Einfache technische Geräte machen es möglich, Internetkapazitäten mit anderen zu teilen. Foto: Müller Foto: Schwarzwälder-Bote

Freifunk: Arbeitskreis Asyl Albstadt hilft jungen Flüchtlingen bei einem Technik-Problem

Fehlender Internet-Zugang ist ein Problem für viele, vor allem junge Flüchtlinge. Der Arbeitskreis Asyl hat ein Mittel dagegen.

Albstadt-Tailfingen. Im Gemeindezentrum Stiegel hatte sich an den Nachhilfe-Nachmittagen mit Flüchtlingen gezeigt, dass fehlender Internetzugriff ein großes Problem ist. Technik-Kenner Christian Mehl, der in Tailfingen wohnt, weiß aufgrund seiner langjährigen Auslandsaufenthalte, wie wichtig der Kontakt zur Heimat ist, fand die Lösung und den Verein Freifunk-Neckar-Alb, noch in der Gründungsphase.

Inzwischen hat sich das halbjährige Pilotprojekt des Arbeitskreises Asyl Albstadt voll bewährt und den einst skeptischen Kirchengemeinderat ganz und gar überzeugt: "Freifunk". Jeder Internetnutzer kann mittels eines besonderen Routers ohne Risiko einen Teil seiner überschüssigen Internetkapazität für Flüchtlinge und Benachteiligte bereitstellen. Der Internetvertragsnehmer haftet dabei im Fall unrechtmäßiger Nutzung durch seine Mitnutzer nicht. Auch das eigene Netzwerk kann dabei keinen Schaden nehmen. Die einmaligen Kosten für den Router liegen bei 50 bis maximal 150 Euro, je nach Leistung.

Überzeugen davon kann sich jeder, denn der Router im Gemeindesaal auf Stiegel sowie im Kindergarten Truchtelfingen sind der Beweis, dass es funktioniert. Eine somalische und eine afghanische Familie profitieren nun vom einst brachliegenden Internetanschluss in der Sakristei und der wenig genutzten Internetleitung eines Kindergartens, über dem Flüchtlinge wohnen. Auch die Nachhilfe zieht ihren Nutzen daraus, und sei es nur, um Verständigungsschwierigkeiten zu überwinden. Dass alle beteiligten Familien dafür sehr dankbar sind: selbstredend.

Mit geeigneten Geräten können bis zu fünf Kilometer Entfernung überbrückt werden, freie Sicht vorausgesetzt. Sogar Kirchtürme werden zu Sendemasten. Die Freifunk-Bewegung zur Versorgung von Flüchtlingen mit Internet, in Sammel- oder Gemeinschaftsunterkünften, oder auch individuell, hat schon sehr früh eingesetzt. Es gibt bereits unzählige Installationen dieser Art in ganz Deutschland, sehr oft in Kooperation mit Kirchengemeinden, und seit einiger Zeit auch immer öfter in Zusammenarbeit mit kommunalen Verwaltungen.

Die Stadt Tübingen sowie die dortigen Geschäftsinhaber haben in Sachen Freifunk schon längst eine Vorreiterrolle übernommen und bieten diesen in der Tübinger Fußgängerzone an. Die Leistung multipliziert sich, indem die Router "miteinander sprechen" – das heißt, sie teilen sich in Stoßzeiten der Nachfrage die Leistung.

Weitere Informationen: www.freifunk-neckaralb.de, chris@freifunk-neckaralb.de

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: