Gut 400 Besucher sind zur Anti-Windkraft-Veranstaltung in die Festhalle nach Rangendingen gekommen. Foto: Kauffmann

Gut 400 Besucher sind in die Turn- und Festhalle Rangendingen zum Info-Abend der Windkraftgegner gekommen. Viele Besucher unterschrieben vorbereitete schriftliche Einwendungen. Professor Michael Thorwart kritisierte die Energiewende deutlich.

Wer die Rangendinger Festhalle am Mittwochabend betritt, hört ein durchdringendes Rauschen. „Dieses läuft 24 Stunden am Tag“, klärt Wolfgang Vötsch vom Verein „Gegenwind Hohenzollern“ auf, der zusammen mit der Bürgerinitiative „Pro Natur Starzach“ über die Auswirkungen der angedachten Windkraft in der Region informieren will. Simone Walker-Hertkorn drückt den Zweck der Veranstaltung so aus: „Wir wollen ein Wachrütteln erzeugen.“

 

Viele Besucher füllen Bögen aus

Einige Mitstreiter haben im Eingangsbereich von den Organisatoren vorformulierte Einwendungen verteilt, darin geht es unter anderem um die „Zerstörung unseres Waldes“, „Wertverlust von Immobilien“ und den „Schutz von Kindertageseinrichtungen“. Am Ende der Veranstaltung machen zahlreiche Besucher von dem Angebot Gebrauch, zumal nur noch Absenderadresse, Datum und Unterschrift einzutragen sind. Ziel von Gegenwind und Pro Natur ist, so viele ausgefüllte Bögen wie möglich zu sammeln, um sie dem Regionalverband Neckar-Alb zu übermitteln. Man erwartet sich davon eine größere Signalwirkung.

„Windenergie soll entstehen, wo der Wind weht“

Stichwort „Signalwirkung“: Die hat am Mittwochabend schon die Zahl der Besucher. Gut 400 Personen sind gekommen, um sich über den Ausbau der Windkraft zu informieren. Vötsch aus Rangendingen und Walker aus Starzach übernehmen den Auftakt. Sie werfen den Teufel sprichwörtlich an die Leinwand: Fotos zeigen Ansichten von Rangendingen mit hineinmontierten Windkraftanlagen auf Grosselfinger Gemarkung. Abwechselnd listen beide Nachteile der Windkraft auf, machen aber auch deutlich, dass sie nicht gegen Windkraft seien, „die Windenergieanlagen sollen dort entstehen, wo der Wind weht“ – und der blase vor allem in den Küstenregionen.

Ein Raunen geht durchs Publikum

Michael Thorwart, Professor am Institut für Theoretische Physik der Universität Hamburg, hat von der Energiewende derweil sozusagen aus der Vogelperspektive berichtet. So sprach er von Gaskraftwerken, denen das Gas auszugehen droht; von französischem Atomstrom, der nach Deutschland importiert wird; vom Neubau eines Heizölkraftwerks bei Marbach, während Bürger ihre Ölheizungen erneuern müssen – ein Raunen geht bei diesem Punkt durchs Publikum. Seine Kernaussagen: Erneuerbare Energien haben eine nur geringe Energiedichte und die Versorgungssicherheit ist sprichwörtlich naturgemäß nicht gewährleistet. Er wirft Diagramme an die Wand, mit denen er seine Aussagen untermauert.

„Können eigenen Strom nicht mehr selbst herstellen“

So sehr er hin und wieder auch seine Kritik an Medien über die Berichterstattung zu Erneuerbaren Energien durchblicken lässt, so oft zeigt er den Besuchern Medienberichte, wenn sie seine Meinung unterstützen.

Zurück zur Energiesicherheit. Thorwart bringt es so auf den Punkt: „Wir können unseren eigenen Strom nicht mehr selbst herstellen.“ Und die Alternative? Da spricht Thorwart von einer „neuen Atomkraft“, ohne weiter ins Detail zu gehen. Dieses Thema würde einen eigenen Vortragsabend rechtfertigen.

„Wir hoffen auf Tausende Schreiben“

Darüber hinaus macht Thorwart deutlich, dass die Daten im Windatlas für Baden-Württemberg „nicht aussagekräftig“ sind. Der Bundesverband Windenergie und die Landesregierung setzten verschieden hohe Maßstäbe an, die Aufschluss über die Güte der Windkraftstandorte geben. Schon die Daten von Windatlas und Deutschem Wetterdienst würden sich widersprechen.

„Widerspruch“ ist der Begriff des Abends, denn die Organisatoren rufen nach Thorwarts Vortrag auf, die vorbereiteten Einwand-Schreiben zu signieren. „Wir müssen Aufmerksamkeit generieren“, hieß es. Stellungnahmen können bis 11. April abgegeben werden und „wir hoffen auf Tausende Einwand-Schreiben“, so Vötsch und Walker übereinstimmend.

Beteiligungsverfahren

Anlass
Der Regionalverband Neckar-Alb hat Flächen ausgewiesen, in denen Solar- und Windkraftanlagen gebaut werden können. Derzeit läuft das Beteiligungsverfahren, an dem Bürger mit Einwendungen an den Regionalverband teilnehmen können.