Was erwarten die deutschen Bürger in Sachen Ernährungspolitik vom Staat? Wo soll er aktiv werden und wo nicht? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ab Ende September ein Bürgerrat. Auch Ina Funk aus Schwenningen wurde hierfür auserwählt.
Ein ominöses Schreiben fand die Schwenningerin Ina Funk vor einigen Monaten in ihrem Briefkasten. Der Absender: der Deutsche Bundestag. Erst verwundert, dann schockiert fragte sie sich, was sie denn angestellt habe. Oder spielte ihr etwa jemand einen dummen Streich? Ein Anruf bei der auf dem Schreiben stehenden Nummer bestätigte: Die 52-jährige Schwenningerin hat Post vom Deutschen Bundestag bekommen und wurde dazu eingeladen, am ersten deutschen Bürgerrat teilzunehmen.
Doch was hat es damit auf sich? Im Mai dieses Jahres hat der Bundestag entschieden, einen Bürgerrat einzusetzen. Dieser soll sich ab September mit der deutschen Ernährungspolitik beschäftigen. Im Fokus stehen dabei unter anderem Fragen zur Lebensmittelkennzeichnung und -verschwendung. Für die Zusammensetzung dieses Rates wurden zufällig 82 deutsche Kommunen ausgelost aus denen knapp 20 000 Bürgerinnen und Bürger kontaktiert wurden, ob sie an diesem Bürgerrat teilnehmen möchten. Eine dieser Bürgerinnen war Ina Funk aus Schwenningen. Insgesamt sind es zwei Personen aus Villingen-Schwenningen, die am Bürgerrat teilnehmen dürfen.
Im September findet die erste Sitzung in Berlin statt
„Ich wollte unbedingt mitmachen“, sagt die Schwenningerin im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie zögerte nicht lange und teilte per Telefon ihre Zusage mit. Und dann hieß es für die 52-Jährige abwarten. Rund 2200 Menschen haben sich für den Bürgerrat zurückgemeldet, aber nur 160 dürfen tatsächlich teilnehmen. Damit die deutsche Bevölkerung bestmöglich repräsentiert wird, wurden verschieden Konstellationen im Hinblick auf Alter, Geschlecht, Bildungsstand und Ernährung zusammengestellt, aus denen Bundestagspräsidentin Bärbel Bas am 21. Juli die entscheidende Konstellation gezogen hat.
„Ich war schon ein bisschen aufgeregt, ob ich tatsächlich dabei bin“, sagt Funk. Und dann kam die Benachrichtigung, dass es geklappt hat und die 52-Jährige bekommt kurzerhand die Möglichkeit, sich in der Politik zu engagieren. „Das hat mich schon ein bisschen überrascht, aber vor allem auch gefreut“, gibt die 52-Jährige zu. Die erste Sitzung findet am 29. September in Berlin statt, danach folgen noch zwei weitere Präsenzsitzungen und sechs Online-Sitzungen, in denen die Teilnehmer des Bürgerrats miteinander ins Gespräch kommen und für den Staat bis Februar 2024 Handlungsempfehlungen in Sachen Ernährungspolitik formulieren.
Großes Anliegen sich in der Politik einzubringen
Dass es der Schwenningerin ein großes Anliegen ist, sich einzubringen, wird im Gespräch mit unserer Redaktion einmal mehr deutlich. Vor allem das Thema Lebensmittelverschwendung ist für Funk ein wichtiges Thema, bei dem sie Handlungsbedarf sieht. „Das ist ein großes Thema, das mich schon länger beschäftigt“, gibt sie zu und betont, wie wichtig es sei, dass hier etwas getan wird.
Lebensmittelverschwendung zu vermeiden ist etwas, dass Funk ihren zwei inzwischen erwachsenen Kindern beigebracht hat und auch selbst von ihren Eltern gelernt hat. Bei diesem Thema denkt Funk vor allem auch an Organisationen wie Foodsharing, die ihrer Meinung nach viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.
Befragung im Bekanntenkreis
In Vorbereitung auf den Bürgerrat führt Funk nun eine Befragung in ihrem Bekanntenkreis durch, um erste Ideen und Verbesserungsvorschläge zu sammeln, die sie dann in den Sitzungen des Bürgerrats einbringen kann. Funk freut sich auf den Austausch mit den anderen Mitgliedern und ist auch ein bisschen aufgeregt. Doch für sie steht fest: „Ich will etwas bewegen.“ Denn wer weiß, wann sie diese Möglichkeit noch mal bekommen wird.