Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Albstadt Kunstmuseum geht in die Stadtteile

Von
"Spitzen"-Unterhosen von Katharina Krenkel sollen in Tailfingen gezeigt werden. Foto: Schwarzwälder Bote

Das Kunstmuseum Albstadt schließt demnächst für ein halbes Jahr. "Abtauchen" wird es in dieser Zeit aber nicht; vielmehr geht es, um in der wässrigen Bildsprache zu bleiben, "offshore" – auf Deutsch: vor die Küste. Konkret: Es unternimmt Abstecher in die Stadtteile.

Albstadt-Ebingen. Museumschefin Veronika Mertens wollte schon lange einmal aus dem Ebinger Hauptquartier nach draußen gehen, aber akut sind diese Pläne erst durch die Zwangslage geworden, sieben Monate lang, von März bis Oktober, auf eigene Ausstellungsräume verzichten zu müssen. Einige den treuen Museumsbesuchern wohlbekannte Werke werden für die Dauer der Sanierung umziehen, es sollen aber auch Arbeiten, die sich aufgrund thematischer Bezüge gut für einen bestimmten Ausstellungsort eignen, aus dem Depot ans Tageslicht geholt werden – und schließlich sollen Werke und Installationen von auswärts nach Albstadt geholt werden.

Für die Sanierung geschlossen wird das Museum am 17. Februar – letzter Aufruf für die laufenden Ausstellungen "Christian Landenberger", "Die dunkle Seite des Mondes", "Elementar!" und "Paarweise!?"! Die Bauarbeiten beginnen im März; sie spielen sich vor allem im Hausinneren ab: Fenster und Türen zum Treppenhaus werden ausgewechselt, die Treppe zum Dachgeschoss entfernt und an anderer Stelle neu gebaut. Hintergrund dieser Maßnahmen, die Mitte Oktober abgeschlossen sein sollen, ist der Brandschutz.

Die "Offshore"-Phase beginnt am 25. April mit einer kleinen Vernissage – nicht im, sondern vor dem Kunstmuseum. Ihr folgt eine Spritztour zu anderen Ausstellungsorten. Etwa zum Ebinger Rathaus, wo Bilder zum Thema "Albstadt" gezeigt werden – das Spektrum ist breit; es reicht von Johann Caspar Obach, einem Grafiker und Zeichner des 19. Jahrhunderts, über aus früheren Ausstellungen bekannte Künstler wie Winand Victor und Michael Papenhoff bis zu Fritz Leibfritz, dem Tailfinger Lokalmatador.

Mit der Kunst wechselt auch das Aufsichtspersonal ins Rathaus – nach dem Diebstahl eines Oberer-Bildes aus der letztjährigen Rathausausstellung will man die Werke nicht unbewacht lassen.

In der Martinskirche wird Sakrales gezeigt

Eine weitere Ebinger Ausstellungsstation ist die Martinskirche – hier soll für zwei Wochen lang ein Altartuch von Katharina Krenkel den Tisch des Herrn zieren, das mit seinen blau-violetten Farbvaleurs Assoziationen an Wasser weckt und sehr lang ist: Es war bereits in etlichen anderen Kirchen zu sehen, und die Künstlerin nahm jeden Termin zum Anlass, ein weiteres Stück anzuhäkeln. Was bedeutet, dass es nach dem Ende der Albstädter "Offshore"- Phase beträchtlich gewachsen sein könnte: Die Direktorin kann es sich gut in anderen Kirchen der Stadt vorstellen.

Eine weitere "Soft Sculpture" Krenkels, die Mertens gerne zeigen möchte, sind zwei riesige Unterhosen aus Albstädter Maschenstoff, die eine außen, die andere innen gespickt mit Rosendornen – wer diese "Spitze" auf seiner Haut verspürt, dem dürfte das Aussitzen vergehen. Nicht von ungefähr wurde diese Unterwäsche schon im Saarbrückener Landtag ausgestellt.

Auch Krenkels Lebensgefährte O.W. Himmel steuert ein "Offshore"-Exponat bei: Bananenlogos als Linolschnitte auf Metallplatten; als Ausstellungsort käme die Gemüsetheke eines Einkaufsmarktes in Betracht. Im Foyer der Walther-Groz-Schule will Veronika Mertens Grafiken von Dietrich Klinge ausstellen, dessen Großplastik "Nighthart" vor der Haustür steht.

Das Ebinger Krankenhaus wäre, wie sie findet, der geeignete Ausstellungsort für eine buchstäblich maßgeschneiderte Kisseninstallation, die die Sießener Franziskanerin Sr. Pietra Löbl bereits vor zehn Jahren im Sigmaringer Krankenhaus gezeigt hat. Ein weiteres Werk Löbls, die Fotoserie "Betende Hände", wäre für das Kloster Margrethausen geeignet – immerhin war es einst eine Heimstatt von Franziskanerinnen. Außerdem will Mertens dort Christian Landenbergers Meisterwerk "Auf der Empore" mit zwei betenden Frauen ausstellen.

Nächste Station: Burgfelden. In Stefanie Doldingers Alter Schule werden Zeichnungen von Katharina Hinsberg gezeigt, und Michael Papenhoff freut sich laut Mertens darauf, mit mehreren seiner abstrakten Radie­rungen "Waagrecht" in einen Dialog mit den Linien der Alten Michaelskirche treten zu dürfen.

In der Lautlinger Pfarrkirche soll die Installationskünstlerin Danuta Karsten ein riesiges wolkenförmiges Gebilde, bestehend aus Oblaten, an der Decke installieren, in Laufen Susanne Kessler ihre Metallplastik "Drei Landschaftstränen" aufbauen und im Tailfinger Maschenmuseum Shooting-Star Christian Kosmas Meyer eine textile Raumin­stallation präsentieren. Ebenfalls in Tailfingen gestaltet Jürgen Palmtag einen "Jersey-Trail" mit teilweise bizarren Radfahrertrikots. Für den Onstmettinger Kasten fasst Mertens geometrisierende Zeichnungen von Hermann Heintschel ins Auge – sie passen zu Uhren und Waagen.

Wer jetzt den Überblick zu verlieren droht, darf beruhigt sein: Bis Ende April soll eine Broschüre vorliegen, die darüber informiert, wo was ist. Zudem geht Veronika Mertens davon aus, dass der Eingangsbereich des Kunstmuseums bereits Mitte April wieder zugänglich ist und im Forum ein "Offshore"-Büro eingerichtet werden kann – sozusagen die einzige Location, die sich an Land befindet.

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.