Keyless-Go-Systeme bergen Sicherheitslücken. Diebe fangen die Funkwellen ab und können das Fahrzeug öffnen. (Symbolfoto) Foto: Deck

Die Besitzer des in Rangendingen gestohlenen Audi Q5 haben Glück gehabt. Ihr Fahrzeug wurde kurz vor der Grenze von der Polizei sichergestellt. Der Fall offenbart jedoch, dass das Keyless-Go-System, mit dem das Fahrzeug mutmaßlich geöffnet und gestohlen wurde, seine Sicherheitslücken hat.

Rangendingen - Aus der Fahndung nach eventuellen Komplizen der 30-jährigen Fahrerin, die mit dem gestohlenen Auto im Landkreis Kronau in die Fänge der bayerischen Polizei geraten war und mittlerweile in Untersuchungshaft sitzt, gebe es auch nach dem Zeugenaufruf vom Dienstag aktuell nichts Neues, war von Pressesprecherin Andrea Kopp vom Polizeipräsidium Reutlingen auf Anfrage des Schwarzwälder Boten mitgeteilt worden. In dem aktuellen Fall wird von der Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass der Audi auf dem Weg nach Polen abgefangen werden konnte.

 

Das Fahrzeug war in der Nacht auf Dienstag vor dem Haus der Eigentümer in der Rangendinger Waldstraße gestohlen worden. Der Audi ist mit einem Keyless-Go-System ausgestattet, worauf in der gemeinsamen Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft Hechingen vom Dienstag hingewiesen wurde.

Serie von Aufbrüchen in VS

Dies lässt darauf schließen, dass das Fahrzeug von den Dieben über Manipulationen an diesem modernen Schließsystem geöffnet worden sein könnte. Dazu würde auch passen, dass sich der Fahrzeugschlüssel zur vermeintlichen Tatzeit im Haus der Eigentümer befand, wie dem Schwarzwälder Bote bekannt ist.

Hochwertige und mit diesem Keyless-System ausgestattete Fahrzeuge wurden in der Vergangenheit immer wieder aufgebrochen. Meist wird dabei das Fahrzeug, wie jetzt in Rangendingen, gestohlen. Aber auch Diebstähle aus den Fahrzeugen sind bekannt, wie beispielsweise eine Serie von Autoaufbrüchen in VS-Schwenningen belegt.

Die Diebe machen sich bei dieser Form des Autoknackens einer Sicherheitslücke in der Funkkommunikation zwischen dem Fahrzeug und dem Autoschlüssel des intelligenten Schließsystems zunutze. Mit einem Funkwellen-Verlängerer werden die ständig gesendeten Signale abgefangen und bis zum Empfänger, in diesem Fall dem Türschloss, verlängert.

Diebe hinterlassen keine Einbruchspuren

Diesem wird damit simuliert, dass eine für eine Türöffnung notwendige Nähe des Schlüsselinhabers zur Wagentür besteht – die es in Wirklichkeit aber gar nicht gibt. Die Autotür lässt sich öffnen, ohne dass die Diebe dabei Einbruchspuren hinterlassen. Bei manchen Fahrzeugen ist dann sogar ein Start des Motors und somit ein Diebstahl des Autos möglich.

Autobesitzer mit dieser Komfortschließanlage im Fahrzeug sollten also vorsichtig sein. Interessant dürfte es sein, ob es sich bei dem Fall in Rangendingen nur um einen Einzelfall handelt, oder ob womöglich System hinter dem Vorfall steckt und damit noch weitere Diebstähle folgen könnten? Dazu äußerte sich Polizeisprecherin Kopp dergestalt, dass es im Zollernalbkreis in der jüngeren Vergangenheit keine Autodiebstähle dieser Art gegeben habe. Allerdings sei Anfang März diesen Jahres in Bisingen ein Audi A5 gestohlen worden, der ebenfalls mit dem Keyless-Go-System ausgestattet war. Dieses Fahrzeug ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Ob zwischen dem Rangendinger Fall eine Verbindung zu mehreren ähnlichen Diebstählen aus Autos in VS-Schwenningen besteht, konnte Andrea Kopp aus ermittlungstechnischen Gründen nicht sagen. Dort war es seit Ende Mai zu mehreren mysteriösen Autoaufbrüchen gekommen, bei denen von der Polizei ebenfalls keine Einbruchspuren festgestellt wurden.

Polizei rät: Schlüssel nicht neben Tür lagern

Anfang März wurde ein Audi A5 in Bisingen auf ähnliche Weise gestohlen. Dort lag es deshalb nahe, dass die Diebe mit derselben Technik vorgegangen sind und das Auto über das Keyless-System knackten. In allen Fällen blieb das Fahrzeug zwar stehen, doch wurden jeweils Gegenstände und Geld aus dem Auto mitgenommen.

Die Autobesitzerin in Rangendingen ist auf jeden Fall sensibilisiert. Erst diese Woche habe sie erfahren, dass auch in Stuttgart erst vor kurzem auf ähnliche Weise ein teurer Porsche gestohlen worden sei. Dort seien die Bewohner über den Vorfall informiert worden – wohl zur Prävention.

Die Polizei in Schwenningen rät, bei einem Keyless-System den Autoschlüssel nicht in der Nähe der Wohnungs- oder Haustüre aufzubewahren. Weiter könne der Schlüssel gegen Missbrauch auch durch das Einwickeln in Alufolie oder mit Hilfe einer speziellen Schutzbox geschützt werden. Auch das Ablegen im Kühlschrank soll helfen. Bei manchen Autoherstellern kann das Keyless-System auch temporär abgestellt werden.

Außerdem soll beim Abstellen und Verlassen des Autos darauf geachtet werden, ob sich Personen mit Aktenkoffern oder Rucksäcken in der Nähe befinden, die sich verdächtig verhalten. In den Koffern könnten sich die für ein Knacken des Systems notwendigen Apparaturen befinden.