Unterschiedlich stark betrifft die Corona-Pandemie derzeit die Albstädter Unternehmen. Foto: ©bluedesign – stock.adobe.com

Industrie stellt sich auf harte Zeit ein. Tenor gibt es noch nicht. Ansteckungsgefahr beschäftigt Arbeitgeber.

Albstadt - Das Coronavirus lehrt mittlerweile auch die Unternehmer das Fürchten – wie gehen Albstadts große Arbeitgeber mit der Krise um? Der Schwarzwälder Bote hat sich umgehört.

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Um es vorweg zu nehmen – einen Tenor gibt es (derzeit) noch nicht: Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen und die Ausgangslage. Albstadts große Industrieunternehmen beschäftigt derzeit vorrangig die Frage, wie sich die Ansteckungsgefahr in Grenzen halten lässt. Mayer & Cie. hat das Reisen ganz eingestellt; Groz-Beckert verzichtet auf Dienstreisen im Zug oder Flugzeug und auf Auslandsreisen sowieso. Mitarbeiter, die in den vergangenen zwei Wochen in einem der einschlägigen Risikogebiete waren, bleiben 14 Tage lang zuhause, Besucher in spe, die sich zuvor in eben diesen Gebieten aufhielten, müssen draußen bleiben. Beschäftigte, die direkten Kontakt mit Infizierten oder Verdachtsfällen hatten, bauen Urlaub oder Überstunden ab oder arbeiten, sofern möglich, daheim. Mayer & Cie. hat die Kantine geschlossen, Groz-Beckert seine vom Buffet- auf Ausgabebetrieb umgestellt. Allerorten werden eifrig Türen und Klinken geputzt, und die Sagrotanspenderdichte ist stark gestiegen. Bei Gühring wurde ein Krisenstab geschaffen, der mindestens einmal wöchentlich tagt. Ansonsten beschränken Albstadts Unternehmen die Besprechungen aufs Allernötigste.

Auch die Produktion wird umgestellt; die Unternehmen ziehen neue "Schotten" ein: Assa Abloy entzerrt die Arbeitszeiten, Carl Meiser lässt schichten, und auch Mayer & Cie. hat den Zwei-Schichten-Betrieb eingeführt und zwischen die Schichten sicherheitshalber eine halbe Stunde Knautschzone gelegt. Außerdem wurden Teams geteilt und jeweils eine Hälfte der Mannschaft ins Home Office geschickt – nach einer Woche wird gewechselt.

Kurzarbeit schon vor "Covid-19"

Wie gehen die Firmen mit den ökonomischen Folgen der Coronakrise um? Aus blitzblauem Himmel kommt sie ohnehin nicht; die Konjunktur schwächelt aufgrund der von den USA entfachten Handelskriege schon seit Monaten. Die Automobilbranche hat es dank Dieselskandal und Klimakrise ganz besonders schwer, und das bekommen naturgemäß auch die Zulieferer zu spüren. Gühring lässt seit Januar kurzarbeiten; zu dieser Zeit war Corona alias "Covid 19" noch gar kein Thema. Carl Meiser, ein weiterer Lieferant der großen Automobilhersteller, hat noch genug Aufträge, um in den kommenden zwei Wochen die komplette Mannschaft zu beschäftigen – für die Zeit danach mag Firmenchef Jens Meiser auch Kurzarbeit nicht mehr ausschließen: Derzeit bleibe nichts anderes übrig, als auf Sicht zu fahren – um so wichtiger sei es, die Nerven zu behalten und nicht in Panik zu verfallen.

So sieht man es bei Groz-Beckert auch. Der Geschäftsgang entspreche derzeit – erwartungsgemäß – dem niedrigen Vorjahresniveau; wie es weiter gehen werde, müsse man abwarten. Mayer & Cie. kämpft schon seit über zwei Jahren mit der Dauerstagnation auf dem Textil- und Textilmaschinenmarkt, doch hatte man zu Jahresbeginn ein leichtes Auftragsplus registriert: Die türkischen Textilhersteller hatten kurzzeitig vom Einbruch der chinesischen Konkurrenz profitiert und neue Maschinen geordert; paradoxerweise schien "Covid 19" die Konjunktur zu beleben. Das Zwischenhoch war jedoch nur von kurzer Dauer, und was als nächstes kommt, darüber gestattet sich Benjamin Mayer, Mitglied der Geschäftsführung, keine Prognose. "Der Horizont reicht derzeit bis zum nächsten Tag."

Beim Bau ist die Auftragslage weiter gut

Flexibilität ist auch für Mathias Leichtle, Marketing-Chef von Assa Abloy Albstadt, das Gebot der Stunde. In der Baubranche, der Assa Abloy zuarbeitet, ist die Konjunktur nicht so volatil wie im Textilbereich – der Auftragseingang ist unverändert gut; temporäre Probleme, welche die chinesischen Zulieferer vor Wochen hatten, scheinen bereinigt. Zwar, so Leichtle, mache man sich auf Absatzschwierigkeiten in Europa, das neue Epizentrum des ökonomischen Bebens, gefasst, aber fürs Erste sei Kurzarbeit kein Thema. Und Stellenabbau schon gar nicht.

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