotone Farbfläche und erscheint somit als nicht mehr wichtig, wenn das Ziel vor Augen liegt, Doch ganz so ist es nicht, denn im Rucksack werde nicht Ballast, sondern der Proviant aus der Vergangenheit mitgenommen. Und der sorge dafür, dass das Weitergehen gesichert sei.
Auseinandersetzung mit der Kunst
Weiterentwickelt hat sich in den vergangenen 30 Jahren auch der Kunstverein, wie Margrit Kinsler zu Beginn ihres Vortrags feststellte. Davon lebe er, denn sonst wäre er ein Museumsverein. Neue Künstler und Mitglieder, mit ihnen neue Ideen und Vorstellungen seien dazu gekommen.
Der Kunstverein verstehe sich als Ort einer „offenen, auch kontroversen Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunst“. Dazu brauche man sowohl die Jungen mit ihren ungewöhnlichen Ideen als auch die Alten mit ihrer Erfahrung, Reife und Persönlichkeit.
Die Ausstellung „80-70-80“
Öffnungszeiten
Die Ausstellung im Horber Kloster dauert bis 7. Januar 2024. Die Öffnungszeiten sind samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.
Extras
25. November „Jour Fixe“ mit Albrecht A. Bopp, Ingrid Ritterbusch und Josef Nadj (exklusiv für Mitglieder des Vereins) von 16 bis 18 Uhr. 9. Dezember „Meet the Artist Albrecht A. Bopp“, Gespräch mit dem Künstler im Atelier in Horb, Bußgasse 3, 15 bis 16 Uhr. 10. Dezember „Kein Wort über Kunst“ - die Ausstellung in Stille genießen, 14 bis 18 Uhr. 14. Dezember, „After Work Bierle mit der Kunst“, 16 bis 18 Uhr. 29. Dezember, „Meet the Artist Josef Nadj“, Künstlergespräch im Atelier, Augarten 7, Dettingen, 15 bis 17 Uhr. 30. Dezember, „Meet the Artist Ingrid Ritterbusch“, Gespräch mit der Künstlerin im Atelier, Am Schelmengraben 4, Nagold, 14 bis 16 Uhr. 7. Januar 2024 „Kunst und Kuchen“, Facetten der Kultur bei Anwesenheit der Künstler genießen, 14 bis 18 Uhr.