Der Aufstieg bedeutet das Ende einer Leidenszeit bei den Stuttgarter Kickers. Den Weg mit den speziellen Werten, gilt es fortzusetzen, meint unser Autor Jürgen Frey.
Geschafft! Der Aufstieg der Stuttgarter Kickers steht nun auch rechnerisch fest. Der Triumph hatte sich seit vielen Wochen mehr als nur angedeutet. Als er dann perfekt war, gab es an der Kreuzeiche dennoch ein Feuerwerk der Emotionen im Kickers-Fan-Block. Kein Wunder: Dieser lange ersehnte Sprung in die Regionalliga ist das Ende einer Leidenszeit und gleichzeitig die Belohnung für alle, die die blaue Fahne der Hoffnung nie eingerollt haben.
Diese Serie an Tiefschlägen war ein Härtetest für die emotionalen Bindungskräfte zwischen Club, Fans und Sponsoren. Und er wurde mit Bravour bestanden. Ausgerechnet in den Niederungen der fünften Liga konnten die Kickers Sympathiepunkte sammeln und neue Freunde gewinnen. Warum? Weil sie spezielle Werte verkörpern. Die Mannschaft zeigt eine intensive, mutige, aggressive und lauffreudige Spielweise, die Trainer Mustafa Ünal konsequent verordnetet. Der Verein verfolgt eine familiäre, regionale, bodenständige und nahbare Philosophie. Jetzt heißt es, Kurs zu halten und den eingeschlagenen Weg bedingungslos weiterzugehen.
Die Arbeit geht weiter
Bei aller Euphorie – die Arbeit geht ungebremst weiter. Der Aufstieg ist der eigenen Qualität zuzuschreiben, weniger der Schwäche der Konkurrenz. Auch deshalb wäre es kontraproduktiv, den Aufstiegskader umzukrempeln. Genauso sicher ist aber, dass mindestens eine gezielte Verstärkung für jeden Mannschaftsteil zwingend nötig sein wird. Dass es dabei in der Zusammenarbeit zwischen Trainer und Sportdirektor, vorsichtig formuliert, Luft nach oben gibt, ist aktuell kein Vorteil.
Der allergrößte Fehler wäre es, jetzt zu viel auf einmal zu wollen. Viele Traditionsvereine mit glorreicher Vergangenheit träumten schon von der Rückkehr in die erste oder zweite Liga und vergaßen dabei, dass der nächste Schritt der schwierigste ist.
Vermutlich wird Hausmannskost gegen Astoria Walldorf oder Barockstadt Fulda auf Dauer keinen auf der Waldau vom Hocker reißen. Dennoch wäre für die Kickers im ersten Regionalligajahr ein einstelliger Tabellenplatz, mit frühzeitiger Planungssicherheit für den nächsten Schritt, eine Zielsetzung mit Augenmaß. Um später dann den angestrebten Sprung in die dritte Liga zu schaffen – wo der Profifußball durch die Fernsehgelder erst richtig losgeht – reicht gute Arbeit auf dem Trainingsplatz nicht aus. Dazu müsste der Etat deutlich gesteigert werden – auf 4,5 bis fünf Millionen Euro.