Das Gerücht hielt sich hartnäckig, nun ist es beschlossene Sache: Andy Pfaff und seine Frau Anjira werden das Villinger Café Rebstock abgeben. Der Gastronom erklärt die Hintergründe der schweren Entscheidung.
„Die Ungewissheit, wie ich mein Leben weiter bestreiten soll, hat mich zermürbt“, erinnert sich Andy Pfaff an die Zeit zurück, als er eine niederschmetternde Diagnose erhielt. Der 48-Jährige betreibt seit 14 Jahren das Café Rebstock in der Villinger Innenstadt – und muss nun aber der Gastronomie den Rücken kehren.
Denn vor genau einem Jahr wurde bei ihm die Nervenkrankheit Ataxie Typ 2 festgestellt. Eine Erbkrankheit, die Koordinationsstörungen bei Bewegungen, Unsicherheiten beim Gehen und Stehen sowie Störungen beim Sprechen und Greifen auslöst. „Drei oder vier Mal bin ich im Café gestürzt“, erklärt Pfaff.
Für ihn und seine Frau Anjira, die seit sechs Jahren verheiratet sind, war klar: Ihren Rebstock werden sie unter diesen Umständen nicht weiter betreiben können. Stress und nervliche Belastung beschleunigen den Krankheitsverlauf, „und so lange es geht, wollen wir noch ein lebenswertes Leben führen“, erklärt der 48-Jährige.
Am 16. Dezember ist Schluss
Die Entscheidung, ob und vor allem wann Pfaff das Aus im Rebstock endgültig besiegelt, hing mit einer weitreichenden Entscheidung zusammen: Wann gibt die Versicherung das Go für die Ausbezahlung seiner Berufsunfähigkeitsversicherung? „Das kam nun“, so der Gastronom. Heißt im Umkehrschluss: Am 16. Dezember hat das Rebstock unter der Führung von Pfaffs das letzte Mal geöffnet.
Dann geht eine „100 Prozent sensationelle Zeit“, wie es Pfaff erklärt, zu Ende. Mit seinen treuen Gästen habe man die Jahre hinweg „gelacht, geweint und viel Spaß gehabt“ – möglich sei dies wiederum nur dank seiner Frau gewesen. „Sonst hätte ich den Rebstock vor vier oder fünf Jahren abgeben müssen“, macht er deutlich.
Auch beim Weihnachtsmarkt dabei
Begonnen hatte Pfaff im Café im November 2009. Zuvor hatte der gebürtige Villinger, ausgestattet mit einem BWL-Studium in Frankfurt, seine Stationen bei Saki, dem Eisbär sowie dem Ostbahnhof in Schwenningen. Just im Rebstock hatte Pfaff erste gastronomische Erfahrungen gesammelt, als er hörte, dass das Café frei wird, hatte er schließlich die Chance ergriffen.
In dieser Zeit hat er sich einen außerordentlichen Ruf in Villingen erarbeitet, engagierte sich auch über Jahre hinweg beim Weihnachtsmarkt, nachdem der damalige Organisator, der Katzenmusik-Chef Dominik Schaaf, ihm kurzfristig das Angebot gemacht hatte, dort einen Stand zu betreiben. Später organisierte er seinen eigenen Weihnachtsmarkt.
Kritik an Gemeinderat und Stadt
Während der Gastronom die besonderen Symbiosen in der Niederen Straße – unter anderem mit Bildergasse-Chef Wolfgang Schrenk – lobt, übt er scharfe Kritik an politischen Entscheidungen in VS. Bestehende Gastronomen werde das Leben durch Beschlüsse des Gemeinderats und dem Agieren des Bürgeramts schwer gemacht – beispielsweise durch das Verbot von Heizstrahlern oder die Verlängerung der Sperrzeiten. „Ich kann da vieles nicht nachvollziehen“, sieht Pfaff in einigen Bereichen eine Ungleichbehandlung und kritisiert das Ausnutzen von Machtpositionen.
Doch dieser Groll soll beim Abschied nicht im Vordergrund stehen. Vielmehr wollen sie sich bei einem „Good-bye-Fest“, der Termin steht noch nicht fest, bei ihren Gästen und dem Team bedanken. Gefeiert werden kann auch deshalb, weil mit Patrick Fleig bereits ein Nachfolger feststeht, den Pfaff in der ersten Zeit im Hintergrund unterstützen wird.
Drei Monate nach Thailand
Nach dem Abschied geht es zunächst für drei Monate nach Thailand in die Heimat seiner Frau, dort wird sich der 48-Jährige, der noch Teilzeit arbeiten kann, Gedanken über seine Zukunft machen. „Ich kann das alles noch nicht realisieren“, macht er deutlich, welch einschneidender Schnitt bevorsteht.
Klar ist aber, dass er, auch aufgrund seiner Eltern, in Villingen bleiben wird. Im Rebstock wird man ihn deshalb sicherlich wieder treffen – dann aber vor und nicht hinter der Theke.