Was für Folgen hat es, wenn Homöopathie nicht mehr als Kassenleistung gilt? Zwei Sulzer Apotheker stehen dem Vorhaben von Gesundheitsminister Lauterbach skeptisch gegenüber. Denn die Diskussion um die Bezahlung der Alternativmittel gehe am Kern der Problematik vorbei.
Kürzlich teilte Gesundheitsminister Karl Lauterbach mit, die Streichung von Homöopathie als Kassenleistung anzugehen. „Leistungen, die keinen medizinisch belegbaren Nutzen haben, dürfen nicht aus Beitragsmitteln finanziert werden“, hieß es in einem Empfehlungspapier.
„Homöopathie war schon immer ein Privatvergnügen“, beschreibt Andreas Birke von der Apotheke am Neckar das Prozedere. Die Kunden kauften ihre entsprechenden Produkte auf eigene Rechnung und hätten dann die Möglichkeit, diese bei ihrer Krankenkasse einzureichen.
Kassen sollten selbst entscheiden
Denn einige Kassen erstatteten einen gewissen Betrag an homöopathischen Mittel zurück. „Vielleicht 100 bis 200 Euro“, schätzt der Apotheker. Das Vorgehen Lauterbachs findet er falsch.
„Die Krankenkassen sollten selbst entscheiden, was sie finanzieren und was nicht“, sagt er. Wenn ein Kunde unbedingt Homöopathie abgerechnet haben wollte, könne er schließlich zu einer entsprechenden Kasse wechseln.
Keine belastbaren Studien
Selbst steht er den auf Pflanzen oder Mineralien basierenden Arzneimitteln skeptisch gegenüber. „Es gibt keine Studien, die bestätigen, dass das etwas bringt“, erklärt Birke.
Andererseits sei diese Alternativmedizin auch nachgefragt, etwa bei Erkältungskrankheiten, Gelenkschmerzen, Schwindel oder Schlafstörungen.
„Wenn es keine Wirkung hat, würden die Kunden es beim nächsten Mal ja nicht wieder kaufen“, überlegt er. Ein Vorteil sei, dass diese Mittel eine hohe Verträglichkeit, also kaum Neben- oder Wechselwirkungen hätten.
Kassenleistung ist sehr gering
Und überhaupt wundert er sich über das angegebene Einsparpotenzial. So hatte Lauterbach von Mitteln in Höhe von 20 bis 50 Millionen Euro gesprochen. „Ich bin erstaunt, dass Krankenkassen so viele Millionen für Homöopathie ausgeben“, erklärt er. In Sulz gäbe es beispielsweise keine Ärzte, die das explizit verschreiben würden.
In der Apotheke am Rathaus sei die Nachfrage nach Homöopathika ungebrochen stark, erläutert Sven Gerster. „Der Anteil der homöopathischen Arzneimittel, die von der Gesetzlichen Krankenkasse bezahlt wird, ist sehr gering“, betont er. Daher sähe er die Maßnahme Lauterbachs als „Symbolpolitik“, da sie nur einen vernachlässigenden Effekt habe.
Medikament manchmal wirkungslos
Homöopathie werde seitens der Kunden in der Regel als eine Ergänzung, nicht als Konkurrenz zur herkömmlichen Medizin gesehen. Patienten, die positive Erfahrungen mit solchen Produkten gemacht hätten, stünden anderen Therapien grundsätzlich nicht ablehnend gegenüber.
Wie sein Kollege Birke bescheinigt er homöopathischen Arzneimittel eine gute Verträglichkeit und geringe Nebenwirkungen. „Auch sind sie oft mit Schwangerschaft und Stillzeit kompatibel“, ergänzt er. Allerdings müsse man auch damit rechnen, dass ein Präparat nicht wirke.
„Diskussion geht Problem vorbei“
Wichtig sei auch der Faktor Zeit. „Man braucht für die Homöopathie Zeit. Ein genaues Gespräch und Kennen des Patienten sind für die Wirkung entscheidend“, erklärt Gerster. Daher hätten oft auf Homöopathie geschulte Heilpraktiker und Ärzte die beste Trefferquote bei komplexen Fällen.
Seiner eigenen Zunft attestiert er hingegen andere Stärken. „In der Apotheke können typische Beschwerdebilder zuverlässig gelindert werden.“
Schlussendlich erwarteten die Kunden auch gar nicht, dass die Krankenkassen für die preiswerten Präparate aufkämen. „Die Diskussion um die Streichung der Leistungen für Homöopathie führt am Kern der Problematik vorbei“, stellt er fest.